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Museen : Städel will Schwerpunkt auf zeitgenössische Kunst legen

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Städel-Direktor Hollein strebt Neuerung, aber keine Konkurrenz zum Museum für Moderne Kunst an Bild: Wonge Bergmann

Das Städel in Frankfurt gilt als eines der wichtigsten deutschen Museen im Bereich der Klassiker. Doch will es künftig den Schwerpunkt verstärkt auf zeitgenössische Kunst legen. Dazu ist eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank und der DZ Bank geplant.

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          Bislang galt das Städel Museum in Frankfurt als eines der wichtigsten deutschen Museen im Bereich der Klassiker. Mehr als 100.000 Zeichnungen und Grafiken umfasst sein Bestand, hinzu kommen fast 3000 Gemälde herausragender Künstler: Dürer, Cranach, Rembrandt, van Gogh und Picasso. Bedeutend aber oft angestaubt. Das könnte sich jetzt ändern. Denn das Haus will den Schwerpunkt seiner Sammlung zusätzlich auch auf zeitgenössische Kunst ausdehnen. Eine Kooperation mit der Deutschen Bank und der DZ Bank in Frankfurt soll dies ermöglichen.

          Seit der Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt, Max Hollein, Anfang 2006 auch die Leitung des Städel übernommen hat, weht ein neuer Wind durch die altehrwürdigen Räume. Denn Hollein setzt als Museumsdirektor nicht nur auf die nahezu gleich bleibenden städtischen Zuschüsse bei der Finanzierung seiner Vorhaben, sondern zieht sich immer wieder Sponsoren heran, die seine Ausstellungen und Projekte unterstützen.

          Werke aus Bank-Sammlungen von 2010 an zu sehen?

          Da die Sammlung des Städels bislang zwar das eine oder andere zeitgenössische Kunstwerk umfasste, aber etwa nur wenige Kunstwerke aus dem Bereich der Fotografie besaß, nutzt Hollein nun erneut seine Kontakte zu den großen Geldgebern in den Bankentürmen. Denn die DZ Bank verfügt über eine der bundesweit bedeutendsten Sammlungen zeitgenössischer Fotografie. Die Deutsche Bank widmet sich mit ihrer Unternehmungssammlung vor allem modernen Arbeiten auf Papier. Perfekte Partner also. Beide sind derzeit nicht öffentlich zugänglich, könnten aber die Kunstsammlung des Städel thematisch erweitern.

          Bereits im Herbst vergangenen Jahres hatte das Museum einen Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben. Für 20 bis 30 Millionen Euro soll ein Anbau realisiert werden, in dem - so heißt es aus Museumskreisen - dann 2010 bereits Werke aus den Bank-Sammlungen zu sehen sein könnten. Ob die Werke als Dauerleihgaben oder Schenkungen an das Museum übergehen, wollte Hollein mit dem Hinweis auf die laufenden Gespräche unterdessen nicht sagen. Erst im Februar, wenn die Jury den Gewinner des Wettbewerbs kürt, wollen das Städel und die Banken mit den konkreten Plänen herausrücken.

          „Überschneidungen in den Sammlungen möglich“

          Eine Konkurrenz zum Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt sieht Hollein mit seinem Modell aber nicht. „Es kann natürlich zu Überschneidungen in den Sammlungen kommen“, meint er, der „Sammlungskontext“ sei aber ein völlig anderer. „Aber das Städel hat seit 200 Jahren immer wieder zeitgenössische Arbeiten gesammelt.“

          Kritiker hatten in der Vergangenheit immer wieder vor der Macht Holleins gewarnt. Denn als Chef der Schirn, des Städel und des angegliederten Liebieghauses gilt Hollein als einer der wichtigsten Museumsmacher in Deutschland. Andere Museen könnten unter der Machtanhäufung leiden, fürchten sie. Doch die Zahlen scheinen Holleins Linie zu bekräftigen: Während die Besucherzahlen seit 2004 nur leicht wuchsen, schnellten sie von 2006 mit 195.000 auf 273.000 im vergangenen Jahr.

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