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Entlassung des Filmförder-Chefs : Ministerin als Zeugin im Fall Mendig

Umstrittene Figur: Die Entlassung des ehemaligen Filmförderchefs Hans Joachim Mendig hat ein Nachspiel. Bild: Imago

Widerrechtlich umgewidmete Urlaubstage und ein Treffen mit AfD-Chef Meuthen: Hans Joachim Mendig verlor 2019 seinen Posten als Chef der HessenFilm und Medien GmbH. Vor Gericht sagte nun Ministerin Dorn als Vorsitzende des Aufsichtsrats der Gesellschaft aus.

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          Im Streit mit dem ehemaligen Geschäftsführer der HessenFilm und Medien GmbH, Hans Joachim Mendig, hat Kunstministerin Angela Dorn (Die Grünen) in einer Verhandlung vor dem Landgericht Frankfurt ihre Ansicht bekräftigt, die Kündigung des Managers im Herbst 2019 sei rechtmäßig gewesen. Dorn ist Vorsitzende des Aufsichtsrats der Gesellschaft, der Mendig zunächst abberufen und ihm dann sowohl außerordentlich als auch ordentlich gekündigt hatte.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Mendig war fristlos entlassen worden, nachdem anonyme Mails im Ministerium eintrafen, aus denen aus Sicht des Aufsichtsrats hervorging, dass er widerrechtlich im Nachhinein schon genommene Urlaubs- in Arbeitstage verändert hatte. Laut Medienberichten trägt Mendig vor, er sei an diesen Tagen für die Filmförderung tätig gewesen.

          Treffen mit AfD-Chef

          Zuvor hatte das Gremium Mendig von seiner Position abberufen, nachdem bekannt geworden war, dass er sich mit dem AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen getroffen hatte. In der Filmbranche hatte es daraufhin heftige Reaktionen gegeben, im Ministerium und Aufsichtsrat stellte man fest, das nötige Vertrauensverhältnis zwischen Mendig und den Filmschaffenden sei zerstört.

          Ein Ministeriumssprecher stellte am Mittwoch klar, die ordentliche Kündigung des Geschäftsführervertrags – die im Übrigen keiner Begründung bedürfe – sei nicht wegen des Treffens mit Meuthen erfolgt (das Mendig als „privat“ bezeichnete). Vielmehr sei sie zwangsläufige Folge der aufgrund der öffentlichen Reaktionen nötigen Abberufung gewesen. Wie der Geschäftsführer mit dem sich immer stärker abzeichnenden Vertrauensverlust in der Filmbranche umgegangen sei, die damit verbundenen nachteiligen Auswirkungen auf den operativen Geschäftsbetrieb der HessenFilm und letztlich um weiteren Schaden für das Image und die wirtschaftlichen Aussichten des Filmlands Hessen abzuwenden, sei die Trennung nötig gewesen, äußerte der Ministeriumssprecher auf Anfrage.

          Die Zivilkammer des Landgerichts, zuständig für arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen auf dieser Ebene, wird zunächst prüfen, ob die fristlose Entlassung rechtmäßig war. Das hängt auch davon ab, ob der Aufsichtsrat binnen einer Zwei-Wochen-Frist reagierte, nachdem er von den Vorwürfen erfuhr. Falls nicht, bliebe nur noch die spätere ordentliche Kündigung. Mendig hält beides für unberechtigt und klagt, nachdem Vergleichsverhandlungen gescheitert waren, auf Erfüllung seines bis Ende 2021 befristeten Vertrags. Die Rede ist von ausstehenden Bezügen in Höhe von rund 250.000 Euro.

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