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Laura Dürrschmidts Erstling : Auf Wahrheitsfang

Das Leben, ein Dickicht: Laura Dürrschmidts Roman zeigt Erzählen und Schreiben als Irrweg und Ausweg. Bild: Lucas Bäuml

See, Büro und Einmachglas: Laura Dürrschmidt hat ihren ersten Roman geschrieben. Nun stellt sie ihn in Offenbach vor.

          3 Min.

          Ein Haus, ein See, ein Mädchen. Mit Kamera, Bruder und Schwester, aber seltsam elternlos, haltlos, ziellos. Die Schule im Nachbarort, auf der sie das Abitur nachholt, besucht sie kaum noch, der Bruder trinkt, die Eltern haben sich davongemacht. Gut möglich, dass das alles mit dem Unfall zu Kinderzeiten zusammenhängt, bei dem vor Jahren eine weitere Schwester ertrank und die Erzählerin beinahe ebenfalls umgekommen wäre. Seitdem sie unter die Wasseroberfläche geriet, weiß sie, dass im Wilmersee keine Wale schwimmen. Dabei hatte die Mutter das immer erzählt. Aber was Eltern behaupten, ist oft nicht wahr. Jetzt spricht die Tochter. Was sie nicht will: so erzählen, wie sonst in ihrer Familie erzählt wird, wo die Wahrheiten wie in Einmachgläsern auf dem Regal verstauben: „Und wenn man die Einmachgläser dann öffnet, viele Jahre später, dann sind die Wahrheiten kaum noch zu erkennen.“

          Florian Balke
          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Erzählerin geht in Laura Dürrschmidts Roman „Es gibt keine Wale im Wilmersee“ daher lieber ans Eingemachte. Der See, in dessen Wasser und an dessen Ufer um die Wahrheit gekämpft wird, heißt nach dem nebenan gelegenen Ort, den die 1994 in Seligenstadt zur Welt gekommene Autorin sich schön abgelegen erfunden hat: „Wilmer ist nicht das Ende der Welt, aber das Ende der Welt ist in Wilmer schon ausgeschildert.“

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