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Kunst : Blumen für Ella: Pompl und Jähnichen in der Galerie Hübner

An Ella Fitzgerald allein kann es eigentlich nicht liegen. Sicher, im Hintergrund singt die „First Lady of Song“ die großen alten Lieder und haucht dem so nüchternen Raum in der Frankfurter Galerie Hübner beinahe so etwas wie Club-Atmosphäre ein.

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          An Ella Fitzgerald allein kann es eigentlich nicht liegen. Sicher, im Hintergrund singt die „First Lady of Song“ die großen alten Lieder und haucht dem so nüchternen Raum in der Frankfurter Galerie Hübner (Grüneburgweg 71) beinahe so etwas wie Club-Atmosphäre ein. Und die der Ausstellung Harald Pompls ihren Titel gebenden „Blumen für Ella“ setzen inmitten der klaren, sämtlich aus einer einzigen Modulform entwickelten Arbeiten des in Frankfurt und bei Nürnberg lebenden Künstlers einen unerhört heiteren, spielerischen und nicht zuletzt farbenfrohen Akzent: eine swingende Hommage an eine Legende des Jazz.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Doch angesichts der aktuellen und - bis auf den ganz zauberhaft und gleichsam aus dem Ärmel geschüttelten Blumenstrauß - nunmehr gänzlich abstrakten Plastiken will es scheinen, als habe der 1952 geborene Bildhauer, der beinahe selbst Musiker geworden wäre, sich einen alten Traum erfüllt und gleichsam zu musikalischen Kompositionsprinzipien gefunden. Und der Rhythmus, der neue Sound, der Pompls Werk grundiert, teilt sich dem Betrachter, leise zwar und unaufdringlich wie Ellas Melodien, doch ganz unmittelbar mit. Dabei ist er sich im Grunde durchaus treu geblieben. Verdichtung und Transparenz, Leichtigkeit und Schwere sind von jeher die bestimmenden Parameter seiner Kunst, das Interesse an Licht- und Farbwirkung ist eine weitere Konstante seines plastischen Werks.

          Doch zu den bekannten trichterförmigen oder auch an Baumpilze gemahnenden und stets aus pigmentiertem Kunstharz gegossenen Arbeiten der vergangenen Jahre ist nun eine quadratische Modulform getreten, die sowohl den freistehenden und durchaus alltagstauglichen Skulpturen als auch den aktuellen Wandarbeiten zugrunde liegt. Das reduzierte, von allen inhaltlichen Verweisen befreite Formvokabular indes führt zu einer ungeahnten Fülle spannender, ein ums andere Mal faszinierender Variationen.

          Und im Wechsel von auf den ersten Blick monochrom erscheinenden Platten in leuchtenden Farben und exakten Aussparungen auf der nackten Wand, in kaum anders als rhythmisch zu nennender Folge von in der Fläche organisierten Farbkörpern unterschiedlicher Dichte, Struktur und Oberflächen wird offenbar, was freilich manch früherer Arbeit insgeheim schon eingeschrieben war: eine Affinität des Bildhauers zur Malerei. Mit seinen „Blumen für Ella“ gewinnt Pompls Beschäftigung mit malerischen Fragen überzeugende plastische Form. Derart beschwingt, möchte man sich angesichts der „Gefährten“ Gunilla Jähnichens, deren Arbeiten Ernst Hübner erstmals in den Ausstellungsräumen im ersten Stock vorstellt, am liebsten gleich setzen.

          Denn so harmlos all die brav gescheitelten Buben und ordentlich gewaschenen Mädchen auch zunächst erscheinen: Die Kinderzimmerwelt, in die sie die junge Malerin gestellt hat und aus der sie nun mit großen, starren, ein wenig somnambulen Augen blicken, möchte man nicht wirklich näher kennenlernen. Zwar tummeln sich stets allerlei Einhörner, Hündchen, Äffchen, Püppchen fast wie im Märchenland in Öl auf Leinwand. Doch Jähnichen, die in Hamburg bei Stanley Brown und Werner Büttner studiert hat, erzählt in ihren Bildern alles andere als nette Gutenachtgeschichten. Ein Albtraum, der offensichtlich eben erst beginnt. Und es sind nicht die Kinder, um deren Schlaf man ernstlich fürchten müßte. Dafür, scheint es, ist es längst zu spät.

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