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J. M. Kränzle in Wiesbaden : Mutationen für Streicher

  • -Aktualisiert am

Im Ensemble der Alten Oper wurde J. M. Kränzle bekannt, als Komponist feierte er nun mit seinem Werk die Uraufführung durch das Hessische Staatsorchester.

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          Fast 20 Jahre lang, bis 2016, war der Bariton Johannes Martin Kränzle Ensemblemitglied der Oper Frankfurt. Als ausdrucksstarken Bühnendarsteller, aber auch als feinfühligen Liedinterpreten haben viele Besucher des Hauses den 1962 geborenen Sänger seither kennengelernt. Weniger bekannt dürfte sein, dass Kränzle sich seit der Schulzeit in seiner Geburtsstadt Augsburg dem Komponieren zuwendet. Sein jüngstes Werk, eine gut 40 Minuten dauernde Variationenfolge für Streichorchester, kam im Rahmen eines Sinfoniekonzerts des Hessischen Staatsorchesters Wiesbaden zur Uraufführung: „Mutationes. Memento Coronae“ nimmt bis zu den griechischen Bezeichnungen der Abschnitte, etwa „Variatio Delta“, Bezug auf die Pandemie. Was auf den ersten Blick ein heikles Bemühen um eine zweifelhaft originelle Wirkung vermuten lassen könnte, entpuppte sich beim Hören im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses als formstrenge Reflexion, in der Kränzles zugrunde liegendes musikalisches Thema Veränderungen in Richtung Meditation, Auflösung, aber auch Anmut und Hoffnung erfuhr.

          Die Sorgfalt, mit der die Streicher des Hessischen Staatsorchesters und der 1988 in Tel Aviv geborene Gastdirigent Yoel Gamzou die Uraufführung einstudiert hatten, verdiente umso mehr Anerkennung, als auch das weitere Programm des Sinfoniekonzerts hoch ambitioniert war. Kränzle selbst war zuvor als Interpret in Gustav Mahlers „Kindertotenliedern“ zu erleben und vermied in seiner Interpretation, ähnlich wie als Komponist in seiner anschließend gespielten Variationenfolge, jegliche plakative Emotionalität. Die Vertonungen von fünf Gedichten Friedrich Rückerts gewannen gerade durch die tief ernste, in sich ruhende Deklamation Kränzles erschütternde Wirkung, einzelnen stockenden Falsetthöhen des Baritons zum Trotz.

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