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Honoraruntergrenze steigt : Mehr Geld für junge Künstler Dorn

Will jungen Künstlern helfen: Hessens Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn Bild: dpa

Das Personal an den Staatstheatern in Wiesbaden, Kassel und Darmstadt sowie am Stadttheater Gießen und am Landestheater Marburg kann sich freuen. Die Honoraruntergrenze steigt. Das ist aber nicht alles.

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          Wer sich für ein Leben auf der Bühne entscheidet, findet dafür in Hessen künftig bessere finanzielle Bedingungen vor. Kunstministerin Angela Dorn (Die Grünen) führt eine neue Untergrenze für die Gagen der Berufsanfänger ein. Sie liegt um 300 Euro über dem Mindestbetrag des gegenwärtigen Tarifs und beträgt 2300 Euro brutto. Davon profitiert das künstlerische Personal an den drei Staatstheatern in Wiesbaden, Kassel und Darmstadt sowie am Stadttheater Gießen und am Landestheater Marburg. In dem Haushalt des Ressorts, den Dorn vorstellte, schlägt der Zuschlag auf den „Normalvertrag Bühne“ mit rund 92.000 Euro zu Buche. Davon profitieren ungefähr 80 junge Künstler.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Die Gehaltserhöhung sei bundesweit einmalig, stellte Dorn fest. „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und hoffen, dass die anderen Länder nachziehen.“ Die Theater müssten konkurrenzfähig bleiben. „Außerdem ist das eine Frage der Fairness.“

          Grundbedarf decken

          Das künstlerische Personal mache seit einiger Zeit darauf aufmerksam, dass es sich zwar mit Idealismus einer Berufung verschrieben habe, aber auch ein materieller Grundbedarf gedeckt sein müsse. „Diese Bewegung kommt jetzt schnell und stark.“ Nach Dorns Worten können die städtischen Bühnen, die von großen Kommunen wie Frankfurt oder Stadtstaaten getragen würden, das künstlerische Personal grundsätzlich besser bezahlen. Für Hessen sei die neue Gagen-Untergrenze ein erster Schritt, dem weitere folgen könnten.

          Die Ministerin erinnerte an eine Anhörung im Landtag. Die Forderungen, die dort im Namen des künstlerischen Personals vorgetragen worden seien, würden in ihrem Haus „sehr sorgfältig“ geprüft.

          Auf Nachfragen äußerte sich Dorn auch zu den Querelen zwischen dem Intendanten des Wiesbadener Staatstheaters Uwe Eric Laufenberg und dem Personalrat des Fünf-Sparten-Hauses. Das Gremium hatte über eine zu hohe Belastung geklagt. Nach den Angaben der Ministerin werden in Kassel und Darmstadt pro Jahr 600 bis 700 Aufführungen gezeigt. In Wiesbaden seien es 800 bis 900. Dabei seien die Voraussetzungen grundsätzlich vergleichbar.

          Defizit erst im September gemeldet

          Die Arbeit sei „auskömmlich finanziert“, sagte Dorn. Die Theaterleitung müsse die richtige Balance finden zwischen dem Engagement des eigenen Ensembles und Gastspielen. Dass das Staatstheater Darmstadt ein Defizit erwirtschafte, habe es dem Ministerium erst Ende September gemeldet. Inzwischen analysierten externe Wirtschaftsprüfer, wie es dazu habe kommen können und wie sich die Situation verbessern lasse.

          Dorn zeigte sich zuversichtlich, dass die ursprünglich befürchtete Defizithöhe von einer Million Euro deutlich unterschritten werde. Hoffnungen setzt sie vor allem auf das Weihnachtsgeschäft. Die Theater müssten einerseits attraktive Vorstellungen anbieten, um Geld einzunehmen. Andererseits sollten sie sich auch die Freiheit nehmen, weniger bekannte Stücke auf die Bühne zu bringen, die keine Kassenschlager seien.

          Bis zum Jahr 2024 sind insgesamt 78 Millionen Euro für die Sanierung der drei Staatstheater vorgesehen. Sie sollen möglichst bei laufendem Betrieb realisiert werden. 24 Millionen Euro von Seiten der jeweiligen Städte sollen hinzukommen. Dorn sagte, dass man in Wiesbaden noch dabei sei, den genauen Bedarf zu planen. Ob in der Landeshauptstadt eine Ersatzspielstätte benötigt werde, lasse sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

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