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Komödie Frankfurt : Chaos an der Heimatfront

Menschen im Hotel: Im Zimmer herrscht Chaos. Bild: Helmut Seuffert

Am Benefizabend geht es drunter und drüber: Die Frankfurter „Komödie“ zeigt Michael McKeevers Screwball-Spaß „Der süßeste Wahnsinn“.

          2 Min.

          Reporter leben gefährlich. Sie können sich Beulen einfangen oder Zähne verlieren, in Schränke gesperrt werden oder ein unfreiwilliges Bad im Pool eines Nobelhotels nehmen. So jedenfalls ergeht es der Klatschreporterin Dora del Rio im „Palm Beach Royal“, wo die „Palm Beach Ladies für die Einheit“ einen Benefizabend für die Navy veranstalten. Anno 1942. Die Männer sind an den Fronten in Übersee, die Damen spielen verrückt an der Heimatfront in Florida. Dort wurden versehentlich die beiden Sängerinnen Claudia McFadden und Athena Sinclair in derselben Suite einquartiert. Hoteldirektor Dunlap merkt es zu spät: Ein Zickenkrieg mit blutigem Ausgang ist programmiert. Als die Matrosen der Navy bei einem kleinen „Manöver“ die Lobby anzünden und aus dem vierten Stock in den Pool springen, reißen ihm fast die Nerven. Den ultimativen Kick aber geben ihm die „langstieligen weißen Rosen“, die McFadden liebt und Sinclair hasst.

          Claudia Schülke

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Rosen fügen sich wunderbar in die edle Suite aus weißen und auberginefarbenen Wänden, die Bühnenbildner Tom Grasshof mit Geschmack eingerichtet hat. Überhaupt ist alles stimmig in dieser Inszenierung von Pia Hänggi in der Frankfurter „Komödie“. Nur der Titel passt nicht: Aus „Suite Surrender“, einer hinreißenden Komödie des Bühnen-Multitalents Michael McKeever aus Florida, wurde in der deutschen Übersetzung „Der süßeste Wahnsinn“. Passender wäre „God Bless America“ oder in heutiger Zeit sogar: God Save America. Der depperte Titel stört den vergnüglichen Abend aber nicht. Vom Bühnenbild über die hinreißenden Kostüme von Heike Korn bis zum brillanten Zusammenspiel des Neun-Personen-Ensembles stimmte alles. Die Schauspieler meisterten ihre furiosen Dialoge ohne einen einzigen Hänger, die beiden Protagonistinnen steigerten sich auch stimmlich und tänzerisch.

          Herrische Diven und naive Vorkämpferinnen

          Die eigentlichen Protagonisten aber waren Christopher Krieg als Hoteldirektor Dunlap und Ulla Wagener als Chansonniere Claudia McFadden. Gemeinsam kassierten sie auch den größten Schlussapplaus mit Ovationen im Stehen. Krieg, eine der Säulen, auf die Theaterdirektor Claus Helmer stets bauen kann, behielt auch als Nervenbündel die Kontrolle über das Chaos in seinem Luxushotel und über diverse Koffer, die er mit seinen Pagen (Francis: Steffen Wilhelm; Otis: Serjoscha Ritz) im Arm elegant wie ein betrunkener Storch überschritt. Extraapplaus war den dreien gewiss. Ulla Wagener faszinierte als herrisch bis aggressive Diva, die ihren Sekretär schlimmer behandelt als ihren Stoffpudel, und singen kann sie auch. Wolff von Lindenau als Mr. Pippet könnte auch als Butler einem Roman von Charles Dickens entsprungen sein, trüge er nicht ein buntes Floridahemd mit Anspielungen jenseits viktorianischer Artigkeit.

          Als zweite Diva trug Beatrice Masala vor allem ein rotes Futteralkleid an einem makellosen, gertenschlanken Körper zur Schau. Ihre Athena Sinclair, die sonst nur mit Hollywoodgrößen verkehrt, kann aber auch singen. Noch lieber umgarnte sie alle jenseits des Stimmbruchs. Solche Allüren waren Mrs. Osgood fremd: Die naive Vorkämpferin der „Palm Beach Ladies“ brachte zwar alles durcheinander, aber Michaela Klarwein verlieh ihr den Charme einer heimlichen Queen in ihrem glockigen Kleid mit englischem Rosendesign unter rotem Federhütchen. Immer wieder staunte man diesmal über Ausstattung und Kostüme. Nur Ines Arndt trug als Sekretärin von Sinclair ein bescheidenes Kleidchen. Dafür gehörten ihr aber das Herz und die roten Rosen des Pagen Francis. Wie man als aufdringliche Reporterin auf einen Fake reinfallen kann, bewies Arzu Ermen als Dora del Rio.

          Aufführungstermine

          Weitere Aufführungen in der Frankfurter Komödie bis einschließlich 2. Februar 2020, jeweils dienstags bis samstags von 20 Uhr an, sonntags von 18 Uhr an. Am 26. Dezember beginnnen die Vorstellungen um 16 beziehungsweise um 20 Uhr, am 31. Dezember um 18.30 und um 22.30 Uhr. Keine Vorstellungen gibt es am 24. Dezember und am 1. Januar.

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