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Verlängerung des Lockdowns : Vernunftkultur

Großer Auftritt vor leeren Reihen: Angesichts des anhaltenden Lockdowns müssen alle Kulturbetriebe geschlossen bleiben. Bild: ©2020 Martin Walz

Fast nostalgisch lässt es sich auf den Kulturbetrieb unter Hygieneauflagen blicken, jetzt, wo alles geschlossen hat. Doch die oft gescholtene subventionierte Kultur erweist sich in der anhaltenden Krise als recht widerstandsfähig.

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          Wer hätte es für möglich gehalten, dass man sich einmal nach Theatervorstellungen unter strengen Hygienebedingungen sehnt. Aber jetzt, da gar nichts mehr geht, hat die Erinnerung an nachbarlose Sitze, Miniaturbesetzungen auf der Bühne, minimale Theaterstimmung schon etwas Nostalgisches. Das bisschen real existierende Kultur wärmte das Herz und nährte das Hirn. Wie auch der Blick auf Originalwerke in den Museen. Dass Musik aus Computerlautsprechern nicht so ganz das ist, was in einem Konzerthaus erklingt, steht sowieso außer Frage.

          Die Grenzen der unendliche Kommunikationsweiten erschließenden digitalen Medien sind in den vergangenen Monaten all jenen bewusst geworden, die Kulturereignisse nicht nur vom Hörensagen kennen. Doch das Jammern der Kulturleute hält sich sehr im Rahmen. In einer Reihe mit Querdenkern zu stehen, das möchte ohnehin kein Museumsleiter, kein Intendant, und unter Musikern, Schauspielern, Sängern sind die Verfechter von Lockerungsübungen eine rare Spezies.

          Gewiss hängt die Haltung zu den Vorschriften davon ab, ob es um staatlich geförderte Kultur geht oder um Veranstalter, die ein wirtschaftliches Risiko tragen, ob jemand fest in einem Ensemble angestellt oder als freier Akteur auf Engagements angewiesen ist. In dieser anhaltenden Krise erweist sich die oft gescholtene subventionierte Kultur, um die uns anderswo viele beneiden, als recht widerstandsfähig. Sie wird einigermaßen unbeschadet diese Krise überstehen. Theater, Konzerthäuser, Museen passen sich der Situation an. Da sie die Kollegen weltweit trifft, ist etwa das Verständnis von Leihgebern für verschobene Ausstellungen groß.

          Verletzend und ignorant ist es allerdings, wenn die Politik Kultureinrichtungen mit Bordellen und Spielhallen in einem Atemzug nennt. An der Begrifflichkeit wird gerade gearbeitet: Theater und Museen sind Bildungseinrichtungen und dürfen trotz ihres Unterhaltungswerts nicht als Orte des Freizeit-Amüsements gesehen werden. Als nach den Frühjahrs-Schließungen die Institutionen wieder öffnen konnten, haben sie auf vorbildliche Weise Hygienekonzepte entwickelt. Nun verhalten sie sich beispielhaft, was das Verständnis für die Corona-Beschlüsse von Bund und Land angeht. Insofern erweisen sie sich derzeit im Sinn ihres historischen Ursprungs: als Hüter der Aufklärung. Die Vernunft gebietet es mitunter, Verzicht zu üben.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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