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Museum der Weltkulturen : Standortsuche am Mainufer nun „Chefsache“

Bisher ist das Museum der Weltkulturen am Schaumainkai untergebracht Bild: Helmut Fricke

Sagenhafte Schätze, sagt man, lagerten in den drei Depots. Kulturgüter, die schon lange einen angemessenen Platz hätten finden müssen. Für das Museum der Weltkulturen favorisiert der Frankfurter Magistrat das Degussa-Areal. Bis März soll es ein Konzept geben.

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          Sagenhafte Schätze, sagt man, lagerten in den drei Depots. Kulturgüter von unschätzbarem Wert, die schon lange einen angemessenen Platz in einem ansprechenden Gebäude hätten finden müssen. Frankfurts ethnologische Sammlung, von der immer nur kleine Teile aus dem Dunkel der Verliese hervorgeholt wurden, um sie in den drei Villen am Museumsufer zu zeigen, nahm im Lauf der Jahrzehnte einen geradezu mythischen Charakter an. Und wie es sich mit Mythen so verhält, wurden irgendwann auch Stimmen laut, die sich skeptisch über die Bedeutung der im Verborgenen schlummernden Kollektion äußerten.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber es stimmt. Die Objekte aus Afrika, Asien, Südamerika, Ozeanien, die mehrere Generationen von Forschern und Abenteurern aus der Ferne an den Main gebracht haben, bilden einen einzigartigen Hort. So bestätigt etwa Klaus Schneider, Direktor des Kölner Rautenstrauch-Joest-Museums für Völkerkunde, den Rang der weltkulturellen Sammlung: „Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass die Frankfurter Sammlung sehr bedeutend ist.“ Für deren Präsentation gibt es seit vielen Jahren nur einen Notbehelf. Größere Stücke wie die mittlerweile zur Legende gewordenen gewaltigen Einbäume aus der Südsee lassen sich in den einstigen großbürgerlichen Wohnhäusern ohnehin nicht installieren. Das Völkerkundemuseum heißt mittlerweile Museum der Weltkulturen. Fehlt nur der Platz, damit sich die Welt auch zeigen kann.

          65.000 Objekte umfasst das Inventar

          In der Sammlung, führt Schneider aus, gebe es etliche Stücke, die zu besitzen jedem ethnologischen Museum Glanz verliehe. So enthalte die Afrika-Sammlung „herausragende Werke“. Und es werde ja in den Depots immer wieder einmal etwas Spektakuläres entdeckt. „Manche Sammlungsteile sind ja seit 20 Jahren nicht mehr bewegt worden.“ Auch der Bestand an ozeanischen Objekten sei seines Wissens außergewöhnlich.

          Museumsdirektorin Anette Rein stimmt zu und nennt ein Beispiel: die „Benin-Bronzen“, die vor einiger Zeit wiederentdeckt wurden. Lange hatten es die Wissenschaftler nicht für möglich gehalten, dass in Afrika derlei Arbeiten, die einen sehr komplizierten Herstellungsprozess benötigen, entstanden sind. So gehe es auch immer darum, Vorurteile zu widerlegen, sagt Rein. Frankfurt besitze zudem eine Vielzahl von Gegenständen, die den Ahnenkult etwa in Indonesien belegten, viele wertvolle Textilien aus aller Welt, Seltenheiten wie die Fassade eines Männerhauses aus Neuguinea oder eine Anzahl ungewöhnlich kunstvoll gestalteter Boote. Etwa 65.000 Objekte umfasst das Inventar. Ein Neubau müsse, fährt Rein fort, aber auch genügend Raum für Veranstaltungen lassen: „Es geht hier um das materielle und immaterielle Weltkulturerbe.“

          Auf die Besonderheit der Sammlung hatten Fachleute in der Vergangenheit immer wieder aufmerksam gemacht. Schließlich sollte das Völkerkundemuseum ja auch den Schlussstein im Gefüge von herrschaftlichen Altbauten und avancierten architektonischen Gebilden am Südufer des Mains bilden. Aber der Stadt ging das Geld aus. Richard Meier, der Architekt des ganz in Weiß gehaltenen Museums für Angewandte Kunst, damals Museum für Kunsthandwerk, sollte auch das neue Völkerkundemuseum bauen. Das Projekt wurde verschoben. In den neunziger Jahren gab es neue Anläufe, das Großvorhaben Museumsufer doch noch mit einem weniger repräsentativen Anbau oder Neubau für die völkerkundliche Sammlung zu beenden. Es blieb bei Planspielen.

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