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Koons-Werk geklaut : Massengut wird Diebesgut

In Originalgröße ein Millionenwert: Jeff Koons vermarktet seine Skulpturen als tausendfach produzierte Miniaturen lukrativ. Bild: dpa

Jeff Koons ist ein Meister der Vermarktung. Ein Ladendiebstahl wie in einer Frankfurter Galerie hilft dem amerikanischen Künstler da durchaus weiter. Auch wenn das Diebesgut schnell an Wert verliert.

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          Einsatz in Mainhattan, alle aus den Betten! Doch die Aufregung legt sich schnell, denn der vermeintliche Kunstkrimi, zu dem eine Sachfahndung der Frankfurter Polizei vom Mittwoch eine verheißungsvolle Spur legt, ist letztlich „nur“ der Diebstahl eines Massenguts, selbst wenn es sich dabei um eine Skulptur des amerikanischen Künstlers Jeff Koons handelt.

          Wir erinnern uns, das ist genau jener Koons, dessen Skulptur „Rabbit“ im Mai vergangenen Jahres für sagenhafte 91,1 Millionen Dollar verkauft wurde. Sie ist damit das teuerste Werk eines lebenden Künstlers. Mit diesem bei einer Auktion erzielten Rekord hat Koons sich übrigens selbst geschlagen, war er doch mit seiner sechs Jahre vorher für 58,4 Millionen Dollar verkauften Skulptur „Balloon Dog (Orange)“ bereits Spitzenreiter.

          Meister der Vermarktung

          Nun darf man über das Werk des Amerikaners gewiss geteilter Meinung sein, doch ist er unbestritten ein Meister der Vermarktung. Seinen Ballon-Hund etwa gibt es nicht nur als megateures Original, sondern eben auch als in Größe und Farben unterschiedliche Varianten. Die finden sich in Galerien in der ganzen Welt oder auch in verschiedenen Kunst-Shops im Internet; weniger, um Koons’ Ruhm, dafür aber seinen Kontostand zu mehren.

          Denn bei Auflagen von 999 Stück pro Ballon-Vieh werden ernsthafte Sammler kaum zuschlagen, die Adabeis des Kunstmarkts aber vielleicht schon, die für eine kleine Porzellan-Ausgabe des orangenen Ballon-Hunds 11.000 Euro auf den Tisch legen müssen. Die waren den Dieben in einer in der Frankfurter Innenstadt gelegenen Galerie allerdings auch zu viel, weshalb sie wohl bereits am 6. November eine der Hunde-Skulpturen einfach aus einer Vitrine mopsten und unerkannt das Weite suchten.

          Reibach werden sie mit dem Werk aber nicht machen. Denn im Gegensatz zu Koons’ Originalen ist seine Massenware eher weniger gefragt und bringt im Wiederverkauf auf dem Markt allenfalls die Hälfte des ursprünglichen Preises.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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