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Museum für Kommunikation : Als Räuber noch romantisch waren

Das ausgebrannte Fluchtfahrzeug des „Züricher Jahrhundert-postraubes” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Bankräubern haftet bis heute ein Mythos an. Die Ausstellung „Geld oder Leben! Vom Postkutschenüberfall zum virtuellen Datenraub“ im Museum für Kommunikation dürfte selbst hartgesottene Kriminologen beeindrucken.

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          Für die Polizei war Karl Drägenstein „ein ebenso verwegener wie geschickter“ Tresorknacker, Peter Pawlak gar „einer der gerissensten ,Schränker' alter Schule“. Ihre Fahndungsfotos, die die Männer nicht nur von vorn und von der Seite, sondern auch mit und ohne Zylinder zeigen, machten - ebenso wie ihr spektakulärer Geldraub - Geschichte.

          Katharina Iskandar
          Verantwortliche Redakteurin für das Ressort „Rhein-Main“ der Sonntagszeitung.

          Nun hängen ihre Porträts im Museum für Kommunikation als Zeugnis dafür, daß Bankräubern bis heute ein Mythos anhaftet. Mit der Ausstellung „Geld oder Leben! Vom Postkutschenüberfall zum virtuellen Datenraub“ hat das Museum für Kommunikation ein Thema aufgegriffen, das hartgesottene Kriminologen und neugieriges Publikum gleichermaßen beeindrucken dürfte.

          Viele der Exponate stammen aus polizeigeschichtlichen Sammlungen aus dem gesamten Bundesgebiet. So ist die Ausstellung nicht zuletzt eine Chronologie der deutschen Kriminalgeschichte, die sich auf den Geldraub fokussiert. Im Lauf des 18. Jahrhunderts mehrten sich die Fälle räuberischer Übergriffe auf Briefkuriere und Postwagen. Von 1920 an etablierte sich der Bankraub, der als neue Form des Überfalls aus Amerika nach Europa kam. Anschaulich ist dabei die Veränderung der Schauplätze: Waren es bei den Postkutschenüberfällen noch dunkle Wälder, die im Museum durch einzelne Baumstämme simuliert werden, so sind es später Bankfilialen oder das Internet, mit deren Hilfe organisierte Banden die Konten ahnungsloser Kunden leer räumen.

          Romantisierung und Brutalität

          Am Beispiel des bekannten Räubers Johannes Bückler, der als „Schinderhannes“ berühmt wurde, stellt die Ausstellung die Kluft zwischen Romantisierung und Brutalität heraus. „Fast kann man von einer Vermischung von Wirklichkeit und Fiktion sprechen“, sagte Klaus Beyrer, der als Projektleiter zusammen mit Gaby Sonnabend die Ausstellung initiiert hat.

          Nicht nur das Fallbeil ist zu sehen, mit dem „Schinderhannes“ hingerichtet wurde, sondern auch Produkte, die im Hunsrück eine etablierte Einnahmequelle geworden sind: „Schinderhannes“-Altbier und Wein, von lieblich bis trocken. Sogar „Schinderhannes“-Brot gibt es zu kaufen. Daß die meisten Bankraube der Neuzeit eher grausig als romantisch sind, zeigen Exponate wie die rote Kapuze, die ein Räuber als Maskierung bei einem Überfall in München getragen hat. Ferner ist eine Gasmaske zu sehen, die ein Berliner Bankräuber trug, um einen Fluchttunnel zu graben, durch den er später 5,6 Millionen Mark Lösegeld trug.

          Heiterer wirkt da der britische Humor in Form eines Brettspiels, das unter dem Namen „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ ausgestellt ist. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Adaption von „Monopoly“. Liest man jedoch Spielbefehle wie etwa „Alibi geplatzt. Gehe zehn Felder zurück“, so wird schnell klar, daß es hier um nichts Geringeres als ein Verbrechen geht. Und so darf ein Spielbefehl natürlich nicht fehlen: „Gehen Sie in das Gefängnis.“

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