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Mousonturm : Der Klang der späten Stunde

  • -Aktualisiert am

Die Schwedin Sophie Zelmani im Frankfurter Mousonturm Bild: dpa

Am liebsten schreibt die Schwedin Sophie Zelmani träge Wiegenlieder für Verliebte – wie jetzt bei ihrem Konzert im Frankfurter Mousonturm.

          2 Min.

          Kurz bevor sie einschläft, vielleicht auf einer schmalen Tourbuspritsche, greift Sophie Zelmani immer zu einer grauen Kladde. Sie vertieft sich in krakelige Zeilen zumeist glühender Verehrer, geschrieben in der Dämmerung des faden Bühnenlichts. Es ist ihre Art, den vergangenen Abend zu reflektieren und gleichzeitig etwas über die eigenen Anhänger zu erfahren: Wer sie sind, was ihnen die Musik der Schwedin bedeutet. Auch bei Zelmanis Gastspiel im Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm reichte die Sängerin das kleine Gästebuch in die Zuschauerreihen des leidlich gefüllten Saals. Drei Songs hatte sie bis dahin gespielt.

          An amerikanischen Folkstandards orientiert

          Schon zu diesem Zeitpunkt deutete sich an, dass ein überraschungsarmer Auftritt bevorstand. Nahezu unbemerkt war die scheue Songschreiberin eingangs auf die mit Fischernetzen drapierte Bühne geschlichen, hatte auf einem Holzstuhl Platz genommen und mit „Yeah, Okey“, einem Titel ihres aktuellen Albums „The Ocean and Me“, das Konzert begonnen.

          Der Charakter des Stücks ist exemplarisch für Zelmanis Gesamtwerk. Auch auf ihrer siebten Produktion orientiert sie sich an amerikanischen Folkstandards in betulichem Tempo, vermengt mit sachten Country-Elementen. Meist sind es träge Wiegenlieder für Verliebte, hingehauchte Kompositionen fernab jeder Erotik, um sich vor prasselndem Kaminfeuer an den Partner zu schmiegen oder ihm nachzutrauern. Kennzeichnend für diesen Klang der späten Stunde, den Zelmani auch live nicht aufgibt, ist ihre hauchdünne Stimme.

          Jener Wisperton, der immer wiederkehrende raunende und kaum vernehmbare Sprechgesang, hat als Stilmittel zeitweilig seinen Reiz. Nur lotet die Stockholmerin weder im Studio noch auf der Bühne die Möglichkeiten ihres Organs aus. Besonders dann, wenn die Begleitmusiker für einen Moment das Tempo anziehen und die Lautstärke heben, etwa zum Ende des Songs „Love On My Mind“, wünscht man sich, die Protagonistin könne mitgehen und vokalen Druck ausüben, setzte ein paar Akzente selbst und nicht nur die Band. Doch Zelmani lehnt sich in diesen seltenen aufwühlenden Phasen des Konzertes in ihrem Stuhl zurück und schaut verstohlen zur Seite. So steigert sie die Gleichförmigkeit ihrer stilistisch ohnehin äußerst engmaschigen Songs.

          Erschreckend ausdruckslos

          Auch „Most Of The Time“, ein Stück mit dem Bob Dylan Ende der achtziger Jahre nonchalant sein Spätwerk begann, bettet die Sängerin erschreckend ausdruckslos in ihr eigenes Material ein, ohne dem fremden Lied etwas hinzufügen zu können. Trotzdem bildet diese Coverversion den Auftakt zu einem kurzen belebenden Abschnitt.

          Verantwortlich dafür ist vor allem Zelmanis exzellente Tourband, aus der die Gitarristen Johan Lindström und Lars Halapi mit feinfühligen und ungemein sicher gespielten Soli hervorstechen. Big Johnny Jewel, der mit seiner an Ryan Adams erinnernden Zigaretten-Stimme zu Beginn des Abends ein frappierend kurzes Set gespielt hatte, überzeugt zudem mit verhaltenem, dann zunehmend Wellen schlagendem Mundharmonikaspiel. Die beiden folgenden Titel deuten an, dass Zelmani in der Lage ist, düstere Stimmungen in ihre Kompositionen zu integrieren. Doch das unterkühlt staksige „Moonlight“ mit polternder Bassdrum und Tremolo-Einsatz sowie „Time“, dessen Trab aufjaulende Gitarren durchbrechen, bleiben Ausnahmen. Schnell verfällt die Musik wieder in den für die Sängerin typischen, sanft schaukelnden Rhythmus. Das mag man verträumt nennen oder langatmig, stilergeben oder risikoscheu. Sophie Zelmani wird es sicher in ihrem grauen Büchlein nachlesen können.

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