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Tipps zum Schreiben mit links : Linkshänder noch immer benachteiligt

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Für die Schule ausgestattet: Im Rüsselsheimer Schreibwarengeschäft Emig gibt es ein gutes Sortiment für Linkshänder. Bild: Franz Bischof

Erwachsene, die in ihrer Kindheit von links auf rechts umgeschult wurden, leiden häufig unter den Folgen. Trotzdem raten Experten nur selten zur Rückschulung. Man solle lieber an dem früher Erlernten festhalten.

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          Das Sprichwort „Das habe ich mit links gemacht!“ muss eigentlich zu Irritationen führen. Denn es impliziert, dass eine Aufgabe leicht zu bewerkstelligen sei. Doch Tätigkeiten mit der linken Hand fallen den meisten schwer. Das trifft sogar auf Linkshänder zu.

          Heidrun Körber, zertifizierte Linkshänder-Beraterin aus Rüsselsheim, beschäftigt sich schon lange mit diesem Thema. Laut Körber haben Linkshänder besonders in der Schule Nachteile. Sie verwischten ihre Schrift, verkrampften die Schreibhand, stießen den Sitznachbarn mit dem Ellenbogen an. Zudem verdeckten sie mit der Schreibhand die häufig am linken Rand platzierten Beispiele, was die Schreibübungen erschwere.

          Kinder halten mit rechts schreiben für „richtig“

          Obwohl Linkshänder heute nicht mehr umgelernt werden, versuchen manche Kinder selbständig, sich das Schreiben mit der rechten Hand beizubringen. Die meisten Menschen schreiben mit rechts, somit ist es wahrscheinlich, dass die Lehrkraft mit der rechten Hand an die Tafel schreibt. Kinder halten dies für „richtig“ und imitieren es.

          Die Verunsicherung betrifft häufig nicht nur die Kinder, sondern auch deren Eltern, wie Körber sagt. Im Rahmen von Beratungsgesprächen und Schreibkursen zeigt sie Linkshändern die optimale Sitz- und Stifthaltung. Viele Linkshänder schreiben mit „Hakenhand“ und verkrampfen dabei. Besser sei es, den Stift so zu halten, dass die Hand unterhalb des Geschriebenen auf dem Blatt aufliegt: So könne man die soeben geschriebenen Worte lesen und verschmiere die Tinte nicht.

          Körber empfiehlt die Nutzung einer speziellen Schreibunterlage für Linkshänder, auf der die optimale Blattlage eingezeichnet ist. Denn um die beschriebene Stifthaltung anzuwenden, sollte das Blatt in einem bestimmten Winkel geneigt sein. Zudem sollten Linkshänder spezielle Linkshänder-Scheren und -Spitzer nutzen, auch am oberen Rand gebundene Collegeblöcke erleichterten das Schreiben. Ein Linkshänder-Lineal sei nicht für jedes Kind geeignet, denn die spiegelverkehrte Beschriftung könne für Verwirrung sorgen. Für den Alltag empfiehlt die Expertin spezielle Kartoffelschäler, Dosenöffner und Messer mit beidseitigem Schliff.

          Die Linkshänder-Beratung wird nicht von der Krankenkasse bezuschusst. Laut Körber ist eine Erstberatung in vielen Fällen jedoch ausreichend und erleichtert Kindern den Schulstart. Sie gibt weitere Tipps: Das Aufsuchen einer Beratungsstelle sei schon im fortgeschrittenen Kindergartenalter sinnvoll. Zudem sollten Eltern sich dafür einsetzen, dass die Kinder in der Schule links außen sitzen und das Lernmaterial für Links- und Rechtshänder geeignet sei.

          Keine einfache Rückkehr zur Normalität

          Linkshänder profitieren von der Digitalisierung, denn beim Schreiben mit der Computertastatur haben sie dieselben Voraussetzungen wie Rechtshänder. Körber weist darauf hin, dass Linkshänder die Computermaus mit der linken Hand bedienen sollten. Die Bedienung der Maus zähle zu den feinmotorischen Aktivitäten, die natürlicherweise von der dominanten Gehirnhemisphäre ausgeführt würden. Das Gehirn arbeite hierbei über Kreuz – das heißt, bei Linkshändern ist die rechte, bei Rechtshändern die linke Hemisphäre dominant.

          Laut Körber können feinmotorische Aktivitäten, die mit der nicht dominanten Hand ausgeführt werden, im Gehirn Irritationen auslösen. Auch Erwachsene, die als Kind vom Links- zum Rechtshänder umgeschult wurden, seien davon betroffen. Bei manchen Erwachsenen sei der dadurch entstandene Leidensdruck so hoch, dass sie sich zur Rückschulung entschließen.

          Bei Fragen zum Thema Rückschulung kann man sich ebenfalls an eine Linkshänder-Beratungsstelle wenden. Körber, die früher selbst Rückschulungen angeboten hat, rät jedoch zu psychologischer Begleitung. Eine Rückschulung sei nur bei hohem Leidensdruck sinnvoll, denn sie sei keine einfache Rückkehr zur Normalität, sondern ein erneuter Eingriff ins Gehirn. Johanna Barbara Sattler, nach deren Konzept auch Körber arbeitet, warnt davor, dass durch die psychische Belastung während der Rückschulung Krankheiten ausgelöst werden könnten, deren Veranlagung der Rückschulende in sich trage. Auch Sattler rät dazu, eine Rückschulung nur bei hohem Leidensdruck und unter psychologischer Aufsicht vorzunehmen. Ansonsten solle man an dem früher Erlernten festhalten, etwa dem Bedienen der Computermaus mit der rechten Hand.

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