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„Jahr des Wassers“ in Wiesbaden : Was der Bach uns flüstert

Nixen, Nymphen, Meeresgötter: Ausstellungsansicht „Wasser im Jugendstil“ Bild: Museum Wiesbaden/Bernd Fickert

Zum „Jahr des Wassers“ in Wiesbaden kann man sich auf vielerlei Weise mit dem Element beschäftigen: Im Museum mit Wasser im Jugendstil, auf Schloss Freudenberg wird man selbst nass.

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          Während auf dem künstlich angelegten Hügel einer pumpt, folgen die anderen dem Wasser den Hang hinab. „Nicht zu viel pumpen“, rät unser Führer Najel Graf, „damit wir das Wasser besser sehen.“ Langsam fließt es jetzt, und wir folgen dem Rinnsal mit gebeugten Köpfen. Die Kinder gehen in die Hocke, manche kriechen auf allen vieren, sie möchten ganz dicht dabei bleiben. Ein Junge fährt mit dem Finger über die feuchten Steine. Mit ihm beobachten wir, wie sich das Wasser seinen Weg bahnt, wie es Hindernissen ausweicht und sie umfließt und sich danach wieder sammelt zu neuer Kraft.

          Katharina Deschka
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zum Wiesbadener „Jahr des Wassers“ bietet das Schloss Freudenberg Führungen durch sein „Wasserwerk“. Die neue Anlage, die an der Ostseite des Schlossgebäudes beginnt, zieht sich weit in den Park hinein. Sie lässt an verschiedenen Stationen ihre Besucher spielerisch Erkenntnisse über das Element gewinnen. Wir passieren auf unserem Weg eine Sandbank, mit Händen kann man hier nach Herzenslust Wasser umlenken, stauen und vermanschen. Die heilsame, reinigende und beglückende Wirkung des Wassers haben viele der rund 120 Veranstaltungen im Wiesbadener Wasserjahr zum Thema.

          Vorträge, Führungen, Diskussionen, Ausstellungen, Lesungen im Literaturhaus und auf der Fähre Tamara, Lektürekurse der Volkshochschule in Altgriechisch und Latein zum Wasser in der Antike, die Performances „Baden für Wiesbaden!“, ein Theaterstück und eine Oper für Kinder am Staatstheater Wiesbaden beschäftigen sich mit dem kühlen Nass und stellen Wiesbaden als eine Stadt vor, die sich zum „Jahr des Wassers“ auf ihre Tradition als Kurbad, auf ihre Thermalquellen und Bäche und die Nähe zu den großen Wasserstraßen Rhein und Main besinnt.

          Eine Stadt am Wasser

          In einer naturhistorischen Ausstellung „Vom Wert des Wassers – Alles im Fluss?“ erinnert das Museum Wiesbaden daran, wie nah die Stadt schon immer am Wasser gebaut war: Ein Modell der Innenstadt zeigt, dass aus 27 Thermalquellen hier das Nass sprudelt und dass 55 Bäche aus dem Taunus Richtung Wiesbaden fließen. Ein Diorama holt außerdem ein Stück Rheinufer in das Ausstellungsgebäude, mit Tieren und Pflanzen und einem Boot, das man gerne besteigen würde, um sich vom Fluss forttragen zu lassen.

          Noch besser aber ist es, sich in die Kunstsammlung zu begeben, wo eine andere Ausstellung dem „Wasser im Jugendstil“ gewidmet ist. Man kann auf dem Weg dorthin in der Wandelhalle Wasser plätschern hören, das aus dem Brunnen der Apsis sprudelt. Und man kann, wenn man die Ohren spitzt, aus dem Vortragssaal dem Werk „La Mer“ von Claude Debussy in der Interpretation von Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchestra lauschen.

          Derart von der Musik getragen, lassen sich die Wasser- und Unterwasserwelten des Jugendstils entdecken. Und was Maler und Bildhauer vor mehr als hundert Jahren in dem Naturelement zu sehen vermochten. Weit gespannt ist der Imaginationsraum, und Wasser erscheint mal als Lebensquell, mal als schreckensvolle Kraft. Vom Wasser als „Heilsbringer und Todesschlund“ spricht daher die Schau im Untertitel. An mehr als 200 Exponaten ist zu sehen, wie unterschiedlich Künstler das Element interpretierten.

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