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Kammeroper Frankfurt : Mozart in der Ölfabrik

Die Fabrik: Wo einst Industrie-Öle abgefüllt wurden, sollen bald Opernarien erklingen Bild: Wonge Bergmann

Die leerstehenden Werkshallen der Firma Heinz könnten neue Spielstätte der Kammeroper werden. Dafür engagiert sich der ehemalige Präsident der Hochschule für Gestaltung, Frank Mußmann.

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          Eine ehemalige Fabrik – mitten in Sachsenhausen. Die großen Bottiche im Erdgeschoss, bis 1970 gefüllt mit Ölen, sind längst beim Schrotthändler gelandet. Hier wird schon seit langem nicht mehr gearbeitet. Nur der Geruch hängt noch immer in der Luft. Ob Mozart das wohl gefallen hätte? In diesem Gebäude des industriellen Niedergangs soll nämlich bald sein Figaro den Grafen Almaviva austricksen und sein Don Giovanni die Damen verführen. Denn in die Räume an der Ecke Mörfelder Landstraße und Mittlerer Hasenpfad wird die Kammeroper Frankfurt einziehen, die diese Stücke im Repertoire hat. So hat es jedenfalls Frank Mußmann beschlossen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Von Amts wegen ist Mußmann im Ruhestand. Seit zwei Jahren bezieht der frühere Leiter des Frankfurter Kulturamtes und nachmalige Präsident der Hochschule für Gestaltung in Offenbach eine Pension. Doch er kann von der Arbeit nicht lassen. Warum? „Nichts zu tun ist für mich eine grauenvolle Vorstellung“, sagt der Fünfundsechzigjährige. Eigentlich kann man gar nicht von Arbeit sprechen. Denn ist es Arbeit, wenn man genau das macht, was man machen möchte, dazu selbständig handeln kann, auf keine Bürokratie Rücksicht nehmen muss und keinen Konkurrenten im Nacken hat?

          Stiftung wandelt zwei ihrer Häuser in Stätten der Wohltat um

          Die Fabrik mit der im Keller eingebauten, derzeit aber noch leerstehenden Kneipe gehört der Peter-Paul-und-Emy-Wagner-Heinz-Stiftung. Nicht nur das denkmalgeschützte Gebäude mit der herausstechenden Neorenaissance-Fassade, in dem die Familie Heinz seit 1881 technische Öle abfüllen ließ, sondern auch die Remise seitlich davor. Zum kleinen Reich der Stiftung zählen ferner das Herrenhaus am Mittleren Hasenpfad und vier Wohnhäuser auf dem Areal oder am Rande davon. Nicht zu vergessen der Park des Anwesens, in den vergangenen Jahren etwas vernachlässigt zwar, aber ob seiner Größe und seiner stattlichen Bäume noch immer als Juwel zu erkennen. Emy Wagner-Heinz, die Letzte aus dem Stamm und damit die Alleinerbin, hat den gesamten Besitz in eine Stiftung eingebracht, benannt nach ihr und ihrem Mann. Sozialen und künstlerischen Zwecken soll sie nach dem Willen der Stifterin dienen.

          Die Stiftung ist reich und arm zugleich. Reich an Immobilienbesitz, aber arm an Geld. Deshalb schüttet sie keine Millionen für Bedürftige aus, sondern wandelt stattdessen zwei ihrer Häuser in Stätten der Wohltat um: die Fabrik und die Remise. Es ist diese Fabrik gewesen, die Mußmann in ihren Bann geschlagen hat. Schon bei seiner ersten Begehung ist ihm die Idee gekommen, dieses Gebäude könnte für die seit Jahren durch diverse Spielstätten irrende Kammeroper der lang gesuchte Hafen sein.

          Mußmann hat Peter Säuberlich, der damals der kinderlosen Emy Wagner-Heinz zur Gründung der Stiftung geraten hatte und nun das Stiftungskuratorium leitet, seine Idee vorgetragen und den Rechtsanwalt überzeugt. Säuberlich, der Stiftungsvorsteher Matthias Wolf, ebenfalls ein Rechtsanwalt, und Mußmann bilden seither das kreative Trio, das das Projekt „Fabrik“ auf den Weg gebracht hat und vorantreibt. Am vergangenen Wochenende, bei der Vorstellung des Ateliers Goldstein in der Remise, konnten sie mit Helfern und Sponsoren auf den ersten großen Erfolg anstoßen.

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