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Motorradclub „Black Devils“ : Die Rückkehr der schwarzen Teufel

  • -Aktualisiert am

„Black Devils“: Der Motorradclub feiert die Wiedereröffnung seines Clubheims. Bild: Cornelia Sick

Der Motorradclub „Black Devils“ feiert die Eröffnung seines Clubheims in Taunusstein. Hunderte Biker aus Deutschland und Italien kommen. Doch die Rocker erfüllen nicht jedes Klischee.

          Flammen lodern aus großen Feuerschalen und weisen den Weg. Dichtgedrängt stehen die Gäste vor den Theken oder bewegen sich auf der Tanzfläche. Vor dem Eingang bildet sich früh am Abend eine lange Schlange, die auch nach Stunden nicht kürzer wird. Schwarze Kutten dominieren das Bild. Große Männerhände umschlingen einander in kräftigem Druck, Schultern werden geklopft – alte Freunde grinsen sich an, umarmen sich. Das Chapter Borderland der „Black Devils“ hat gerufen, und aus ganz Deutschland und Italien sind Hunderte Mitglieder des Motorradclubs zur teuflischen Eröffnung des alten und neuen Clubhauses im Taunussteiner Stadtteil Hahn gekommen. Es ist eine riesige Party, denn aus Wiesbaden und dem Rhein-Main-Gebiet kommen noch einmal ebenso viele Gäste zur Eröffnung. Exakt zählen lässt sich die Zahl der Besucher nicht, denn auf verschiedenen Ebenen hat der Motorradclub sein neues „Home of Borderland“ zu einer ganz besonderen Party-Location umfunktioniert.

          Bis in die frühen Morgenstunden feiern die Biker und ihre Gäste friedlich. „Keine besonderen Vorkommnisse“, meldet die Polizei am Morgen danach. Die Black Devils sind sozusagen wieder zu Hause. Der Club hatte das Haus schon von 2008 bis 2013 gemietet – die Partys genießen in der Region noch heute Kultstatus. „Das gibt’s ja nicht, das sind die gleichen Gesichter wie vor zehn Jahren“, ist am Abend oft zu hören. Neben vielen neuen Gästen sind auch zahlreiche alte Freunde des Motorradclubs anwesend, die im Laufe der Party immer wieder nostalgische Geschichten von früheren Erlebnissen erzählen. Mitglieder der Taunussteiner Feuerwehr sind ebenso dem Ruf der Biker gefolgt wie Angehörige anderer Vereine. Im Biergarten steht ein Nagelklotz, und es dauert keine fünf Minuten, bis die Hämmer geschwungen werden. Männer spielen ihre Spiele.

          Die Party ist eröffnet: Am Samstagabend drängen sich Mitglieder und Besucher vor dem Clubhaus der „Black Devils“ in Taunussstein.

          15 Stunden zuvor: Im neuen Clubhaus wird noch eifrig gearbeitet. Holger, genannt Schwede, ist der Präsident des Motorradclubs, dessen Chapter derzeit 14 Mitglieder hat. Der Schwede ist ziemlich groß und das, was man landläufig als „Kante“ bezeichnet. Der Vierundvierzigjährige betreibt in Wiesbaden eine Kampfsportschule. So weit das Klischee. Holger und sein Vize-Präsident Joshy stellen im Gespräch erst einmal klar, dass sie Deutschlands ältestem Motorradclub angehören. „Wir feiern im Sommer unseren 50. Geburtstag im Schlachthof in Wiesbaden“, sagt Joshy. Die meisten Mitglieder des Chapters Borderland kommen aus Wiesbaden. Die beiden Rocker sitzen im „Member-Room“ auf großen schwarzen Stühlen; eindeutig der Platz für die Präsidenten. Man merkt ihnen die Vorfreude auf den Abend an.

          „Wer einmal da war, der merkt, die beißen nicht“

          Rocker haben in Deutschland derzeit kein gutes Image. Kein Wunder also, dass es den beiden wichtig ist, dass ihr Club nicht irgendeine „Streetgang“ mit kriminellem Hintergrund ist. „Ohne Motorradführerschein kannst du bei uns kein Mitglied werden“, stellt der Schwede klar. „Mindestens 500 Kubik müssen es schon sein“, ergänzt der 53 Jahre alte Joshy, und der Schwede nickt. „Bei uns geht es ums Motorradfahren und Partys, der Ruf irgendwelcher krimineller Gangs schadet uns“, sagt der Schwede. Bei Taunussteins Bürgermeister Sandro Zehner (CDU) ist die Botschaft angekommen. Er hat nach eigener Auskunft „kein Problem“ mit den harten Jungs der Black Devils, im Gegenteil. „Ich habe ein Gespräch mit dem Präsidenten geführt, und wir haben eine gute Zusammenarbeit vereinbart“, sagt er am Tag vor der Party.

          In Feierlaune: Die Biker wollen das Nachtleben in Taunusstein fördern.

          Zehner geht zwar davon aus, dass es die Rocker bei ihren internen Clubfeiern mächtig krachen lassen, freut sich aber darüber, dass es auch öffentliche Partys geben wird. „Wer einmal da war, der merkt, die beißen nicht“, sagt er und fügt an: „Das sind vernünftige Kerle.“ Seine Sympathie für die Devils kann und will Zehner nicht verhehlen. Laut Joshy sind die Devils auch schon gefragt worden, ob sie als Security bei Veranstaltungen helfen würden. „Klar machen wir das“, verspricht der Schwede und kündigt an: „Bei uns sind Frauen sicher. Hier wird auch niemand unnötig verprügelt.“ Im Gegenteil, der Club möchte, dass seine Veranstaltungen wieder möglichst viele Besucher nach Taunusstein locken. Dabei kann es manchmal auch ein wenig derb zugehen; das wird von Rockern aber auch erwartet. „Am ersten Samstag des Monats veranstalten wir Table-Dance und am dritten Samstag Obenohne“, sagt der Schwede, schränkt jedoch ein: „In erster Linie ist das hier unser Wohnzimmer.“

          Die Devils planen im Sommer ein sonntägliches Biker-Frühstück, auch für Familien, und der Biergarten soll wieder hergerichtet werden. Für die Biker, die das Haus an der Aarstraße seit mehr als neun Wochen renoviert haben, ist die Eröffnung etwas ganz Besonderes. „Wir freuen uns, wieder hier zu sein und mit den Taunussteinern gute Nachbarschaft zu pflegen“, sagt der Schwede. Früher, so berichtet er stolz, kam „halb Taunusstein“ zu den Veranstaltungen der Biker. Das ist ein hoher Anspruch, aber bei dem Schweden ist keine Spur von Unsicherheit zu erkennen: „Wir werden das Nachtleben hier wieder beleben.“

          15 Stunden später: Die Stimmung kocht, die Bässe wummern. Auf der Tanzfläche ist es noch immer richtig voll. Der Schwede sitzt neben dem DJ auf einem Stuhl leicht erhöht und blickt verhalten lächelnd auf seine Gäste. Er trägt eine ärmellose Kutte und zeigt muskulöse tätowierte Arme. Es ist das Bild eines Mannes, der mit sich und seinen Black Devils zufrieden ist. „Das läuft super“, antwortet er auf die Frage, ob die Party nach seinem Geschmack sei, und drückt zum Abschied noch einmal fest die hingehaltene Hand. Draußen brennt noch immer ein Feuer. „Home of Borderland“ ist eröffnet; die schwarzen Teufel sind zurück.

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