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: Kinoliebe abseits vom Mainstream: Das Filmtheater Valentin in Höchst wird zehn Jahre alt

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          2 Min.

          "Was nützt die Liebe in Gedanken" steht handgeschrieben auf dem Poster im Foyer. "Das Filmplakat ist erst heute, am letzten Spieltag gekommen", erklärt Werner Rosmaity. Doch so wie es in den vergangenen Tagen hing, könnte der Titel von Achim von Borries' Film beinahe als handgeschriebenes Motto für das Filmtheater Valentin in Höchst gelten: Aus einem Gedanken wurde vor zehn Jahren ein Programmkino, getragen von der Medienwerkstatt Frankfurt. Der Verein, der medienpädagogische Arbeit für Kinder und Jugendliche anbietet, wollte der Filmkunst ein Forum bieten und arbeitet seither mit einigem Idealismus und vielen treuen Helfern daran.

          Auf dem Gelände der McNair-Kaserne gab es seit 1953 ein Kino, das 350 Besuchern Platz bot. Als das von den Amerikanern verlassene Gelände vom Bundesvermögensamt übernommen worden war und der Verein Lobby für Wohnsitzlose und Arme unter anderem das ehemalige Kino gemietet hatte, schlug die Stunde der Medienwerkstatt: Mit rund 350000 Mark aus Filmförderungsmitteln und eigenem Kapital sanierte sie das Gebäude, modernisierte Technik und Bestuhlung und eröffnete am 15.April 1994 das Filmthetaer Valentin, das heute 240 Plätze hat. Für die von der Stadt Frankfurt geförderte Medienwerkstatt ist das Valentin ein "Zweckbetrieb", wie Geschäftsführer Rosmaity sagt - allerdings einer, der sich keiner Illusion darüber hingibt, mit dem Kino Gewinn zu machen.

          Viel zuwenige Programmkinos gebe es in Frankfurt, davon ist Rosmaity auch heute noch überzeugt. Deshalb setzte die Medienwerkstatt auch in der damaligen "unruhigen Phase in der Kinolandschaft", als die Multiplexe begannen, sich auszubreiten, auf ein ausgewähltes Programm, mit Angeboten auch für Kinder und Senioren, das stets auf Publikumswünsche eingeht. Das Beharren hat sich bewährt. Heute belegten Zahlen der Filmförderungsanstalt, so Rosmaity, daß Programmkinos dem Zuschauerschwund trotzten. In das Valentin kommen 25 bis 30000 Zuschauer im Jahr, 2003 konnte die Zahl um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden, wozu sicher auch das in diesem Jahr zum sechsten Mal stattfindende Open-Air-Programm im Höchster Silobad beiträgt. "Die Leute haben nach dieser ganzen Mainstream-Welle wieder Lust auf differenziertes Kino", glaubt Rosmaity. Gerade Kinofreunde, die älter als 40 Jahre seien, schätzten auch Angebote wie Diskussionen nach dem Film.

          Trotz seiner Beliebtheit war das Valentin immer wieder von der Schließung bedroht - zunächst war seine Existenz nur für maximal vier Jahre gesichert. Als die Konversions-Entwicklungs-Gesellschaft (KEG) das Kasernengelände übernahm und neu strukturieren wollte, war das Kino im Bauplan gar nicht mehr vorgesehen. Heute, so Rosmaity, schlängele sich die neue Straße um die Insel herum, auf der das Valentin "trotzig" stehe. Im Sommer 2000 jedoch sah es so aus, als sei , nach langen Verhandlungen, kein Weiterbetrieb nach 2004 mehr möglich. Das Valentin schloß - vorläufig. 3500 Unterschriften wurden damals gesammelt: Das Kino ist nicht nur in Frankfurt selbst, sondern bis nach Wiesbaden und Rüsselsheim beliebt. Man öffnete wieder - die richtige Entscheidung. Mittlerweile nämlich, so Rosmaity, stehe eine Vertragsverlängerung mit der KEG bevor: Fünf Jahre mit der Option auf Verlängerung zu einem moderaten Mietpreis stehen in Aussicht. Ein Grund zu feiern: Das Jubiläum begeht das Valentin am 8.Mai. Dann wird der Eröffnungsfilm von 1994, Billy Wilders "Eins, zwei, drei", noch einmal gezeigt. Danach wird gefeiert wie damals - mit allen, die dabeisein wollen. Vor zehn Jahren waren das 1000 Gäste. EVA-MARIA MAGEL

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