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Kunst : Kaffeelöffel für Frankfurt: „Academy Remix“ im Portikus

Wer weiß schon, was Nita Salihu, deren aus einem fahrenden Auto aufgenommenes Video nichts anderes zeigt als die geteerten Verkehrswege ihrer Heimatstadt, auf Frankfurts Straßen finden mag. Das Ergebnis ist, wie bei vielen der für „Academy Remix“ entstandenen Arbeiten, erfreulich offen.

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          Grau sind die Straßen in Prishtina. Ein paar Schlaglöcher vielleicht hier und da, manchmal fehlt die Markierung, doch im Grunde, möchte man meinen, sieht es aus wie in anderen Städten auch. Keine Überraschung eigentlich, doch wer weiß schon, was Nita Salihu, deren aus einem fahrenden Auto aufgenommenes Video buchstäblich nichts anderes zeigt als die geteerten und betonierten Verkehrswege ihrer Heimatstadt, auf Frankfurts Straßen finden mag. Und was die Zusammenschau dereinst ergibt. Das Ergebnis ist, wie bei vielen der für „Academy Remix“ entstandenen Arbeiten, die von Samstag an im Frankfurter Portikus (Weckmarkt 17) zu sehen sind, bislang erfreulich offen. Ohnehin mag man die Ausstellung eher als vorläufige Zwischenbilanz eines Prozesses begreifen denn als herkömmliche Kunstschau.

          Christoph Schütte
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Zentrum steht vielmehr die Dokumentation des auf ein Jahr konzipierten Austauschprogramms zwischen Studenten der Frankfurter Städelschule und des Contemporary Art Institute Exit in Prishtina, das die beiden Kunsthochschulen entwickelt haben. Um dem Akademiecharakter des ehrgeizigen Programms Rechnung zu tragen, beschränkt sich die Abschlußpräsentation im Portikus auch keineswegs auf die Ausstellung künstlerischer Arbeiten, sondern wird zudem von einem hochkarätig besetzten Symposion flankiert, das sich heute und morgen mit Methoden und Möglichkeiten der Kunstvermittlung beschäftigt.

          Gleichwohl können sich die Ergebnisse der 25 an „Academy Remix“ beteiligten jungen Künstler durchaus sehen lassen. Dabei sind es immer wieder Kontextverschiebungen, die Thematisierung des fremden Blicks auch auf eine völlig unbekannte Umgebung, eine andere Stadt und soziale Situation, die künstlerischen Mehrwert versprechen. Wenn etwa Lasse Schmidt-Hansen ein paar tausend bunte Plastiklöffelchen aus dem Kosovo nach Frankfurt importiert, um sie hiesigen Cafes zu offerieren, oder die Städelschülerin Anna Ostoya hier wie dort zufällige Passanten, Taxifahrer, Künstler oder Bodyguards um je zwei Zeichnungen zum Thema privater respektive öffentlicher Raum bittet, dann kann der Betrachter gleichsam zusehen, wie diese Arbeiten Wirkung über den Kunstkontext hinaus entfalten.

          Indes ist kaum zu übersehen, daß es den beteiligten Künstlern neben der Annäherung an einen zunächst fremden Kontext, neben wechselseitiger Wahrnehmung und möglichen neuen Perspektiven immer auch um gemeinsame, kooperativ angelegte Projekte zu tun ist, die im Laufe des Prozesses eine eigene und kaum vorhersehbare Dynamik entfalten. Die von den Städelstudentinnen Adrian Williams und Shannon Bool entwickelte Idee etwa, in Zusammenarbeit mit internationalen Künstlern eine Kunstbibliothek im Kosovo aufzubauen, gehört fraglos zu den engagiertesten und am weitesten in die Zukunft weisenden Projekten von „Academy Remix“.

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