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Kanadisches Ballett in Hessen : Leise rieselt der Schnee

  • -Aktualisiert am

Effektvoll: Das Ballet BC in Crystal Pites „Solo Echo“ Bild: Wendy D

Das kanadische Ballet BC ist am Staatstheater Darmstadt aufgetreten. Obwohl teils kitschig, schaffen die Tänzer es, das Publikum zu begeistern. Dabei spielen sie auch mit Geschlechter-Klischees.

          Im Hintergrund der großen Bühne des Staatstheaters Darmstadt fällt Schnee und versetzt augenblicklich in vorweihnachtliche Stimmung. Davor gleiten lautlos die Tänzerinnen und Tänzer des kanadischen Ballet BC über die Bühne, das nun auf Einladung des Hessischen Staatsballetts einen dreiteiligen Abend dort präsentiert hat. Die 1986 gegründete Kompanie mit Sitz in Vancouver, British Columbia, hat sich nicht nur mit der Pflege eines kanadischen und internationalen Tanzrepertoires einen Namen gemacht, sondern auch mit Uraufführungen von zeitgenössischen Choreographen, darunter William Forsythe und Jacopo Godani.

          Ausholende Bewegungen der Arme, elegante Sprünge und leicht anmutende Hebungen geben schon mit der ersten Choreographie „Solo Echo“ von Crystal Pite die tänzerische Virtuosität vor, die sich durch den ganzen Abend zieht und zu begeistern weiß. Pites Choreographie ist abwechslungsreich, sie kombiniert temporeiche Elemente und Standbilder, Duette und Gruppenszenen auf eine Art und Weise, die Spannung erzeugt. Die Narrative, die sie dabei eröffnet, sind jedoch oft pathetisch und spielen der kitschigen Kombination aus effektvoll beleuchtetem Schneefall und Brahms-Sonaten für Cello und Klavier noch zu.

          Völlig anders zeigt sich der zweite Teil, eine Choreographie der künstlerischen Leiterin des Ballet BC, Emily Molnar, die sie in Zusammenarbeit mit dem Ensemble entwickelt hat. Zu „To This Day“ erklingt ausschließlich Musik von Jimi Hendrix, und trotzdem handelt es sich dabei nicht um ein Porträt der Rocklegende. Ohne aus dem Balletttanz vollständig herauszufallen, lassen sich hier Gesten und Posen von Rockstars genauso wie die der Fans und Konzertbesucher entdecken.

          Ironischer Griff in die Klischeekiste

          Die Bühne ist gefüllt mit Nebel, die sichtbaren Scheinwerfer sind Teil des Bühnenbilds und ähneln der Beleuchtung großer Konzertbühnen, auch wenn sie keine Farben mitbringen. Die stecken dafür in den Kostümen der Tänzer, und manche unisono getanzten Abschnitte erinnern durch diese Popästhetik geradezu an Musikvideos. Zusammen mit einer zeitgenössischer Ballettsprache und gezielten Brüchen im Tanz ist das ein interessanter Kontrast.

          „Petite Cérémonie“ ist der Titel der dritten Choreographie des Abends und ein humorvolles Werk des Franzosen Medhi Walerski. Die 15 Tänzer, wie für einen Ball in Abendgarderobe gekleidet, betreten die Bühne erst nach und nach, reihen sich auf und steigen in eine kleine, gleichförmige Schrittfolge ein. Die geht in eine streng getaktete und präzise ausgeführte Choreographie mit einigen Anleihen bei Showtänzen über, die größtenteils von der ganzen Gruppe unisono getanzt wird.

          Zwischendrin findet man kleine Paarszenen, die sich immer zwischen Mann und Frau abspielen, Männerpaare oder Frauenpaare gibt es nicht. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden in einem komödiantischen Auftritt eines Tänzers auch in Worten verhandelt. Das ist zwar ironisch angelegt, greift aber dennoch tief in die Klischeekiste. Zu Vivaldis „Winter“ aus den „Vier Jahreszeiten“ stapeln die Tänzer schließlich die 15 weißen Kuben des Bühnenbilds zu einer Pyramide und posieren darauf. Das Schlussbild steht mit dem Schlussakkord, und dann gibt es viel Applaus, sogar im Stehen, von einem begeisterten Publikum.

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