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Ausstellung der Städelschule : Rungdang

Kunst vor den Corona-Jahren: Werke der Studenten der Städelschule Bild: Carlos Bafile

Die alljährliche Leistungsschau der Frankfurter Städelschule ist zu einem digitalen „Rungdang“ mutiert. Das zeigt: Das Medium ist die Botschaft, wieder einmal. Und jetzt so richtig.

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          Der „Rundgang“ ist zum „Rungdang“ mutiert, so jedenfalls wurde angekündigt, was als Zoom-Webinar von der alljährlichen Leistungsschau der Städelschule übrig blieb und an drei Wochenendtagen über die Touch- und sonstigen Screens der Zugeschalteten geisterte. Sonst drängten sich die Menschen im Sachsenhäuser Hochschulgebäude und in den Ateliers in der Daimlerstraße, ein jährlich wiederkehrendes Kunst- und Feier-Ereignis. Auch dieses musste wie dieser Tage üblich aufs Netz ausweichen, was den Digital Art Natives die Gelegenheit bot, die Unbestimmtheit der Bilder auf die Spitze zu treiben. Denn das ist es doch, was die Moderne und mehr noch die Postmoderne auszeichnet: Klar ist überhaupt nichts mehr, schon gar nicht in der Kunst.

          So sahen wir unter anderem: junge Menschen mit Mund-Nasen-Schutz, aber oft auch hinter Sonnenbrillen versteckt oder mit schauerlichen Masken angetan, Städelschul-Gänge, Ateliers, Arbeitsmaterialien, das Foyer mit einer Lichtinstallation, Außenansichten, die eine fest installierte Live-Kamera lieferte. Ab und an hörte man Geräusche, die nach menschenleeren Räumen oder von jeder Gesellschaft lange entwöhnten Leuten klangen. Und immer wieder kam das Umfeld in den Blick, durch breite Atelierfenster fiel er in den Städel-Garten. Smartphones filmten ab, was auf anderen elektronischen Geräten flimmerte, Bilder von Bildern von Bildern, die wirkliche Wirklichkeit versank im Virtuellen.

          Während in früheren Jahren die Studierenden der kleinen Kunsthochschule mit dem hohen internationalen Renommee während des „Rundgangs“ noch das eine oder andere erklärten, was sie ausstellten, entfiel die Interpretationsebene im zweiten Corona-Jahr völlig. Dafür aber lieferten die beteiligten Städelschülerinnen und -schüler den Nachweis, dass Zoom unter Umständen Kunst sein kann. Das Medium ist die Botschaft, wieder einmal. Und jetzt so richtig.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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