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Konzert : Scharf gewürzt

Drei Tage lang stand Seligenstadt wieder einmal im Zeichen eines „Kleinen Streicherfestivals“, bei dem zwei der prominentesten deutschen Quartette miteinander musizierten.

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          Mit dem Münchner Henschel- und dem Berliner Kuss-Quartett waren beim „Kleinen Streicherfestival“ der Seligenstädter Klosterkonzerte an drei gleichermaßen anregenden Abenden unter freiem Himmel im Kreuzgang der ehemaligen Benediktinerabtei zwei der besten deutschen Streichquartette zu erleben. Nach dem Auftakt mit den Henschels, die das Festival seit dem Beginn im Jahr 1997 jeweils mit einem wechselnden Gastensemble gestalten, gaben im zweiten Konzert die namensgebende Primaria Jana Kuss, der zweite Violinist Oliver Wille, der Bratschist William Coleman und der Cellist Felix Nickel den Ton an.

          Guido Holze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie die Gastgeber am Vorabend wandten auch sie sich zunächst einem Streichquintett Mozarts zu, wobei sie in dem D-Dur-Werk KV 593 durch Monika Henschel-Schwind an der Viola optimale Verstärkung erhielten. Frisch und charmant, leicht und apollinisch ausgewogen klang das, dezent und ohne Extravaganzen, agogisch angemessen frei.

          Heftige Gesten in der introvertierten Grundstimmung

          Einen weiteren Jubilar und „Meister der wenigen Töne“, wie Oliver Wille zur kurzen Einführung sagte, würdigte das Ensemble mit György Kurtag, der im Februar 80 Jahre alt geworden ist. Mit dem in Rumänien geborenen, 1946 nach Budapest übersiedelten ungarischen Komponisten haben Jana Kuss und ihre Mitspieler schon persönlich gearbeitet und für seine „Zwölf Mikroludien für Streichquartett“ op. 13 waren sie ideale Interpreten. Den kurzen Stücken, die jeweils um einen anderen Zentralton kreisen und nach diesen chromatisch aufsteigend geordnet sind, verliehen sie ganz unterschiedliche Charaktere. In die oft leise, introvertierte Grundstimmung schossen so auch unerwartet heftige Gesten hinein.

          Zum 150. Todesjahr Robert Schumanns bildete dessen Streichquartett Nr. 1 a-Moll op. 41,1 den Abschluß, wobei das Kuss-Quartett ohne Übertreibungen und eher klassizistisch geglättet als betont romantisch-wild musizierte und so Mendelssohn als den Widmungsträger des Werks nicht fernstehen ließ. Als Zugabe folgte noch das Adagio aus Mozarts erstem Streichquartett G-Dur KV 80 - komponiert vom Teenager während einer Italien-Reise 1770.

          Mit dem nur um zwei Jahre jüngeren Streichquartett C-Dur op. 20,2 Hob. III:32 von Mozarts Vorbild Joseph Haydn eröffnete das Kuss-Quartett dann den dritten Abend des Festivals, der traditionell als „Großes Finale“ mit beiden Ensembles angelegt ist. Auch dieses kontrapunktisch dichte Werk erklang hier ganz leicht, im Ausdruck unbeschwert und elegant - ein delikater Aperitif für das scharf gewürzte Präludium und Scherzo für Streichoktett op. 11 des schon im Auftaktkonzert vertretenen Jubilars Schostakowitsch.

          Freude an der Dissonanzschärfe

          Nach dem in geheimnisvollen Pastelltönen fast impressionistisch gemalten Präludium brachten Henschel- und Kuss-Quartett mit vereinten Kräften auch die knallfarbenen, expressionistischen Züge des später als Zugabe widerholten Scherzos zu voller Wirkung: mit einer gewissen Freude an der Dissonanzschärfe, perkussiv und vorwärtsdrängend.

          Eine ebenso hochwertige und mit spürbarer Begeisterung vorgetragene Komposition beschloß das Ganze: das sinfonische Qualitäten besitzende Oktett Es-Dur op. 20, das Mendelssohn als Geniestreich mit 17 Jahren schrieb. Bei völliger Gleichberechtigung der Stimmen bald miteinander wetteifernd, bald feinsinnig kommunizierend, wie im melosgetränkten Andante, harmonierten hier beide Ensembles vorbildlich - bis zum rasenden Zuspiel der Motive im polyphonen Presto-Finale.

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