https://www.faz.net/-gzg-96ncg

Kindertheater : Jedes Theater hat soziale Auswirkungen

Zu Besuch: Yvette Hardie, Präsident des Weltverbandes der Kindertheater wirbt für die Wirkung von Kindertheatern. Bild: Michael Braunschädel

Frankfurt soll ein Kindertheater bekommen? Nur her damit! Die Präsidentin des Weltverbands der Kindertheater, Yvette Hardie, weiß, was Kunst für Kinder und Jugendliche bewirkt.

          4 Min.

          Auf den ersten Blick hat Frankfurt deutlich weniger Probleme als, sagen wir, Südafrika. Es gibt mehr Geld, mehr Infrastruktur, weniger Armut. Bis jetzt erleben wir auch keinen Mangel an Trinkwasser wie die Kapregion dieser Tage. „Aber natürlich haben Sie auch hier eine Menge Schwierigkeiten“, sagt Yvette Hardie, die aus Südafrika kommt und derzeit Deutschland bereist. „Es geht um Migration, um die Flüchtlingsfrage, um die Haltung dazu, um Angst vor Diversität, es geht um Identität, aber zum Beispiel auch um Klimawandel.“

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eine Frage, die viele ältere Kinder umtreibt. Wenn sie benennen, wovor sie Angst haben, sagen zehn oder zwölf Jahre alte Kinder oft: vor Umweltkatastrophen. „Entscheidungen, die global getroffen werden, haben also einen enorme Auswirkung auf das lokale Leben aller. Die Frage ist, wie wir uns neuen Situationen anpassen“, sagt Hardie.

          Theater als Lösung für Zukunftsfragen

          Für sie steht es schon von Berufs wegen außer Frage, dass es die Kinder sind, die unsere Gesellschaft ertüchtigen muss, um Lösungen für diese Zukunftsfragen zu finden. Und dass die Kunst, vor allem das Theater, dabei eine große Rolle spielt. Die 1969 geborene südafrikanische Regisseurin und Theaterpädagogin ist seit 2011 die Weltpräsidentin des Kinder- und Jugendtheaterverbandes Assitej.

          Im vergangenen Jahr hat sie, zum ersten Mal in Afrika, das Welttreffen der Kindertheater in Kapstadt ausgerichtet – mit großem Zuspruch und Erfolg. Nun macht sie Station in Frankfurt, wo das Kinder- und Jugendtheaterzentrum der Bundesrepublik und die deutsche Sektion des von ihr geführten Verbands ihren Sitz haben.

          Hohe Bedeutung der Kunst weltweit

          Vom Kindertheaterfestival Panoptikum in Nürnberg geht es weiter nach Hildesheim, wo Wolfgang Schneider, lange Jahre Vorsitzender der Assitej Deutschland, Kulturwissenschaften lehrt. Dort wird Hardie bei einer internationalen Konferenz zu Teilhabe und kultureller Bildung in Deutschland und in Afrika sprechen. Denn in Afrika haben, so ihre Erfahrung, zahlreiche Länder die Bedeutung der Kunst für die Jugend erkannt. Immer mehr werden Kunst- und Theaterprojekte in Schulen unterstützt, in den Lehrplan aufgenommen und Künstler gefördert, die für und mit jungem Publikum arbeiten. „Jedes Theater, jede Kunst hat soziale Auswirkungen – ob das direkt beabsichtigt ist oder nicht“, sagt Hardie. Ihr geht es in jedem Fall darum, zu wirken.

          Dass die Auswirkungen von Theaterprojekten nachweisbar Wirkung zeigen, kann Hardie auch für ihre eigene Umgebung belegen: „Wir haben in Südafrika 20 Schulen mit und 20 ohne Kunstvermittlung evaluiert. Es gab in den Schulen mit Kunst- und Theaterprojekten in jeder Hinsicht bessere Resultate. Bessere Noten, ja, aber auch motiviertere Lehrer und Schüler, eine verbesserte Kommunikation, weniger Fehlzeiten, ein besseres Konfliktmanagement und mehr Disziplin, es gab also eine ungeheure Menge an Auswirkungen. Manche hatten wir erwartet – aber sehr viele haben auch uns positiv überrascht“, so Hardie.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump hat sich Erdogan gegenüber benommen wie ein hysterischer Liebhaber.

          Trumps Syrien-Politik : Härte und Liebe

          Trump hat eine Feuerpause für Syrien aushandeln lassen und feiert sich nun als Friedensstifter. Doch seine Siegerpose wirkt lächerlich. Erdogan hat von Amerika alles bekommen, was er wollte.

          „Super Saturday“ : Britische Regierung beantragt Brexit-Verschiebung

          Das britische Parlament hat eine Entscheidung über den Brexit-Deal verschoben. Premierminister Boris Johnson kündigt an, er werde „weiterhin alles tun, damit wir am 31. Oktober die EU verlassen.“ Trotzdem muss er Brüssel um einen Aufschub bitten.
          Die „People’s Vote“- Bewegung verlangt eine zweite Volksabstimmung über den Verbleib der Briten in der Europäischen Union.

          Protestmarsch in London : „Wir wurden von Anfang an belogen“

          Zum „Super Saturday“ sind auch Hunderttausende Demonstranten nach London gekommen. Viele fühlen sich belogen, wollen Boris Johnson die Zukunft nicht anvertrauen – sondern selbst ein zweites Mal abstimmen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.