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Holbein’sche Madonna : Die „teuerste Frau Deutschlands“

Die Holbein-Madonna 2016 in der Ausstellung „Holbein in Berlin. Die Madonna der Sammlung Würth mit Meisterwerken der Staatlichen Museen zu Berlin“ (Archivbild) Bild: dpa

Es schmerzt natürlich, dass die Schutzmantelmadonna, die in Hessen eine Heimat gefunden hatte, seit 2012 in Schwäbisch Hall ausgestellt ist. Aber darüber heute noch zu lamentieren bringt nichts – es gibt bessere Ideen.

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          Da, im Chor der alten Kirche, hängt sie: die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein, eines der großen Meisterwerke der Renaissance. Das Jesuskind im Arm, schaut die Madonna sanft auf jene hinab, die im wahrsten Sinne des Wortes unter ihrem Mantel Schutz gefunden haben: den Basler Bürgermeister Jakob Meyer zum Hasen und seine Familie. Sowohl seine damalige wie seine verstorbene Frau ließ er auf dem Bild verewigen, vor ihnen erkennt man seine Tochter Anna.

          Bei dem Knaben und einem Kleinkind, die außerdem zu sehen sind, weiß man nicht ganz genau, wen sie darstellen sollen. Einiges spricht dafür, dass es sich um zwei früh verstorbene Söhne des Bürgermeisters handelt. Schutz suchte der Auftraggeber des Bildes in für ihn unruhigen Zeiten. Jakob Meyer zum Hasen hatte in Basel mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen, seine Gegner im Rat der Stadt setzten ihm ordentlich zu. Lesen kann man das Bild aber auch als Statement im Religionskampf, mit dem der Katholik sich gegen die immer mehr Oberwasser gewinnenden Anhänger der Reformation positionierte.

          Vor allem aber fasziniert das Werk, weil es solch eine Ruhe, solch eine Geborgenheit ausstrahlt. Von der Holbein’schen Madonna lässt man sich gerne beschützen. Und darum schmerzt es natürlich, dass dieses Bild, das erst lange in Darmstadt und später dann im Frankfurter Städelmuseum eine Heimat gefunden hatte, seit 2012 in Schwäbisch Hall ausgestellt ist. Es war ein Coup, mit dem sich der Unternehmer Reinhold Würth, der „Schrauben-Milliardär“, das Gemälde gesichert hat.

          50 Millionen Euro soll er für Holbeins Schlüsselwerk bezahlt haben, der Schutzmantelmadonna brachte das Geschäft den boulevardesken Titel „teuerste Frau Deutschlands“ ein. Doch darüber heute noch zu lamentieren bringt nichts.

          Stattdessen sollte man sich besser auf den Weg in die Schwäbisch Haller Jesuitenkirche machen, um das faszinierende Gemälde einmal wieder zu Gesicht zu bekommen. Was Reinhold Würth an moderner und zeitgenössischer Kunst gesammelt hat, kann man dann auch gleich noch begutachten: in der Kunsthalle Würth, die nur ein paar Schritte von der Jesuitenkirche entfernt liegt. Und abends geht man dann in den Biergarten auf der Kocherinsel und stößt auf Jakob Meyer zum Hasen an, der dieses einmalige, wunderbare Gemälde in Auftrag gegeben hat.

          Alexander Jürgs

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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