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Kultur am Fluss : Eine schwimmende Bühne auf dem Main

Kultur vor imposanter Kulisse: So wie auf diesem Entwurf könnte es aussehen, wenn ein Orchester Wassermusik spielt Bild:

Der Tigerpalast, die Oper Frankfurt und das Künstlerhaus Mousonturm wollen jedes Jahr den Fluss kulturell beleben. Mit einem Veranstaltungsprogramm, das von einem Ponton aus gezeigt werden soll.

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          Eine schwimmende Bühne auf der Höhe des Museums für Angewandte Kunst, Tribünen für die Besucher am südlichen Mainufer, im Hintergrund die Wolkenkratzer, die sich im Wasser spiegeln: für Tigerpalast-Chef Johnny Klinke, Opern-Intendant Bernd Loebe und Mousonturm-Leiter Dieter Buroch ein ideales Ambiente, um alljährlich im Sommer ein anspruchsvolles Kultur- und Unterhaltungsprogramm anzubieten. Der Varieté-Direktor hatte die Idee zu diesem Projekt, und der Verantwortliche des renommierten Musiktheaters war davon ebenso angetan wie der Geschäftsführer des der Avantgarde verpflichteten Künstlerhauses.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Der gemeinsame Auftritt der so unterschiedlichen, aber auf ihrem Gebiet jeweils auf höchstes Niveau setzenden Institutionen beim Turnfest 2009 sollte der Test sein für ein kleines Sommerfestival, eine Veranstaltungsreihe am Fluss, ein Bewohner Frankfurts ebenso wie Touristen anziehendes, mehrere Tage umfassendes wiederkehrendes Kulturereignis.

          Alte Oper hat Interesse angekündigt

          Nun aber steht das Vorhaben in Frage. Nachdem die Stadt die Mittel für die Großsportveranstaltung reduziert hat, ist vom Kulturprogramm nicht mehr viel die Rede. Dabei haben Oper und Mousonturm längst Stücke ausgewählt, die sie dort zeigen wollten (siehe auch: Kommentar: Frankfurter Kultursommer). Bei einem künftig wiederkehrenden Kulturtreffen auf dem Main sollten auch die Alte Oper und eventuell die Konzertagentur Marek Lieberberg mit ins Boot genommen werden.

          „Bei der Fußball-Weltmeisterschaft ist etwas geschehen, was keiner vermutet hat: Die Bühne auf dem Main war auf einmal der natürliche Mittelpunkt der Stadt“, sagt Klinke. „Was der Fußball kann, kann die Kultur schon lange – Menschen zusammenbringen.“ Und Frankfurt brauche Glanz. Deshalb aber müsse man auf „allerhöchste Qualität“ achten. „Frankfurt hat den Main wiederentdeckt, jetzt ist die Frage, warum sollen wir nicht einmal im Jahr etwas mit dem Fluss machen.“ Beim Turnfest könne man üben, und zwar nicht mit einem beliebigen Unterhaltungsprogramm, sondern mit Institutionen von internationalem Format.

          „Wenn wir in dieser Woche, wenn hunderttausend in Frankfurt sind und die Medien, weil es Frühsommer ist, richtig hinschauen, ein Zeichen setzen, dann könnte das eine Perspektive haben für die kommenden Jahre. Warum soll diese Bühne nicht zu einem absoluten Highlight mit Oper, Ballett, Varieté, Musik werden?“ In den Diskussionen um das Frankfurter Image fehlten Inhalte. Das Lebensgefühl in der Stadt sei viel besser als die Marketing-Debatten zu diesem Thema. „Die Politik“, sagt der Varieté-Chef, „muss den Rahmen stellen. Ohne Grünflächenamt geht die Revolution nicht.“ Die Wirtschaft sei an solch einem Vorhaben nur dann interessiert, wenn Zukunfts- und Qualitätsperspektiven erkennbar seien. „Wenn es etwas Attraktives gibt, beißen auch die Sponsoren an.“

          „Frankfurt braucht ein Leuchtfeuer“

          „Die Idee, in der kulturlosen Sommerzeit etwas Spezielles am Main zu machen, schwirrt in unseren Köpfen seit der Fußball-Weltmeisterschaft“, sagt Opernintendant Loebe. Vor ein, zwei Jahren sei man sich mit der Stadt einig gewesen, beim Turnfest nicht nur stramme Männerwaden unter kurzen Hosen durch die Stadt pilgern sehen zu wollen, sondern auch etwas Hochwertiges am Main zu gestalten. „Damals war der Vorschlag von der Oper, ,Lucia di Lammermoor‘ quasi halb szenisch mit komplettem Chor und Orchester auf einer Main-Bühne zu zeigen und im Wechsel mit Johnny Klinke, dem Mousonturm und eventuell auch anderen jeden Abend die Menschen an den Main zu locken. Wir haben uns erhofft, auf diese Weise einen besonderen kulturellen Akzent setzen zu können.“

          Die Oper sei auch bereit gewesen, ein zusätzliches Konzert zu geben. „Johnny Klinkes Idee, der unter der Sommerhitze leidenden faulen City künftig jedes Jahr eine interessante Attraktion zu bieten, wäre eine Möglichkeit, vom Klischee der kalten Bankenstadt wegzukommen, zumal im Sommer, wenn andere Städte punkten mit ihren Angeboten.“

          „Wir wollen für das Turnfest ein Beiprogramm auf einem ganz hohen künstlerischen Niveau“, erläutert Mousonturm-Chef Buroch. „Wir wollen uns auch zeigen als das, was wir sind, als Stadt der Avantgarde.“ Frankfurt brauche aber über dieses Turnfest hinaus ein Leuchtfeuer, damit Auswärtige einen Anlass hätten, einmal drei Tage in die Stadt zu kommen: „Vormittags können sie sich das Museumsufer und die Ausstellungen dort ansehen und dann am Abend ein Großereignis am Mainufer in einer besonderen Atmosphäre erleben.“ Die Leute, ist Buroch überzeugt, wollten nicht nur Party haben, sondern auch etwas für den Kopf. „Aber wir können auf solch einer Bühne natürlich nicht diffizile Tanzstücke zeigen, wo der kleine Zeigefinger der Solist ist.“

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