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Rheingau Literatur Festival : Lesertrauben zur Weinlese

  • -Aktualisiert am

Blick auf Schloss Johannisberg: Hier wird das Rheingau Literatur Festival mit einem Auftritt von Jan Seghers eröffnet. Bild: Wonge Bergmann

Sobald das Rheingau Musik endet und die Weinlese beginnt, da geht es los im Westen der Region – mit dem Rheingau Literatur Festival.

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          Erst kommt die Musik, dann das Wort. Nein, es geht nicht um ein weiteres Scharmützel im jahrhundertelang unentschieden hin und her wogenden Musiktheaterkrieg zur Bedeutung dessen, was der Texter verfasst und die Komponistin niedergeschrieben hat. Es geht weder um die Bekräftigung noch um die Verwerfung von „Prima la musica, poi le parole“, wie es im Titel einer Oper von Salieri heißt.

          Nein, es geht lediglich um das Rheingau Literatur Festival, das seit 1993 so verlässlich auf seine ältere und größere musikalische Schwester folgt wie die Jahreszeiten. Sobald der Sommer ins Land gegangen ist und der Herbst naht, der Wein gelesen wird und die Leser von den Verlagen zur Frankfurter Buchmesse ein Herbstprogramm erwarten dürfen, geht es los im Westen der Region. Er ist durch Brückenprobleme bei Wiesbaden etwas ferner gerückt, aber trotzdem gut erreichbar. Auf Bach, Mozart und Beethoven folgen daher für Besucher aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet die Schriftsteller der deutschsprachigen Gegenwart.

          In diesem Jahr sind so unterschiedliche Autoren wie Joachim Gauck, Jenny Erpenbeck und der Meteorologe Sven Plöger zu Gast beim Festival, das am heutigen Donnerstag um 20 Uhr auf Schloss Johannisberg mit einem Auftritt von Jan Seghers eröffnet wird. Es gibt zwei wie immer längst ausverkaufte Wanderungen durch die Weinberge, und Judith Hermann erhält am 18. September um 18 Uhr auf Schloss Johannisberg den mit 11.111 Euro und 111 Flaschen Riesling dotierten Rheingau-Literaturpreis.

          Für manche Auftritte gibt es sogar noch Karten. Für Ulrike Almut Sandig und Dmitrij Kapitelman zum Beispiel. Der eine liest am 23. September von 20 Uhr an auf Schloss Johannisberg, die andere am 24. September von 20 Uhr an im Winzerkeller Ingelheim. Und das alles so hygienisch sicher und abstandserprobt wie im vorigen Jahr, als es im ersten Sommer der Pandemie nichts wurde mit der Musik, aber das Wort im Herbst die Stellung hielt. Wie jedes Jahr.

          Florian Balke
          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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