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Große Liedkunst : Im Angesicht des Todes

  • -Aktualisiert am

Kraft, Dichte, Gefühl: Der Liederabend von Konstantin Krimmel in der Frankfurter Oper beschließt die Saison eindrucksvoll.

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          Die völlig präzise und deutliche Artikulation ist nur eine der Stärken, auf denen die Liedinterpretationen des Baritons Konstantin Krimmel gründen. Der 1993 in Ulm geborene Bariton, der seit vergangenem Jahr dem Ensemble der Bayerischen Staatsoper München angehört, gestaltete nun gemeinsam mit seinem israelischen Klavierpartner Ammiel Bu­shakevitz den letzten Liederabend der Saison in der Oper Frankfurt.

          Dabei spannte er klug den Bogen von der Todesahnung, die in romantischen Kunstliedern wie dem „Soldat“ op. 40/3 von Robert Schumann oder in Franz Schuberts „Nachtstück“ D 672 zum Ausdruck kommt, zu Musik, die tatsächlich im Angesicht des Todes entstanden ist. Der 1944 in Auschwitz ermordete Komponist Pavel Haas schrieb seine „Vier Lieder nach Worten chinesischer Poesie“ noch in Theresienstadt, wo auch die besonders ergreifende erste von zwei Zugaben Krimmels entstanden war, Ilse Webers „Ich wandre durch Theresienstadt“.

          Schon Schumanns fünf Lieder op. 40 gestaltete Krimmel mit einer gleichermaßen beweglich und natürlich wirkenden Vokalführung, die jede Stimmung, jede Farbe und jede Geste lebendig werden ließ, ohne sie je durch Überinterpretation zu verdoppeln. Gerade deshalb vermittelten sich Bilder wie jenes von der Einsamkeit des Harfenspielers in einer Auswahl von Goethe-Vertonungen Hugo Wolfs mit lockerer Kopfstimme umso zwingender, auch wenn der Sänger ganz punktuell, dann aber umso eindringlicher Kraft und Nachdruck bündelte.

          Etwas neutraler wirkte die zugleich atmosphärisch unentschiedenere Auswahl von fünf der „Rumänischen Lieder“ des in Wien lebenden Brahms-Freundes Eusebius Mandy­czewski, deren reizvolle Mischung aus folkloristischem Tonfall und Brahms-Nähe der Bariton ebenso gut einfing wie sein Klavierpartner Ammiel Bu­shakevitz. Der in Jerusalem geborene Pianist trug bis hin zur unnachgiebigen Motorik der zweiten Zugabe, Carl Loewes „Die Uhr“, auf musikalischer Augenhöhe mit dem Solisten zur Dichte und Größe dieses Liederabends bei.

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