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Oper : Leibarzt mixt Zaubertrank im Mercedes

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Ergänzt, was dem Stück fehlt: Regisseur Stein Winge Bild: F.A.Z. - Cornelia Sick

Die Wiederaufnahme von Nikolai Rimski-Korsakows „Zarenbraut“ an der Frankfurter Oper ist handwerklich solide - allerdings auch leicht zensiert. Eine Szene, bei der es Buhrufe gab, wurde gestrichen.

          Handwerklich solide ist Stein Winges Inszenierung von Nikolai Rimski-Korsakows Oper „Die Zarenbraut“ schon deshalb zu nennen, weil sie gut verständlich ist. Der norwegische Regisseur überzieht das Werk nicht mit eigenen Bildern und Ideen, ergänzt aber, was im Stück fehlt und doch für das Verständnis notwendig ist: Stumm gezeigt wird die Brautschau von Zar Iwan „dem Schrecklichen“ und dass die Kaufmannstochter Marfa zum Kreis seiner Erwählten zählt.

          Benoît Dugardyn hat dazu für die Produktion, die im Oktober 2006 Premiere hatte und jetzt an der Oper Frankfurt ihre erste Wiederaufnahme erlebte, vier Bühnenbilder gestaltet, die den einfachen Charakter unterstreichen: von der bewährten Hotelhalle bis zum schlicht ausgestatteten Zarenpalast.

          Britta Stallmeister setzt Höhepunkte

          Besonders einprägsam – und etwas lachhaft – bleiben im zweiten Akt die Szenen im Freien mit dem russischen Holzhaus und dem alten Mercedes, in dem der Zaubertränke mixende deutsche Zaren-Leibarzt (von Hans-Jürgen Lazar gewollt oder ungewollt als Buffo-Figur dargestellt) den erpressten Liebesakt mit Ljubascha vollzieht. Herausgenommen wurde jetzt indes eine Szene, für die es bei der Premiere Buhrufe gegeben hatte: Dass die zaristischen Leibgardisten, die „Opritschniki“, gewalttätig sind, kapiert man allerdings auch, ohne dass sie erst eine junge Frau verwaltigen und dann erschießen.

          Musikalisch brachte die Wiederaufnahme keine Verbesserung. Unter der Leitung von Solorepetitor Hartmut Keil wirkte sie flüchtig vorbereitet. Schon in der Ouvertüre lief vieles asynchron. Das rhythmische Zusammenwirken mit einigen gerade in dieser Hinsicht eigenwilligen Sängern war verbesserungswürdig. Allerdings übertönte Keil sie nirgends. Am besten gefielen zwei premierenbewährte Ensemblemitglieder: Britta Stallmeister setzte in der Titelpartie mit ihrem schlanken, höhensicheren und im Piano feinen Sopran vor allem gegen Ende hin Höhepunkte, Johannes Martin Kränzle spielte und sang den Grjasnoi nicht nur als brutalen Fiesling, sondern als im Grunde ängstlichen Mann.

          Als Ljubascha debütierte die Mezzosopranistin Elena Cassian mit üppigem Vibrato. Dass die Liebessehnsucht der Antrieb für das Handeln von Grjasnois Geliebter ist, brachte sie aber klar heraus. Der junge Tenor Alexey Kudrya intonierte zwar in der Höhe strahlkräftig und – separat linear gedacht – in sich stimmig, aber an Orchester und Sängerkollegen meist knapp vorbei.

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