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„Don Giovanni“ in Darmstadt : Letztes Abendmahl eines Frauenhelden

Verliebt: Donna Elvira (Solgerd Isalv) kann von Don Giovanni (Julian Orlishausen) nicht lassen. Bild: Nils Heck

Zwei Prinzipien stellt Carsten Wiegand in Mozarts „Don Giovanni“ am Staatstheater gegenüber: Versteinerung und Lebendigkeit.

          3 Min.

          Nach der gefloppten „Zauberflöte“ an der Oper Frankfurt und „Così fan tutte“ als Klamotte mit Fallhöhe am Staatstheater Mainz hat Darmstadt als erste Opernpremiere der Saison nun ebenfalls einen großen Mozart-Klassiker auf die Bühne gebracht. „Don Giovanni“ entfaltet am Staatstheater in der Inszenierung des Intendanten Karsten Wiegand vor allem durch die starke Schlussszene eine die Gedanken anregende Nachwirkung. Mit ihr schlüsselt sich einiges auf, das zunächst statisch oder unbeholfen wirkt. Wiegand stellt einander nämlich bewusst zwei Prinzipien gegenüber, wie am Ende klar wird: die Sphäre der Erstarrung, wie sie der von Don Giovanni ermordete und zum Finale als „Steinerner Gast“ erscheinende Komtur repräsentiert, und die des Lebendigen, Agilen, Flüchtigen, wie es der Titelheld verkörpert. Geistig-moralisch gesehen stehen sich somit die konservative Betonierung und das hedonistische Lustprinzip gegenüber.

          Guido Holze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Der bestrafte Wüstling“ („Il dissoluto punito“), wie Mozarts Dramma giocoso nach Lorenzo da Ponte ja eigentlich im Ersttitel heißt, ist nach dieser Lesart vielleicht keine Projektionsfigur, aber doch ein Inspirator für fast alle, besonders für die verführten Frauen. Dieser moderne Ansatz findet in Mozarts Musik erstaunlich gut Deckung. Zum Verständnis trägt die finale Szene im Speisesaal viel bei. Wiegand setzt sie in seinem eigenen kargen Bühnenentwurf als ein viele Minuten lang von Statisten regungslos gehaltenes Tableau vivant nach Leonard da Vincis „Abendmahl“ im Refektorium der Mailänder Kirche Santa Maria delle Grazie in Szene. An der langen Tafel sitzt schon der erstarrte Komtur neben dem Verräter Judas, wohl als Petrus, der Fels, während der Platz des Erlösers frei bleibt, bis dort Don Giovanni genussvoll einen Fasan verspeist.

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