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Kinofilm : Die gute Deutsche

„Sie besteht darauf, eine gute Deutsche zu sein“

Die Scholls nennt Beate Klarsfeld als Vorbilder – so kamen sich die Frauen, die sich im Film duzen, rasch näher. Der „Nazi-Jägerin“ Klarsfeld geht es bis heute um die Erinnerung an den Holocaust, zumal an die deportierten Kinder, denen sie und ihr Mann, der Jurist Serge Klarsfeld, ein vielbändiges „Memorial“ mit Fotos, Namen und Adressen gewidmet hat. Es geht ihr um Entschädigung der Opfer und Bestrafung der Täter. Filmausschnitte zeigen, wie die Klarsfelds Klaus Barbie, den „Schlächter von Lyon“, enttarnten, der 1987 verurteilt wurde, zeigen Serge und seinen Sohn Arno 2001 vor Gericht, als Alois Brunner, Eichmanns Stellvertreter, in Abwesenheit verurteilt wurde.

Der Skandal, die Berichterstattung der Medien sei essentiell gewesen, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen, sagt Klarsfeld im Gespräch mit Klar. So ist es, im Grunde, bis heute geblieben. Schon lange vor der Ohrfeige hatte sie mit ihrem Mann Dokumente über Kiesinger gesammelt, auch in der DDR, sie hatte sich der Unterstützung des Bonner SDS versichert, war bei Sit-ins in der Berliner Universität aufgetreten und hatte dort angekündigt: „Ich werde Kiesinger ohrfeigen.“ Elegant, adrett gekleidet, gelassen lächelnd, das entspricht nicht gerade dem Klischee der Achtundsechziger. Wenn Klarsfeld besonders empört ist, zieht sie im Gespräch einen Schlussstrich, mit einem knappen „Bon“. „Sie wirkt französisch, aber sie besteht darauf, eine gute Deutsche zu sein“, kommentiert Klar.

Eine „gute Deutsche“, den Begriff verwendet ihr Mann Serge, den sie 1960, sie war Au-pair in Paris, in der Metro kennenlernte, an der Porte de St. Cloud, wo die beiden bis heute wohnen. Serges Vater war in Nizza vor den Augen des Kindes deportiert und in Auschwitz ermordet worden. Aus dieser Ehe eines französischen Juden und einer deutschen Nichtjüdin müssten sie etwas Besonders machen, sagte der Bezirksbürgermeister bei der Trauung – das war auch an einem 7. November, genau fünf Jahre vor der Ohrfeige.

Venedig als zweites Zuhause

Dass sie später mit ihrem Mann versuchte, den für die Deportation französischer Juden verantwortlichen Kurt Lischka zu entführen, dass eine Bombe das Auto der Klarsfeld zerriss, dass sie sich in Polen ankettete und lange Zeit um die Präsentation der Ausstellung über die Todeszüge jüdischer Kinder auch in deutschen Bahnhöfen stritt – viele damals skandalöse und bis heute umstrittene Aktionen reißt der Film an, bisweilen verwendet Klar historische Ausschnitte oder auch eine Sequenz aus dem 2008 gedrehten Spielfilm „La traque“ von Laurent Jaoui, in dem Franka Potente die Klarsfeld verkörpert. Klar begleitet Klarsfeld zu Vorträgen, Ausstellungseröffnungen und vor allem Ehrungen, nach Paris, Berlin, München, Frankfurt und Venedig, zum zweiten Zuhause der Klarsfelds. Sie zeigt keine vollständige politische Geschichte, sondern das persönliche Bild, fast eine Bilanz. „Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich das, was ich heute bin, einmal werden könnte“, sagt Beate Klarsfeld.

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