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Musikalischer Reisebericht : Verwunschener Klangzauber in der Alten Oper

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Loreena McKennitt mischt Orientalisches mit Keltischem und verzaubert die Alte Oper mit ihrem verwunschenen Klangzauber. Bild: Carlos Bafile

Die kanadische Sängerin und Weltenbummlerin Loreena McKennitt verzaubert das Publikum mit orientalisch-keltischen Klängen in der Frankfurter Alten Oper. Zusätzlich gib es auch spannende Reiseanekdoten.

          Wenn jemand eine Reise tut, so kann sie was erzählen. Loreena McKennitt, auch mit 62 Lenzen zeitlos jung gebliebene kanadische Sängerin, Komponistin und Multiinstrumentalistin, verreist nicht nur häufig des Berufes wegen, wie sie ausführlich schon zum Auftakt ihres Gastspiels in der ausverkauften Alten Oper zu berichten weiß. Auf monatelangen privaten Trips durch sämtliche Kontinente bis nach China befand sich die rotblonde McKennitt schon. Spürte vor allem den Ursprüngen und Wanderwegen des Keltenvolks nach, aber auch der eigenen Herkunft hinterher. Um 1830 kamen ihre Ahnen von Irland nach Kanada. Auf Holzschiffen, die ob der vielen Toten auf den zahllosen Überfahrten bald nur noch als „Sargschiffe“ bezeichnet wurden. Als Ära einer ellenlangen Iren-Odyssee mit Hungerkatastrophen ging diese Zeit in die Weltgeschichte ein.

          Bei ihren Reisen überschritt Loreena McKennitt nicht nur Landesgrenzen, sondern durchstreifte auch die Jahrhunderte. Stets Einzug in ihre Musik hielten diese Forschungsergebnisse. Sowohl in Form von Texten als auch in ungeheurem Wohlklang. Von beidem führt die von fünf Musikern begleitete McKennitt reichlich im Repertoire. Im Flackerschein von riesigen Kerzenständern zelebriert die ganz in Schwarz gekleidete Künstlerin eine ausführliche Werkschau mit Fokus auf das aktuelle Studioalbum „Lost Souls“. Inspirieren ließ sich McKennitt zu ihrem Songzyklus durch Ronald Wrights Buch „A Short History Of Progress“. Sie könne sich Wrights Fazit, dass unsere Spezies die moralische Richtung verloren habe, weil Profit und Fortschritt stets das Tun bestimmten und wir so etwas wie verlorene Seelen geworden seien, nur anschließen, so McKennitt.

          Zum Teil auf eine lange Entstehungsgeschichte verweisen die Songs von „Lost Souls“, die zurückreicht bis in jene Zeit, bevor 1985 ihr offizielles Debüt „Elemental“ auf dem eigenen Label Quinlan Road erschien. Verkaufte sie doch schon als Heranwachsende selbstproduzierte Musikkassetten von ihren Songs auf dem St. Lawrence Market in Toronto.

          Als McKennitt zuletzt auf Stippvisite in die Alte Oper kam, ließ sie sich lediglich von Caroline Lavelle an Cello, Flöte und mit Gesang sowie Brian Hughes an E- und Akustikgitarren, Oud und Bouzouki assistieren. Lavelle und Hughes bereichern auch dieses Mal das Ensemblespiel. Durch die Hinzunahme von Violinist Hugh Marsh, Robert Brian am Schlagzeug sowie Dudley Philips am E- und Kontrabass erhält der verwunschene Klangzauber aus Celtic Folk, World Beat und New Age aber mehr Fundament. Wieder erweist sich McKennitt als hochmusikalisches Wunderwesen: makellos ihr Sopran, virtuos das Spiel an Harfe, Flügel, E-Piano und Akkordeon.

          Vertonte Dichtkunst und spannende Anekdoten

          Keltisches und Orientalisches ergänzt sich mit Zartem und Robustem. Klassisches mündet in Zeitloses, Opulenz wechselt mit Spartanischem. Selbstverfasstes wie „All Souls Night“ und „Spanish Guitars And Night Plazas“ befindet sich auf Augenhöhe mit den Traditionals „Bonny Portmore“ und „The Bonny Swans“. Mit Leidenschaft vertont McKennitt auch klassische Dichtkunst: „The Lady Of Shalott“ stammt von Alfred Tennyson, „The Ballad Of The Foxhunter“ von W. B. Yeats.

          Immer wieder plaudert McKennitt ausführlich, erzählt Anekdoten: Als sie vor Jahrzehnten am Dubliner Flughafen eintraf, bot ihr ein älterer Herr den angeblichen Totenschädel des irischen Volkshelden Brian Boru zum Kauf an. Einige Jahre später traf sie abermals auf den Typen. In gleichen Worten offerierte er ihr einen kleineren Schädel. Als sie einwand, sie hätte doch Borus Totenschädel schon erworben, antwortete ihr der Fremde: „Das ist Borus Totenkopf als Kind.“ Als Loreena McKennitt am Ende ihres musikalischen Reiseberichts anlangt, geht sie auch noch auf die aktuelle politische Weltlage ein. „Wir leben in ziemlich seltsamen, ja beunruhigenden Zeiten“, befindet sie. Einen Rat an ihr Publikum hält sie auch noch parat: „Wir sollten alle weniger Konsument, sondern mehr Bürger sein.“

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