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Moderne Kunst : Hängender Sound

Computertöne, durch die man gehen kann: Florian Hecker präsentiert im MKK 3 in der Frankfurter Domstraße Klangwerke aus den letzten zwölf Jahren.

          2 Min.

          Die Situation ist offen. Die Klänge verteilen sich im gesamten Gebäude, unten sind die Wände mit einem blauen Lodenstoff verkleidet, ein Lautsprecher hängt von der Decke, oben im großen Raum mit seinen ausladenden Fensterfronten und Ziegelsteinmauern sowie -stützen baumeln in einer Höhe von jeweils anderthalb Metern 14 Beschallungsgeräte. Man kann daher durchaus von Hängung sprechen.

          Michael Hierholzer
          (zer.), Rhein-Main-Zeitung

          Zwar handelt es sich hier um eine Soundinstallation, genauer: um 16 verschiedene Arbeiten, die täglich während der Öffnungszeiten in einer bestimmten Abfolge zu erleben sind, aber der visuelle Aspekt spielt im Werk von Florian Hecker ebenfalls eine Rolle. Die Lautsprecher sind nicht symmetrisch angeordnet, gewiss hat ihre Formation mit der Akustik im einstigen Hauptzollamt zu tun, das unter der Abkürzung MMK 3 dem Frankfurter Museum für Moderne Kunst als Ort für größere experimentelle Installationen dient (Domstraße 3).

          Schroff, spröde und abweisend

          Aber diese Ordnung der Dinge hat auch bildästhetische Gründe. Die kleinen Boxen, High-End-Produkte, lassen sich im Zusammenspiel als minimalistische, äußerst reduzierte skulpturale Struktur in einer klar gegliederten Architektur verstehen, die wie eine ideale Hülle für den hängenden Sound wirkt. Die Besucher sind aufgefordert, sich durch die Halle zu bewegen und Klangerlebnissen der besonderen Art auszusetzen.

          „Formulations“ ist der Titel der Präsentation, die zum Programm der Europa-Kulturtage der Europäischen Zentralbank gehört. Diese Kunst bedarf der Mitwirkung. Man muss sich auf sie einlassen. Und Irritationen aushalten, denn es sind gleichsam transzendente Töne, die das Ohr erreichen. Mit harmonischen Klängen haben sie nichts zu tun, auch nichts mit Alltagsgeräuschen, sie wurden vom Computer generiert und konstituieren eine Welt aus reinen, also nicht assoziativ mit Bedeutungen oder Emotionen verbundenen Audio-Einheiten. Hecker ist es um die Relation von Klangreiz und Hörempfindung zu tun. Was nehmen wir als laut, leise, scharf, rauh, weich wahr? Das ist eine gewissermaßen wissenschaftliche Vorgehensweise, die sich dem Besucher, dem Hörer freilich nicht unmittelbar erschließt. Er hat es zunächst einmal mit einer technizistisch anmutenden Ton-Akkumulation zu tun.

          Schroff, spröde und abweisend bauen sich die digital erzeugten Stücke im Raum auf, es gibt keine Bezugspunkte außerhalb dieses kühlen Ambientes. So autonom war die Kunst schon lange nicht mehr. Diese künstlerische Vorgehensweise ist jedoch nicht neu, sie entspricht der abstrakten Avantgarde, die in Einzelteile zerlegte, was herkömmlich in den Kunstwerken zusammenkam: Farbe, Form, Konzept. Hecker isoliert die Klänge. Die Klangfarben. Und fügt sie wieder zusammen. Musik entsteht daraus nicht.

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