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Konzert : Hauptsache, Gas geben: Spaßkultur in der Hüpfburg

  • -Aktualisiert am

Wurde binnen Sekunden zur Hüpfburg: Frankfurter Batschkapp Bild: Marcus Kaufhold

Rund 1.000 Fans feiern ausgelassen bis selbstvergessen, als fielen Rosenmontag, Geburtstagsparty und Betriebsweihnachtsfeier aufs gleiche Datum, und signalisieren: Spaß haben kann so einfach und effektiv sein. Zumal wenn eine ohnehin auf gute Laune geeichte Kapelle wie Reel Big Fish die geeignete Hintergrundmusik liefert.

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          Über ein Meer aus verschwitzten Köpfen fliegt im fahlen Scheinwerferlicht ein Sportschuh. Wenig später folgen Hemd und Anorak. Wenigstens die Hosen hat er anbehalten, mag sich manch einer denken, der die lässige Entsorgung überflüssiger Kleidungsstücke im Halbdunkeln verfolgt hat. Zwei Wochen vor dem Höhepunkt der fünften Jahreszeit feiern rund 1.000 Fans ausgelassen bis selbstvergessen, als fielen Rosenmontag, Geburtstagsparty und Betriebsweihnachtsfeier aufs gleiche Datum, und signalisieren: Spaß haben kann so einfach und effektiv sein. Zumal wenn eine ohnehin auf gute Laune geeichte Kapelle wie Reel Big Fish die geeignete Hintergrundmusik liefert.

          Binnen weniger Sekunden verwandelt das Sextett aus dem kalifornischen Orange County die Frankfurter Batschkapp in eine gigantische Hüpfburg. Ausgelassen wird nicht nur auf, sondern vor allem auch vor der Bühne getobt. Ein überwiegend männliches Publikum durchweg jüngeren Jahrgangs hat nur eines im Sinn: abtanzen, ausflippen und sich durch verschüttete Getränke ordentlich besudeln lassen. Frontmann Aaron Barrett geht vorsichtshalber jedes Mal in Deckung, wenn wieder ein voll gefüllter Bierbecher allzu genau in seine Richtung zielt. Wäre doch schade, wenn die penibel eingeölte Tolle, die sorgsam gepflegten Koteletten und das grasgrüne Hemd mit aufgerollten Ärmeln durch Kollision mit einem Geschoss flüssigen Inhalts aus der Façon gerieten.

          Überschäumendes Finale

          Zwei weitere seiner fünf Kollegen wissen ebenfalls optischen Firlefanz zu schätzen: Posaunist Dan Regan präsentiert sich im schicken dunklen Dreireiher mit passendem Hütchen. Mit Fliegermütze samt integrierter Brille, wie sie auch der Cartoon-Hund Snoopy bevorzugt, prädestiniert sich Trompeter John Christianson als Spaßvogel der Truppe. Doch eigentlich wäre der geckenhafte Zinnober nicht vonnöten. Funktioniert doch der typische Klangzauber von Reel Big Fish, der sich stilistisch an Ska-Punk-Pionieren wie Madness, Specials und Selecter der späten siebziger Jahre orientiert, auch ganz ohne Komikeinlagen. Weniger von Spontaneität als von Interaktion mit dem Auditorium lebt das fast atemlos präsentierte Repertoire mit Auszügen aus sieben Studioalben.

          Dass die 1992 gegründete Formation ihren Zenit längst überschritten hat, unterstreicht das auszugsweise vorgestellte Material des aktuellen Albums „Fame, Fortune And Fornication“ mit deutlichem Hang zu kreativer Stagnation. Eine Entwicklung, die sich bei Reel Big Fish trotz hervorragender Qualitäten als Live-Musiker seit geraumer Zeit bemerkbar macht. Wegen allzu beschaulicher Absatzzahlen kündigte dann auch noch vor drei Jahren die Plattenfirma Jive den langjährigen Vertrag, was die Gründung des eigenen Labels Rock Ridge Music zur Folge hatte. Doch dem ausschließlich auf Partystimmung abonnierten Publikum scheinen widrige Umstände gleichgültig. Hauptsache, Gas geben. Am eindrucksvollsten funktioniert das ausgerechnet bei Cover-Versionen wie „Kiss Me Deadly“ von Generation X, dem nur kurz angespielten „Enter Sandman“ von Metallica und A-has „Take On Me“. Simple Rhythmik mit Ursprung in der Karibik ermöglicht es selbst dem ungelenken Zeitgenossen, sich bis zum überschäumenden Finale stilvoll im Takt zu bewegen. Vorausgesetzt, er fühlt sich nicht durch störende Winterkleidung beeinträchtigt.

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