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Matthias Weischer in der Kunsthalle Mainz : Flucht hinaus in die Natur

Matthias Weischer will weg von dem Image, Spross der „Leipziger Schule” zu sein Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Mit fiktiven Innenräumen ist der Leipziger Maler Matthias Weischer berühmt geworden. In Rom enstanden vor kurzem seine expressive Gartenbilder. Die Kunsthalle Mainz zeigt jetzt beides.

          2 Min.

          In der Mainzer Kunsthalle werden Besucher gleich im ersten Saal von lichtem Frühlingsgrün umfangen. Blau leuchtet der Himmel über dem üppig wuchernden römischen Garten, den Matthias Weischer in verschiedenen Varianten und Techniken festgehalten hat. Sonnenlicht zeichnet den Schatten von Ästen und Laub auf saftigen Rasen, in einem Teich spiegeln sich bunte Blüten und Blätter. Als Ausbruch hat Weischer seinen Weg aus dem hermetischen Atelier hinaus in die freie Natur bezeichnet. Und wie ein Befreiungsschlag wirken seine frischen Bilder auch auf den Betrachter, vor allem, wenn er sie mit den Interieurs vergleicht, mit denen der Leipziger Künstler zu Ruhm und Ehren kam.

          Katharina Deschka

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Ausstellung „Room with a view“, die Mainz vom Centro de Arte Contemporáneo in Málaga übernommen hat und bis 7. Juni in abgewandelter und erweiterter Form präsentiert, thematisiert genau diesen Richtungswechsel des Malers, einen Wandel, der just mit seinem Aufenthalt in Rom einsetzt, wo er 2007 als Stipendiat der Villa Massimo arbeitete. Und so sind es auch die Gärten des benachbarten japanischen Kulturinstituts und der Villa, deren Zypressen, Kieswege, Büsche und Sträucher Weischer abbildet.

          Auseinandersetzung mit dem Sichtbaren

          Doch Weischer ist kein Freiluftmaler des 19. Jahrhunderts, seine Ölbilder, Aquarelle und Zeichnungen zeigen eine vielfach gebrochene Idylle und zeugen von seiner Erforschung der Malereigeschichte: ob er nun das große Format eines Gartens aufstückelt und zwölf kleinere Leinwände bemalt, deren verschobene Anschlüsse für Irritation sorgen und damit ein wenig an Hockneys Collagentechnik erinnern, die Weischer wohl vor einigen Jahren als dessen Meisterschüler im Rahmen eines „Rolex-Stipendiums“ kennenlernte; oder ob er den Garten detailgetreu malt, um dann plötzlich eine Baumkrone nur als Umriss anzudeuten oder mit einem Karomuster zu versehen.

          Doch diese Stilmittel finden sich schon in seinen kunstvollen Innenräumen, die der 1973 im westfälischen Elte geborene Künstler malte, bevor er ins Freie ging. Die dunklen, verschachtelten, in mehreren Farbschichten aufgetragenen und weggekratzten Kammern und Säle, die von abstrakten Mustern und Ornamenten durchbrochen sind oder sich in reine Farbflächen auflösen, die realistische und surreale Elemente rätselhaft nebeneinanderstellen und in denen Figuren nur als kaum erkennbare Schemen auftauchen, waren lange Zeit das bevorzugte Sujet des Absolventen der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst.

          Mit ihnen wurde er zu einem der erfolgreichsten Vertreter der „Neuen Leipziger Schule“, eine Bezeichnung, der er sich nun zu entziehen sucht. Dass er seine im Atelier entstandenen Darstellungen fiktiver Räume gegen eine Auseinandersetzung mit dem Sichtbaren tauschte, zeigt die Ausstellung mit 20 Werken. Eine Skulptur und dazugehörige Linolschnitte sind Beispiel für sein erwachtes Interesse am Gegenüber, wie der Künstler in einem Interview feststellte: „Man wird blutarm, wenn man nur aus sich selbst heraus schöpft.“ Er ist daher auf der Suche nach neuen Wegen. Und hat die Tür seines Ateliers weit aufgemacht.

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