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Konzertagentur aus Mannheim : Geschäftsaufgabe statt Jubiläumsfeier

Will keine Konzerte für die Elite anbieten: Thomas Rainer, Inhaber der Konzertagentur Allegra Bild: privat

Vor 25 Jahren hat Thomas Rainer die Konzertagentur Allegra in Mannheim gegründet. Vor allem das von ihm organisierte Festival „Klang im Kloster“ lockte viele Besucher an. Nun ist angesichts der Corona-Krise sein Lebenswerk in Gefahr.

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          Es hätte ein stolzes Jubiläum sein sollen. Stattdessen sieht Thomas Rainer seine Leistung der vergangenen 25 Jahre durch die Corona-Krise zunichtegemacht, wie er selbst sagt. 1995 gründete er, damals gerade 26 Jahre alt und in Frankfurt frisch diplomiert als Musikpädagoge, seine Agentur Allegra in Mannheim, die er seither zu einer der führenden Konzert- und Künstleragenturen der Region mit einem Schwerpunkt auf Alter Musik ausgebaut hat. Einem breiten Publikum bekannt sind das Festival „Klang im Kloster“ im Frankfurter Karmeliterkloster zum Museumsuferfest und die Reihe der Klosterkonzerte dort. Dazu kamen in Frankfurt vor zwei Jahren die privat initiierte Alte-Musik-Reihe „Die kleine Kammermusik“ sowie unter anderem die Kammerkonzerte Darmstadt.

          Guido Holze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          An der Frankfurter Musikhochschule hat Rainer beim Barockspezialisten Michael Schneider studiert. Von 1994 bis 2004 leitete er parallel zu seiner selbständigen Tätigkeit das Presse- und Veranstaltungsbüro der Musikhochschule. Schon von daher ist Rainer bestens vernetzt. Große Events wie die Barockfeste der Musikhochschule im Jagdschloss Kranichstein, in der Burg Kronberg oder Schloss Weilburg lagen in seinen Händen.

          „Komplett weggebrochen“

          Nun sind nicht nur die Barockfeste entfallen, sondern auch alle anderen Aufträge „komplett weggebrochen“, wie Rainer sagt. Viele Kulturvereine seien als Veranstalter in Bedrängnis geraten. Der Job als Geschäftsführer des Trägervereins „Kleine Kammermusik“ sei ihm gekündigt worden, die Konzertreihe eingestellt. Hinzu kämen Absagen von Sponsoren. Gar kein Geld mehr verdienen könne man derzeit als Künstleragent. Diese Tätigkeit werde er aufgeben. Hätte er nicht eine neue Anstellung als kaufmännischer Angestellter bei einer Stiftung gefunden, könnte er seine Familie derzeit nicht mehr ernähren, gibt Rainer offen zu. Die Umsatzeinbußen beliefen sich auf 90 Prozent.

          Wenn Rainer die Reihe der 1998 begonnenen Frankfurter Klosterkonzerte noch fortführt, so hängt das mit seiner Verpflichtung gegenüber den Künstlern und den 60 Abonnenten zusammen. Alle Beteiligten seien sehr bemüht, die Zusammenarbeit mit dem Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster erfreulich wie immer: „Das macht Mut.“ Ein Konzert unter dem Titel „Trost und Zuversicht“ hat nach dem Lockdown schon stattgefunden. Das nächste mit der Early Folk Band folgt an diesem Sonntag.

          Die Musiker haben sich bereit erklärt, zweimal aufzutreten, mit Beginn um 15 und 17 Uhr, vor je maximal 60 Zuhörern. Normalerweise wären es 200 Gäste in einem Konzert. Gerade im Sommer sei die Spielstätte im Kreuzgang und im Refektorium dabei sehr sicher, da für Durchlüftung gesorgt werden könne. Da alles durch wechselnde Hygieneauflagen aber mit „riesigem Mehraufwand“ verbunden sei, sei es wirtschaftlich für ihn nicht tragbar, ungeachtet des Zuschusses durch das Kulturamt, der 25 Prozent der Kosten decke, stellt Rainer fest. Der große Rest der Gesamtkosten von 5000 bis 6000 Euro pro Klosterkonzert müsse über Sponsoren, Spenden, Stiftungen und den Kartenverkauf gedeckt werden.

          Konzerte für die Elite will Rainer nicht anbieten. Vielmehr ist er stolz, dass bei den Klosterkonzerten neben großen Interpreten wie der Cellistin Kristin von der Goltz, die am 23. August wieder zu hören ist, stets junge Ensembles Auftrittsmöglichkeiten bekommen haben und dass viele Gäste durch die Reihe das Karmeliterkloster erst kennengelernt hätten. Er freue sich auf die ausstehenden Konzerte bis zum Saisonabschluss mit der Gambistin Hille Perl am 10. Oktober, sehe aber sein Lebenswerk vor dem Zusammenbruch. Derzeit sei er pessimistisch und glaube fast, dass das Jubiläumsjahr ein Abschluss sein werde. Er fügt aber hinzu: „Ich würde gerne auf dem Gebiet weiterarbeiten.“

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