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Bühnen und Corona : Frankfurter Theater dürfen nicht erweitern

Abgelehnt: Das Konzept der Frankfurter Städtischen Bühnen konnte nicht den Standards entsprechen Bild: dpa

Der Plan der Städtischen Bühnen Frankfurt, mit Maskenpflicht den Mindestabstand zu umgehen, ist gescheitert. Unterdessen hat das Staatstheater Wiesbaden ganz geschlossen.

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          Der Plan, ein sogenanntes Schachbrettmuster in den Frankfurter Bühnen einzurichten, ist gescheitert. „Die Genehmigung des Gesundheitsamtes war nicht mit dem Rechtsamt abgeklärt. Da ist leider ein Fehler unterlaufen. Ich bedauere das sehr“, sagte der Gesundheitsdezernent der Stadt Frankfurt, Stefan Majer (Die Grünen).

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erst am Freitag hatten die Bühnen mitgeteilt, ihr Konzept, künftig mehr Besucher einzulassen, sei vom Gesundheitsamt genehmigt worden. Das Konzept der Bühnen hatte vorgesehen, den Mindestabstand von 1,50 Metern zu unterschreiten, je nur einen Platz nach jeder Seite, vorn und hinten im Schachbrettmuster freizulassen und dafür eine durchgängige Maskenpflicht einzuführen.

          „Glücklicherweise ist das schnell deutlich geworden“

          Der Mindestabstand ist allerdings in der Landesverordnung vorgeschrieben, er kann nach derzeitigem Stand nicht unterschritten werden. Ein außerordentlich hoher Arbeitsdruck des Gesundheitsamtes habe zu einer verspäteten Abstimmung mit dem Rechtsamt geführt, so Majer. Die Ablehnung des Konzepts war den Städtischen Bühnen am Freitag abend mitgeteilt worden.

          „Glücklicherweise ist das schnell deutlich geworden und konnte korrigiert werden“, so Majer. Da der Kartenvorverkauf für Oktober schon mit der reduzierten Platzzahl läuft, wäre eine Aufstockung auf etwa 40 Prozent Auslastung wohl erst im November oder Dezember erfolgt.

          Das Vorhaben war von der Theater- und Veranstaltungsszene ebenso begrüßt worden wie von Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), die sich davon eine Erleichterung für alle Frankfurter Kultureinrichtungen versprochen hatte.

          Spielbetrieb in Wiesbaden eingestellt

          Unterdessen hat das Staatstheater Wiesbaden am Freitag kurzfristig alle Vorstellungen des Wochenendes, eine Musical-Premiere eingeschlossen, abgesagt. Grund sei, so das Theater, dass „das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst die Durchführung der Vorstellungen nach Maßgabe des durch das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Wiesbaden genehmigten Hygienekonzepts für das Hessische Staatstheater Wiesbaden untersagt hat.“

          Nach Auskunft der Theaterleitung sei ein Konzept für die Erweiterung der Kapazitäten auf maximal 500 Personen im Großen und 185 Personen im Kleinen Haus sowie die Wiedereröffnung der kleineren Spielstätten vom Wiesbadener Gesundheitsamt genehmigt worden. Daraufhin seien deutlich mehr Karten verkauft worden. Erst am Freitag sei endgültig die Erhöhung der Kapazitäten durch das Ministerium abgelehnt worden. Weil das Theater so schnell nicht die Kartenkäufe rückabwickeln könne, sei der Spielbetrieb eingestellt worden, am Montag soll ein neuer Plan gemacht werden.

          Der Darstellung der Theaterleitung hat Kunstministerin Angela Dorn (Die Grünen) noch am Freitag vehement widersprochen. Das Ministerium habe nicht die Durchführung von Vorstellungen untersagt. Das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt habe dem Theater keine Sitzordnung genehmigt, die einen geringeren Mindestabstand als die durch die Landesverordnung vorgeschriebenen 1,50 Meter nach allen Seiten zulasse. Dies sei dem Theater in Gesprächen mitgeteilt worden.  „Es ist die ureigene Aufgabe der Leitung eines Staatstheaters, den Spielbetrieb unter Einhaltung aller geltenden Gesetze und Verordnungen zu gewährleisten“, so Dorn. „Die Theaterleitung missachtet mit ihrer Entscheidung ausdrückliche Anweisungen des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, das den Vorgang und seine Konsequenzen zeitnah prüfen wird.“

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