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Jazz-Bassist und Komponist : Musikalische Ortsbegehungen

  • -Aktualisiert am

Heimisch im Studio und in der hiesigen Musikszene: Der Informatiker, Komponist und Jazz-Bassist Ivan Habernal Bild: Mark Trebron

Verbindet Wissenschaft und Musik: Der Jazz-Bassist und Komponist Ivan Habernal bereichert die Frankfurter Szene. Mit seinem Septett ist er jetzt live zu sehen.

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          Als Komponist glaube er nicht an Eingebungen aus heiterem Himmel. Für Ivan Habernal ist das Schreiben wie ein Muskel, der trainiert werden will. Seit etwa einem Jahr arbeitet Habernal, motiviert durch sein Faible für Béla Bartók, an einer Suite für Jazzband und Streichquartett, „da kannst du nicht auf Eingebungen warten, sondern musst dranbleiben“.

          Angefangen hat für Habernal alles mit dem Klavier. 1983 nahe dem tschechischen Pilsen geboren, durchlief er von seinem fünften Lebensjahr an die klassische Pianoschule – ohne großen Enthusiasmus. Mit zwölf lernte er den Jazz kennen und freute sich über die Möglichkeiten zur Improvisation und persönlichen, freien Aussage. Dann wechselte Habernal das Instrument, „weil der Bass cooler war und besser, um in Bands zu spielen.“ Nach dem Schulabschluss konnte er sich als E-Bassist mehrerer Gruppen in der Pilsener Szene gut etablieren.

          Studiert hat Ivan Habernal zunächst Informatik, vor allem Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz. Einem Master folgte die Promotion, nebenbei bewarb er sich am Konservatorium für Jazz und populäre Musik in Prag, wo er zunächst abgelehnt, ein Jahr später angenommen wurde. „Das Studium entsprach nicht ganz meinen Erwartungen“, sagt Habernal, „vielleicht auch, weil ich damals schon Mitte zwanzig war.“ Also absolvierte er eine Prüfung für das Berklee College of Music in Boston, erhielt ein Stipendium – und schlug es aus. „Trotz Stipendium wären die verbleibenden Kosten inklusive Lebenshaltung noch ziemlich hoch gewesen. So entschied ich mich, lieber Privatunterricht bei einigen Bassisten in New York zu nehmen.“

          Vielseitige Inspiration

          Zu seinen Inspirationsquellen zählt Habernal vor allem John Patitucci. Der gebürtige New Yorker wird für seine Präzision auf dem akustischen wie elektrischen Bass weithin gelobt. „Mich beeindruckt aber vor allem, wie er denkt und wie vielseitig er komponiert, für Jazzbands oder Kammerorchester“, sagt Habernal. Als weitere Impulsgeber nennt er den Trompeter Chris Potter, „weil er immer Neues ausprobiert“, und Saxophonist Miguel Zenón, der traditionelle südamerikanische Stilistik und zeitgenössischen Jazz zusammenbringe. Aus Begeisterung für Zenón hatte Habernal auch bei dessen damaligem Bassisten Hans Glawischnig, der seit 2018 zur HR-Bigband gehört, Unterricht genommen. Seinerzeit sei in der New Yorker Jazzszene überwiegend Kontrabass gespielt worden, zu dem er bis dahin „keine Beziehung“ hatte, erinnert sich Habernal. Bis heute zupft er neben dem akustischen gerne einen fünfsaitigen bundlosen oder einen sechssaitigen E-Bass.

          2013 kam Ivan Habernal nach Frankfurt, bis heute forscht der Informatiker an der Technischen Universität Darmstadt. Parallel zu dieser Arbeit gründete er 2014 sein Quartett. Zu ihm gehören bis heute der ebenso viel beschäftigte wie energiegeladene Martin Standke am Schlagzeug und der klassisch geschulte Andrey Shabashev am Klavier. Mehrfach wechselte der Saxophonist, mittlerweile hat Peter Klohmann den Posten inne und eigens dafür sein Altsaxophon mal wieder aus dem Koffer geholt. Gerade war die Band im Studio und hat neun Titel eingespielt, die noch dieses Jahr auf CD erscheinen könnten. Zumal Habernal auf eine aufwendige Nachproduktion, geschweige denn zusätzliche Overdubs verzichten möchte, zugunsten eines „direkten, knackigen und natürlichen Sounds“.

          Von Haus aus musikalisch erzogen

          Sein Vater habe Country, Folk und Bluegrass gespielt, daher sei ihm selbst eine gewisse melodische und songhafte Orientierung bis heute geblieben, sagt Habernal. Seine oft groovenden Stücke sind häufig von Orten und Ereignissen inspiriert. Beispielsweise „Letters From NYC“, das in sprunghafter Rhythmik und schnellen knappen Phrasen etwas von der Geschäftigkeit der Metropole suggeriert. Für „Black Sheep“ lieh sich Habernal eine Linie aus einem tschechischen Volkslied, trotzdem trägt das Stück auch unverkennbare Latin-Jazz-Züge. „The View“ bezieht sich auf den Blick von Habernals aktuellem Zuhause in Offenbach unweit der Stadtgrenze: „Im Winter sehe ich die Frankfurter Skyline, ab Frühjahr fast nur noch Grün.“

          Er habe eine klare Vorstellung davon, was seine Stücke vermitteln sollten, sagt der Bandleader, entsprechend weitgehend notiere er sie aus, auch für das Quartett. Und obwohl das 2017 entstandene Septett nur sehr sporadisch auftritt, hat Habernal einige Titel speziell für diese Formation mit Klavier, Bass und Schlagzeug, Tenor- und Altsaxophon, Trompete und Posaune geschrieben – morgen sind sie zu hören.

          Am Freitag tritt Ivan Habernal mit seinem Septett um 20 Uhr im Frankfurter Club Voltaire auf. Am 19. April gastiert sein Quartett im Rüsselsheimer „Das Rind“, am 15. Mai im Nebbienschen Gartenhaus in Frankfurt.

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