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LaBrassBanda : Bierzeltstimmung in Offen-Dings

Sie pusten alle Musikantenstadl-Klischees hinweg: LaBrassBanda mit Trompeter Stefan Dettl (vorne) in Offenbach. Bild: Michael Kretzer

Die beste Musik in Deutschland kommt aus der Provinz: LaBrassBanda aus dem Chiemgau zeigen im Offenbacher Capitol, wie aufregend Blasmusik sein kann.

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          Die Lederstadt war gewarnt. „Im Januar spuin ma in Offen-Dings, oda wia die Stodt hoaßt“, hatte Stefan „Sepp“ Dettl bei einem Auftritt in der Frankfurter Brotfabrik im September des vergangenen Jahres angekündigt und gedroht „egal, den Ort wern ma a plattmacha!“

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wenn „Plattmachen“ bedeutet, einen Konzertsaal in eine Mischung aus Tollhaus und Bierzelt zu verwandeln und das versammelte Publikum in Ekstase zu versetzen, dann haben Dettl und seine Gruppe LaBrassBanda am Mittwochabend im vollbesetzten Capitol in Offenbach ihre Drohung in die Tat umgesetzt. Nebenbei bestätigten die fünf Musiker die These, dass die beste Musik in Deutschland doch immer wieder aus der Provinz kommt, selbst wenn im Fall von LaBrassBanda das internationale Potential schon im klingenden Namen des Heimatorts transportiert wird. Übersee heißt die Gemeinde im Chiemgau, von wo aus die Gruppe immer wieder ausschwärmt, um sowohl die weite Welt als auch das enge Deutschland davon zu überzeugen, wie aufregend Blasmusik klingen kann, wenn sie teils irre, aber immer zündende Verbindungen mit Jazz, Funk, Reggae, Ska, Polka, Punk, Gypsy-Brass, Balkan-Beats oder auch Techno eingeht. Für das unbedingte Funktionieren dieser musikalischen Kreationen sorgt nicht nur eine selbstbewusste „Passt scho“-Haltung, sondern vor allem die umwerfende Musikalität der größtenteils studierten Musiker, die am Konservatorium nicht zu Orchesterknechten erzogen wurden, sondern offenbar zu einer fast schon anarchischen Freude an der Musik ermutigt worden sind, bei der alles erlaubt ist, solange nur der Takt gehalten wird.

          Ein gewisses Schlawinertum

          Pustet schon das furios aufspielende Turbo-Gebläse mit Manuel Winbeck an der Posaune, Andreas Hofmeier an der Tuba und Dettl an der Trompete alle Musikantenstadl-Klischees hinweg, schubst das treibende Schlagzeugspiel Manuel da Colls und Oliver Wrages funky Bass dann auch den letzten Schunkler von der Bank hin zur Tanzfläche. Dort kann er dann zu den Songs der beiden Alben „Habedieehre“ und „Übersee“ ausflippen und vielleicht auch darüber philosophieren, was Stefan Dettl in seinen in rasender Geschwindigkeit vorgetragenen Raps und Scats und Gesängen eigentlich von sich gibt. Die in schönster Chiemgauer Mundart gedichteten Texte wird selbst ein Oberbayer nicht immer auf Anhieb verstehen. Der vokalreiche, Konsonanten verschluckende Dialekt könnte genauso gut Portugiesisch, Suaheli oder sonst eine weich klingende Sprache sein, was auch erklären dürfte, warum LaBrassBanda selbst bei Auslandskonzerten etwa in Zimbabwe oder in Russland für Begeisterung sorgen, wo man sonst auf barfüßige Lederhosenträger eher mit Verwunderung reagieren würde.

          Bei aller Völkerverständigung, die durchaus auch nur über den Weißwurstäquator hinweg betrieben werden kann, haben sich LaBrassbanda aber auch ein gewisses Schlawinertum bewahrt, das beim gut zweistündigen Konzert in Offenbach immer mal wieder aufblitzte. Zu „Bierzelt“ eine Gebärdendolmetscherin auf die Bühne zu bitten, um den Text zu übersetzen, war das eine, die sangeslustige Meute die gegen die Homophobie mancher Reggaestars gemünzte Zeile „I like da buttiman“ skandieren zu lassen, das andere.

          Ob da jeder verstanden hatte, was er lauthals schmetterte? Gscherte Hund san’s scho, die LaBrassBanda, aber famoser Aufspielende wird man so schnell nicht finden.

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