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Januarlesungen : Vom Leben und Verschwinden

Liest im Frankfurter Literaturhaus: Wilhelm Genazino Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Winterzeit, Lesezeit. Wenn es draußen schon am Nachmittag dunkel wird, kann man es sich drinnen mit einem guten Buch gemütlich machen. Anstöße geben die Lesungen im Januar mit Wilhelm Genazino, Finn-Ole Heinrich und Christoph Hein.

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          Beruflich immerhin hat der Ich-Erzähler in Wilhelm Genazinos neuem Roman „Mittelmäßiges Heimweh“ einiges Glück: Dieter Rotmund wird zur eigenen Verblüffung zum Finanzdirektor ernannt. Und so muß er auch nicht mehr schwarz mit der Bahn nach Frankfurt zur Arbeit fahren, nachdem er an den Wochenenden Frau und Tochter im Schwarzwald besucht hat. Ansonsten freilich ändert sich wenig für den 43 Jahre alten Betriebswirt. Überall droht Verlust, denn „das Leben ist auf das Verschwinden hin angelegt“.

          Katharina Deschka

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Daher wundert sich Rotmund nicht allzusehr, als er eines Tages in einer Kneipe ein Ohr auf dem Boden liegen sieht und feststellt: es ist sein eigenes. Mit grotesker Überzeichnung, Ironie und dem ihm eigenen detailgenauen Blick für die „Gesamtmerkwürdigkeit allen Lebens“ beschreibt Genazino, wie sein Held sich mit der ihn so beunruhigenden Mittelmäßigkeit seiner Gefühle auseinandersetzt. Die erste Lesung aus dem neuen Roman hat der Schriftsteller, der vor zwei Jahren mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet worden ist, für die Stadt vorgesehen, in der er seit vielen Jahren lebt und arbeitet. Im Frankfurter Literaturhaus stellt er sein Buch am Montag, 29. Januar, um 20 Uhr vor.

          Ebenfalls im Literaturhaus beginnt am Dienstag, 16. Januar, um 20 Uhr mit der Vorstellung des Briefwechsels zwischen Hilde Domin und ihrem Mann Erwin Walter Palm eine vielversprechende Reihe. „Neue Funde“ und „verborgene Schätze“ aus ihren Magazinen präsentieren fortan Jan Bürger und Frank Druffner vom Deutschen Literaturarchiv Marbach. Sie beginnen mit den Liebesbriefen Domins und ihres Mannes aus der Anfangszeit ihres Exils, die jetzt nach dem Tod der Dichterin im Februar 2006 in ihrer Heidelberger Wohnung gefunden worden sind. Einige von ihnen werden auch zu sehen sein.

          Nur eine einzige Veranstaltung steht beim Hessischen Literaturforum im Januar auf dem Programm - doch ist sie verdienstvollerweise dem literarischen Nachwuchs gewidmet. In der Reihe „Wir müssen bis morgen reichen. Junge Autoren in jungen Verlagen“ liest am Donnerstag, 25. Januar, um 20 Uhr im Mousonturm Finn-Ole Heinrich aus seinem Erzählband „die taschen voll wasser“. Der 1982 in Cuxhaven geborene und bereits mit einigen Preisen bedachte Autor ist auch ein sehr aktiver Poetry Slammer und also Publikum gewöhnt.

          Genau wie der Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel und der Schriftsteller Christoph Hein, die gemeinsam am Donnerstag, 11. Januar, um 20.30 Uhr die Bühne der Frankfurter Romanfabrik betreten werden. Beide haben in der ehemaligen DDR „zu kämpfen gelernt“: Zusammen mit Steffen Mensching attackierte Wenzel das System, während Heins erster Roman „Horns Ende“ in den Achtzigern - als einziger überhaupt - ohne Genehmigung veröffentlicht wurde. Beide sind außerdem seit vielen Jahren befreundet. Jetzt stellen sie erstmals ihre Lieder vor: Hein schrieb die Texte, und Wenzel hat sie vertont.

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