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Lesung auf der Buchmesse : Das Erfolgsgeheimnis des Dan Brown

Großes Kino: In der Mitte liest der Bestsellerautor Dan Brown aus „Origin“, links lauscht der Moderator Alf Mentzer, rechts der Schauspieler Wolfram Koch. Bild: Wonge Bergmann

Ein unbeschwerter Moment nach dem Tumult: Dan Brown liest in Frankfurt vor fast 2000 Zuhörern. Es ist seine einzige Lesung in Deutschland.

          Wie macht er das bloß? Er hat da so seine Geheimnisse. Die Wendeltreppe in der Sagrada Família zu Beispiel. Als er die Kirche in Barcelona besichtigte, fiel ihm sofort auf, wie eng, dunkel und steil es auf den Stufen war. Dass die Treppe Teil eines Ortes ist, den jeder kennt, kam hinzu. „Ich wusste sofort, dass hier jemand sterben muss“, sagt Brown auf der weiten Bühne des Kongresszentrums der Messe Frankfurt. Wenn sie auf zwei Stockwerken mehrere Räume zum Saal „Harmonie“ zusammenfügt, in dem während der Buchmessenwoche sonst nur die Eröffnung der Bücherschau stattfindet, haben im weiten Halbrund um das Podium fast 2000 Besucher Platz. Nur ein paar Plätze sind an diesem Abend freigeblieben. Wenn Brown einen neuen Roman herausbringt, öffnen seine Fans in aller Welt bereitwillig das Portemonnaie. Und nun, da der Bestsellerautor ihnen „Origin“ auch noch persönlich vorstellt, schauen sie ebenfalls in Scharen vorbei. Gerade zu Browns einzigem Auftritt in Deutschland.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erstmals lässt die Buchmesse den Publikumssamstag mit der großen Lesung eines Starautors enden. Es ist ein Moment der Unbeschwertheit, nachdem nur eine halbe Stunde zuvor Sympathisanten rechtsgerichteter Verlage und linke Gegendemonstranten einander in Halle 4 noch niedergeschrien haben. Im Saal „Harmonie“ ist davon nichts zu bemerken. Die einzige Gewalt, die hier geübt wird, gilt erfundenen Personen. Aber Tote über Premiumreiseziele wie die Sagrada Família zu verstreuen ist nicht Browns einziger Trick.

          „Ich schreibe rückwärts“

          Dafür, wie es ihm gelingt, die Spannung über Hunderte von Seiten zu halten, hat er ebenfalls eine leichtverständliche Erklärung parat: „Ich schreibe rückwärts.“ Vor dem Beginn der Arbeit an seinem neuen Buch habe er, wie bei jedem der Romane um den Symbolforscher Robert Langdon, gewusst, wie es endet: „Dann habe ich ihn so weit wie möglich vom Finale entfernt und ihm viele Hindernisse in den Weg gelegt.“

          Alte Rezepte. Aber in der Hand eines Meisters noch immer verlässlich. „Origin“ lässt auch in Deutschland Browns Kassen klingeln. Also kann der Autor sich im Gespräch mit Alf Mentzer, Literaturredakteur bei HR2-Kultur, entspannt zurücklehnen und dem Moderator, dem für das Lesen der deutschen Passagen angeheuerten Schauspieler Wolfram Koch und dem Publikum erklären, auf welche Frage es ihm im Roman ankam. Wird Gott die Wissenschaft überleben? „Bisher war das nie der Fall.“ Also kann man den Herrgott versuchsweise ja ein weiteres Mal den Kirchturm hinunterstoßen und schauen, ob er noch lebt, wenn er unten aufprallt. So wie in „Sakrileg“.

          Dabei sieht Brown sich gar nicht als antireligiös. Er habe atheistische und gläubige Freunde, stehe verwirrt in der Mitte und beharre gerade in heutigen Zeiten lediglich darauf, miteinander zu reden und einander zuzuhören. Nur eines weiß er: „Wenn die Religion sich nicht weiterentwickelt, wird sie aussterben.“ Und die Literatur? Stirbt sie Gott hinterher? „Nein“, sagt Brown: „Dazu kommt es nicht.“ Geschichten habe der Mensch sich schon immer erzählt: „Sie sind ganz einfach die machtvollste Kunstform.“

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