https://www.faz.net/-gzg-a1cx6

Vorpremiere im Filmmuseum : Live in der Lieblingskneipe

Die kleine Kneipe in unserer Straße: Szene aus „Leif in Concert Vol. 2“ mit Luise Heyer und Michael Klammer Bild: Mike Auerbach / Lischke&Klandt Filmproduktion

Endlich wieder eine Vorpremiere: Christian Klandt zeigt „Leif in Concert Vol. 2“ im Kino des Deutschen Filmmuseums. Es ist eine Hommage an die Lieblingskneipe. Tilo Prückner inklusive.

          3 Min.

          Wenn alles ganz und gar besonders ist, tut man vermutlich das Beste, wenn man davon ausgeht, dass alles ganz normal so sei. Regisseur Christian Klandt sagt lässig, es sei doch eigentlich ganz gut, wahrscheinlich sei fast jede Vorstellung seines Films ausverkauft – weil so wenige Leute in die Kinos passen. Im Kino des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums (DFF) sind es an diesem Abend 21, mit 24 Einzelpersonen wäre es ausverkauft. Das merkt auch ein Haus wie das DFF, weshalb derzeit Getränke gegen eine Spende in die Kinokasse ausgegeben werden. Jeder Euro zählt.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das passt bestens zu „Leif in Concert Vol. 2“, der jetzt als Vorpremiere zum Start der kleinen Kinotour im Kino des DFF lief: Schließlich geht es um eine Musikkneipe, einen jener Orte, die vielleicht noch mehr als Kinos und freie Bühnen unter der Corona-Krise leiden. Weshalb es eine tolle Geste ist, dass Klandt und sein Team um den Produzenten Martin Lischke beschlossen haben, einen Teil der Einnahmen des Films an die Kneipenkultur zu spenden.

          Hommage an die Lieblingskneipe

          Schnell entschlossen hat das DFF nun einen Platz in der Reihe „Was tut sich im deutschen Film?“ geschaffen. Schon seit dem 20. Januar hat die beliebte Filmgesprächsreihe nicht mehr stattgefunden, regelrecht bewegt nahmen die Stammgäste ihre Plätze zwischen dem Absperrband ein.

          „Leif in Concert Vol. 2“ ist eine Hommage an die Lieblingskneipe. Jeder solle, hofft Klandt, im Film seine eigene wiederfinden. Wofür der Vorspann mit einer Tour durch deutsche Städte einen gewitzten Anlass bietet. Es wird richtig viel getrunken in diesem Film, selbst die wundervolle Luise Heyer in der Hauptrolle als junge Barkeeperin Lene kippt einen Schnaps nach dem anderen, wenn sie nicht gerade raucht. Geld hat niemand – was auch für den Film selbst gilt.

          Tilo Prückner inklusive

          Das aber sieht man nicht in dieser Kammerproduktion, gedreht in einer echten Kneipe, mit Darstellern wie dem vor wenigen Tagen gestorbenen Tilo Prückner, mit dem Klandt eng befreundet war, mit Bela B und Jule Böwe, mit Klaus Manchen als Kneipenbesitzer und Katharina Matz, mit Tom Lass und dem Kriminalbiologen Mark Benecke als ihm selbst, mit Maryam Zaree als Slam-Poetin und Godehard Giese als Weinvertreter, der sich selbst sein bester Kunde zu sein scheint. Der Film quillt nur so über von phantastischen Schauspielern, die die skurrilsten Typen verkörpern, immer mittendrin Lene, die es allen ermöglicht, ein bisschen mehr sie selbst zu sein.

          Dass nun auch andere schnell aufgewacht sind und mit „Berlin Alexanderplatz“ diese Woche eine weitere große deutsche Produktion anläuft, sei nun mal so, sagen Klandt und Lischke. Und so locker, wie sie sich da im Gespräch mit Ulrich Sonnenschein von epd-Film unterhalten, ist das ganze Projekt. Was es zu einer Art Gegengift zu all dem macht, was Corona derzeit bedeutet. In „Leif in Concert Vol. 2“ hocken in dieser verrauchten, angejahrten und nicht ganz sauberen Kellerkneipe Leute dicht an dicht beieinander, palavern, trinken und rauchen, genießen Live-Musik mit Leif aus Dänemark, nur eines der herrlichen Wortspiele dieses Films, und zeigen die großen Dinge des Lebens im Kleinen: lässig, schräg und melancholisch. Die Gemeinschaft, die in der Kneipe gezeigt wird, trägt den Film – und das auch hinter der Kamera.

          Klandt, Jahrgang 1978, ausgebildet an der Filmhochschule Konrad Wolf in Babelsberg, hatte schon mit seinem studentischen Erstling „Weltstadt“ einen großen Erfolg. Als die Idee für eine Hommage an jedermanns Lieblingskneipe geboren war, hatte er aber weder Zeit noch Lust, sich in die Antragsmühlen des öffentlichen Filmförderungssystems zu begeben und Jahre mit der Vorplanung zu verbringen. Wenn man wisse, dass 28 gute Freunde und Bekannte aus der Kunstszene nur ein paar Tage Zeit für den Dreh hätten, müsse man eben einfach loslegen, sagt er. So ist „Leif in Concert Vol. 2“ nicht nur ein vor Ideen übersprudelnder, warmherziger und witziger Film geworden, sondern auch sensationell billig. Nur 40 000 Euro hat das Kammerspiel gekostet, gedreht in knappen 17 Tagen, das Buch entstand, wie Klandt nun schilderte, teilweise aus den gemeinsam am Set entwickelten Ideen.

          Freunde und Familie haben Geld gegeben, wie der ellenlange Abspann zeigt, die Macher sind ins – überschaubare – Risiko gegangen, Sachsponsoren von der Technik bis zu den Titeln und Crowdfunder haben die anderen beiden Drittel des Budgets gestemmt. Beim Filmfest München, wo der Film vor genau einem Jahr Premiere hatte, hat Produzent Lischke den mit 20.000 Euro dotierten Förderpreis Neues Deutsches Kino bekommen. Erst wenn eine Million Zuschauer „Leif in Concert Vol. 2“ sehen, sagt Klandt, werde am Film etwas verdient. So richtig zu rechnen scheint er nicht damit. Aber es gibt die Hoffnung, dass auch „Leif in Concert Vol. 1“ noch erzählt werden könnte.

          Am 16. Juli startet „Leif in Concert Vol. 2“ in den Kinos und läuft am selben Abend von 20.30 Uhr an noch einmal im Kino des DFF.

          Weitere Themen

          Der neue alte Goetheturm Video-Seite öffnen

          Er steht wieder : Der neue alte Goetheturm

          Nach einem Brandanschlag im Jahr 2017 wurde der Goetheturm in Frankfurt nun wieder errichtet. Der neue Turm soll diesmal robuster sein und somit auch Feuer standhalten können.

          Chaos in Hollywood

          Burgfestspiele Bad Vilbel : Chaos in Hollywood

          Mit der Komödie „Mondlicht und Magnolien“ verwandeln die Burgfestspiele in Bad Vilbel eine Hollywoodsatire in eine überdrehte Groteske. Dabei wird die „Vom Winde verweht“-Adaption zu einem Schmachtfetzen.

          Topmeldungen

          Heftige Explosion in Beirut : Eine Stadt steht unter Schock

          Eine gewaltige Explosion in Beirut fordert zahlreiche Menschenleben, mehr als 2750 Personen werden verletzt. Auslöser der Detonation war eine enorme Menge Ammoniumnitrat, die ohne Vorsichtsmaßnahmen in einem Hafenlager aufbewahrt wurde.
          SPD-Politiker Kevin Kühnert

          SPD-Führung : Kühnert auf dem Weg

          Kevin Kühnerts Ziel, der Bundestag, ist der beste Weg, um die SPD-Führung weiter rutschen zu lassen. In wessen Richtung? Dumme Frage.
          Noch eine reine Idylle, soll sie bald für den nächsten „Mission: Impossible“-Teil von Tom Cruise in die Luft gesprengt werden: Die majestätisch in dreißig Metern Höhe über den Bober schwingende Stahlfachwerkbrücke des Ingenieurs Otto Intze von 1905.

          Cruise bedroht Brücke : Was die Wehrmacht nicht schaffte

          Mission: Unmöglich! Tom Cruise will für seinen neuen Film eines der schönsten Brückenmonumente Polens sprengen. Wenn er damit durchkommt, wäre das ein Skandal.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.