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Mark Knopfler : Meister der Ökonomie

  • Aktualisiert am

Sitzend gut: Mark Knopfler in der Frankfurter Festhalle. Bild: APN

Er darf nicht stehen, nicht laufen, nicht rennen und nicht tanzen. Aber Mark Knopfler singt und spielt Gitarre. Das reicht schon.

          2 Min.

          Not macht bekanntlich erfinderisch. Im Falle Mark Knopfler wird aus misslichem Umstand gar eine Tugend. Strikt hält sich der 60 Jahre alte Brite an die Anweisungen seines Arztes, wie er verrät: „Ich darf nicht stehen, nicht laufen, nicht rennen und auch nicht tanzen.“ Bis auf eine kurze Ausnahme nimmt der grauhaarige Gitarrist, Sänger und Komponist zum deutschen Auftakt seiner Europa-Tournee in der Frankfurter Festhalle für mehr als zwei Stunden ausschließlich auf einem bequemen Hocker Platz.

          Zum Nachteil gerät die behutsame Werkschau aus mehr als drei Jahrzehnten dennoch nicht. Noch gemütlicher als sonst steuert Mark Knopfler mit sieben Begleitern im Zickzackkurs durch das Repertoire. Mit beschwingt keltischen Impressionen aus Akkordeon, Fidel und Flöte von „Border Reiver“ aus dem aktuellen Album „Get Lucky“ startet der Reigen aus 16 Songs. Auf Anhieb zündet der Funke bei den rund 7500 Zuschauern, die es sich ebenfalls auf Sitzen bequem machen dürfen. Nicht mal grimmige Blicke vom Sicherheitspersonal, wenn ein Besucher es wagt, sich zu nahe in Richtung Bühne zu bewegen, können die lauschige Wohnzimmeratmosphäre stören.

          Möglichst originalgetreu

          Für nicht wenige im Auditorium dürfte Mark Knopfler tatsächlich so etwas wie ein alter Bekannter oder gar Freund sein. Einer, der sie immerhin schon ein halbes Leben lang oder zumindest eine ganze Weile begleitet. Mit beschaulichen Liedern zwischen rustikalem Folk, Rock, Blues und Country wie „Marbletown“, „Prairie Wedding“ und „Sailing To Philadelphia“, die mehr oder minder Biographisches verarbeiten. Wunderbar nahtlos passt sich der ehemalige Journalist und Dozent in die Lücke ein, die seine Idole Bob Dylan und Van Morrison hinterlassen haben, seit sie dazu übergegangen sind, unberechenbar das eigene Œuvre bis zur Unkenntlichkeit zu demontieren. Auf den wertkonservativen Virtuosen Mark Knopfler hingegen ist absolut Verlass.

          Wenn er Klassiker seiner ehemaligen Formation Dire Straits auspackt, dann macht er das möglichst originalgetreu und gern, wie er nach „Romeo & Juliet“ und den minutenlang stürmisch beklatschten „Sultans Of Swings“ gesteht. Es sind natürlich Klassiker wie das nach Beendigung eines langjährigen Streits mit Bruder David Knopfler entstandene „Brothers In Arms“ oder die Liebesode „So Far Away“ als Zugabe, die besondere nostalgische Erinnerungen beim Publikum wachrufen, das sich erst kurz vor Schluss direkt an der Bühne bei Knopfler tummeln darf. Ein wenig in den Hintergrund gedrängt wird durch die Erwartungshaltung an Hits erstklassiges Material wie das an Creedence Clearwater Revivals „Born On The Bayou“ angelehnte „Coyote“ oder die subtil inszenierte Seelenmassage „Hill Farmer’s Blues“.

          Als Meister der Ökonomie empfiehlt sich der mehrfache Grammy-Gewinner und Träger des britischen Verdienstordens noch immer – gleich, ob Knopfler zur E-Gitarre Marke Fender Stratocaster „Hot Rod Red“, zur Akustikklampfe oder metallenen Dobro greift. Jeder Ton sitzt glasklar und makellos. Keine Note spielt der vor allem an den Gitarren-Legenden Chet Atkins, Hank Marvin und J.J. Cale gereifte Knopfler zu viel oder zu wenig. Schlicht für die Ewigkeit geschrieben das Epos „Telegraph Road“, das die Brillanz jedes einzelnen Musikers, darunter auch Schlagzeuger Danny Cummings und Keyboarder Guy Fletcher aus einer der diversen Besetzungen der Dire Straits, unterstreicht. Ein grandios entspanntes Konzert endet mit einem weiteren Höhepunkt aus dem scheinbar unerschöpflichen Fundus eines stillen Genies: „Piper To The End“. Michael Köhler

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