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„Kurze Nacht der Galerien und Museen“ : Lied des Frühlings

Installation von Kazuo Katase im Museum Wiesbaden Bild: Kazuo Katase / Museum Wiesbaden

Zum neunten Mal präsentiert die Landeshauptstadt ihre Kunst in der Nacht der Zeitumstellung: Start in die Frühjahrssaison mit der „Kurzen Nacht der Galerien und Museen“ in Wiesbaden.

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          Wo beginnen? Beim „Lied des Frühlings“, das man selbst allmählich nur zu gerne lauthals sänge und das derweil, solange es noch schneit in Wiesbaden, Qi Yang ganz und gar malerisch zu intonieren in der Galerie Nero fest entschlossen ist? Mit der „Poesie der Dinge“, wie sie Rolf Hans verspricht? Oder sich gleich zum Auftakt unseres Rundgangs künstlerisch verführen lassen von Claudia Poeschmanns „alter eros“ im Frauenmuseum, was auch immer das verheißen mag. Schließlich kommt man kaum darum herum, sich zu entscheiden, wenn am Samstag, 29. März, also wie stets in der Nacht der Zeitumstellung, die rund 30 Ausstellungshäuser und Galerien der Landeshauptstadt von 19 bis 24 Uhr zur neunten „Kurzen Nacht der Galerien und Museen“ einladen.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Leicht macht es dem kunstsinnigen Betrachter immerhin die Galerie Winter in der Parkstraße 24, die von Georg Baselitz bis Bernd Zimmer, von Immendorff und Kippenberger bis Per Kirkeby und Daniel Richter mit einer ebenso reichen wie hochkarätigen Auswahl von Papierarbeiten in die Frühjahrssaison startet. Großer Andrang dürfte unterdessen vermutlich auch im Museum Wiesbaden herrschen, das nicht nur mit seiner ständigen Sammlung und zahlreichen Führungen aufwarten kann, sondern mit Auke de Vries’ kunterbunten „Nestern“ sowie Kazuo Katases kontemplativer Installation „Raum eines Raumes“ sehr eigene und überaus poetische Akzente setzt.

          Neuzugänge im Programm

          Etwas mehr Zeit sollte man sich auch für den Besuch im Nassauischen Kunstverein nehmen, gilt es doch nicht nur, mit Sebastian Buerkner und Katharina Segura Harvey zwei Filmkünstler, sondern auch noch Rory Macbeths „long march back to progress“ zu entdecken (bis 23 Uhr). Allein der Fortschritt, so zeigen die Installationen des britischen Künstlers, hat so seine Tücken. Und ist vielleicht nichts als ein riesengroßes Missverständnis. Womit wir gleich bei Kunst-Schäfer (Faulbrunnenstraße 8) und somit bei den Bildern Wilhelm G. Hupers’ wären. „Malen“, so der Künstler zwar, „heißt für mich immer auch ein Stück Wirklichkeit gestalten.“

          Der Titel seiner Ausstellung indes mag einem dann doch rasch zu denken geben: „Dieser Maler gehört aufgehängt.“ So schnell aber, wollen wir mal hoffen, schießen auch in Wiesbaden die Kunstverächter nicht. Und bei der Fülle gerade der malerischen Positionen – den abstrakten, ganz aus der Farbe entwickelten Leinwänden Josef Schwaigers bei Witzel etwa (Kaiser-Friedrich-Ring 63), Zigi Ben-Haims malerischen und fotografischen Erkundungen auf Aluminium bei Christine Rother (Bahnhofstraße 40) oder Helmut Bernhardts im Dialog mit den Skulpturen Helga Föhls vorgestellte Malerei bei Haasner (Saalgasse 38) – sollte man dergleichen impulsive Reaktionen ohnehin vielleicht noch einmal überdenken. Oder wenigstens seine Aufmerksamkeit den Künstlern anderer Medien schenken.

          Dem Meisterschüler von Stephan Balkenhohl, Andreas Welzenbach, etwa, dessen aktuelle Skulpturen gleich um die Ecke in der Galerie CP (Saalgasse 32) zu sehen sind. Die Galeriekünstlerin Monika Linhard stellt derweil bei Hafemann (Oranienstraße 48) neue Objekte und installative Arbeiten vor, während Prento und Wiesel am Kranzplatz trotz des Titels „Paparazzi“ nicht etwa heimlich aufgenommene Luder, Königstöchter oder Prominente zur Vernissage am Samstagabend eingeladen hat, sondern vielmehr eine Lichtinstallation Erik Hofstetters präsentiert (bis 22 Uhr). Und nicht zuletzt bietet die „Kurze Nacht“ auch in diesem Jahr die willkommene Gelegenheit, das Programm der Neuzugänge zu studieren.

          Erstmals in diesem Jahr beteiligen sich der Kunsthandel Michael Draheim in der Taunusstraße 9 mit Rolf Hans’ „Poesie der Dinge“, der „Kunstsplitter“ in einem ehemaligen Waschsalon in der Wellritzstraße sowie die Westend-Galerie und die Gallery21 (Bahnhofstraße 8), wo Larissa Klinger unter dem nur bedingt Vertrauen erweckenden Titel „Wunderbaum“ Malerei von Ashot Khachkalyan vorstellt. Freilich, da mag das Wetter noch so Kapriolen schlagen: Das „Lied des Frühlings“ vom Beginn des Rundgangs noch im Herzen, schließt sich mit dem „Wunderbaum“ am Ende doch der Kreis. Zauberhafte Aussichten also für das Wiesbadener Kunstwochenende.

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