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Lieblingsbilder : Theatralische Gesten in der Wüste

Jacopo Robusti, genannt Tintoretto (1518 bis 1594), Moses schlägt Wasser aus dem Felsen Bild: Artothek

Die Israeliten wandern nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste und beginnen, dem Verdursten nah, mit Gott zu hadern. Tintoretto scheint das nicht zu interessieren. Aus der biblischen Geschichte wird bei ihm prächtiges Theater.

          2 Min.

          Die Israeliten wandern nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste und beginnen, dem Verdursten nah, mit Gott zu hadern. Und sie scheinen bereit, mit ihrem Anführer Moses kurzen Prozess zu machen. So heißt es im Alten Testament:

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          „Sie sagten: Warum hast du uns überhaupt aus Ägypten hierher geführt? Um uns, unsere Söhne und unser Vieh verdursten zu lassen? Mose schrie zum Herrn: Was soll ich mit diesem Volk anfangen? Es fehlt nur wenig, und sie steinigen mich. Der Herr antwortete Mose: Geh am Volk vorbei, und nimm einige von den Ältesten Israels mit; nimm auch den Stab in die Hand, mit dem du auf den Nil geschlagen hast, und geh! Dort drüben auf dem Felsen am Horeb werde ich vor dir stehen. Dann schlag an den Felsen! Es wird Wasser herauskommen, und das Volk kann trinken. Das tat Mose vor den Augen der Ältesten Israels.“

          Üppige Szenerie

          Es geht um Vertrauen und Führungsanspruch. Aber auch um das Ausgesetztsein in unwirtlicher Natur, um das Zweifeln am Herrn und seinen unerforschlichen Plänen. Und schlicht um körperliche Mangelsyndrome. Tintoretto freilich scheint das alles nicht zu interessieren. Aus der biblischen Geschichte wird bei ihm prächtiges Theater. Von Wüstenlandschaft keine Spur. Von den Strapazen der langen Reise auch nicht. Die Dürstenden füllen gesittet das Wasser, dem Moses aus dem Felsen zu sprudeln gebietet, in ihre Trinkgefäße. Im Mittelpunkt steht die wunderbare Begebenheit. Die Menge dient als Staffage. Und es gibt rührende Momente.

          Der Kopfputz der Figuren sitzt tadellos, ihre edlen Gewänder werfen stilsicher ihre Falten. Die Felsen aber könnten auch aus Pappmaché sein, und eine verborgene Pumpe lässt sich als Ursache des Wasserquells denken. Wie bei diesem venezianischen Maler üblich, ist die Szenerie üppig ausgestaltet, mit einer Vielzahl von Komparsen und einer Reihe von Personen, die in Bewegung und aufeinander bezogen sind.

          Ein theatralisches Bild, eine dramatische Situation, die Erzählungen aus dem Alten und Neuen Testament, aber auch jene aus der antiken Mythologie als ausschweifende Bilderzählungen: Tintoretto gilt als Künstler, der wie kein anderer vor ihm physische und emotionale Bewegtheit in große Gemälde, die wie Bühnenansichten anmuten, gefasst hat.

          Unterhaltungsmalerei

          Das Heilige tritt in den Hintergrund. Das Erstaunliche, Spektakuläre, Wirkungsvolle wird herausgestellt. Dieser Maler will unterhalten. So packt er so viel wie möglich in statische Bilder und erreicht, dass sie allemal überwältigen. Sie sind großes Theater. Und haben in Venedig mit seinem vom Wasser vielfältig reflektierten Licht ihren gleichsam natürlichen Ort: In einer unwirklichen Stadt gedieh eine auf glänzende Effekte setzende Kunst.

          Eine Auswahl von 40 Gemälden in acht Kategorien aus dem Städel-Museum Frankfurt:
          Im Internet finden Sie unter Homepage des Städel Museums mehr Informationen und ein Diskussionsforum zu den vorgestellten Werken. Und Sie können sich dort für Ihre Favoriten einsetzen.

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