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Kunst : Gebrauchsgrafiker und Multitalent

Für das Zeit-Magazin reiste er nach Australien, um Reiseartikel zu bebildern. Es war das erste Mal, daß das Magazin einen Illustratoren mit einer derartigen Aufgabe betraute. Nun zeigt das Museum Künstlerkolonie Darmstadt Aquarelle, Illustrationen und Zeichnungen von Günter Hugo Magnus.

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          Für das mittlerweile eingestellte Zeit-Magazin reiste er Anfang der achtziger Jahre nach Australien, um Reiseartikel zu bebildern. Es war das erste Mal, daß das Magazin statt eines Fotografen einen Illustratoren mit einer derartigen Aufgabe betraute. In Günter Hugo Magnus (1933-1987) hatten die Auftraggeber freilich genau den Richtigen gefunden. Denn der Grafiker und Illustrator schuf wunderbar stimmungsvolle, realistische Aquarelle von der Landschaft dort, von Gebäuden irgendwo am Straßenrand in gottverlassenen Gegenden.

          Katharina Deschka

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei war Magnus doch eigentlich vor allem als Gebrauchsgrafiker, wie er sich selbst gerne nannte, unter Experten bekannt. Daß er in Wahrheit ein Multitalent war, möchte nun eine Aussstellung im Darmstädter Museum Künstlerkolonie vor Augen führen. Mit rund 130 Aquarellen, Illustrationen und Zeichnungen aus den „Schwarzen Skizzenbüchern“, in denen Magnus tagebuchartig seine alltäglichen Eindrücke festhielt, wird ein Künstler vorgestellt, der durchaus frei und mit viel Sinn für Humor arbeitete.

          Sein Herz hing vor allem an den freien Arbeiten

          Geboren im hessischen Herborn, studierte Magnus an der Staatlichen Werkakademie Kassel und arbeitete von 1960 an als selbständiger Grafiker in Darmstadt und München. Elf Jahre war er bis 1980 Gastprofessor an der Ohio State University in Columbus, von 1974 an Professor an der Fachhochschule Darmstadt, wo er aber seit 1967 schon an der Werkkunstschule unterrichtet hatte. Seinen Wohnsitz in München gab er nicht auf, und so pendelte er wöchentlich zwischen Darmstadt und Bayern. Die Bahnreisen nutzte er, um zu beobachten und Skizzen anzufertigen. Die dabei entstandenen Cartoons zeugen von Ideenreichtum und Ironie, wie seine skurrilen Variationen zu „Produkten des Alltags“ - etwa die Ausführungen zum Schuh-Design mit der eckigen „Bauhaussandalette“ oder dem „Quickstop“, der anstelle eines Absatzes zwei furchteinflößende Krallen in die Erde rammt.

          In den achtziger Jahren gab es kaum eine angesehene Zeitschrift, so scheint es, in der seine Signatur nicht auftauchte. neben dem Zeitmagazin illustrierte der Künstler Kurzgeschichten, Kolumnen, Fortsetzungsromane und Reiseberichte für den Stern oder die ebenfalls vom Markt verschwundene Trans-Atlantic. Leichtfüßig bewegte er sich zwischen der großen und der kleinsten Fläche, entwarf Briefmarken ebenso wie er etwa 1967 den optischen Auftritt der Bundesrepublik bei der Weltausstellung in Montreal gestaltete.

          Doch sein Herz hing vor allem an den freien Arbeiten, für die er auf seinen Reisen Motive sammelte. In der Schau sind einige der großformatigen, menschenleeren Aquarelle zu sehen: Häuserfassaden und Straßenkreuzer in den Vereinigten Staaten, die in ihrer Sachlichkeit an Hopper erinnern, italienische Fabrikanlagen und ein Brauereigebäude am Osthang der Mathildenhöhe, das abgerissen wurde. Doch selbst hier ist Magnus doppelbödig, wie sein Kollege Peter von Kornatzki vermutet: Die Fenster kann man als Augen deuten, das Tor als weit aufgerissenen Mund.

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