https://www.faz.net/-gzg-t3f9

Interview : „Kein Künstler ist für uns unerreichbar“

  • Aktualisiert am

Ein Haus für alle, aber nicht für jeden: Die Alte Oper Frankfurt Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Die Alte Oper Frankfurt feiert Jubiläum. Vor 25 Jahren wurde das Haus nach den Zerstörungen des Krieges wieder eröffnet. Intendant Hocks über den Anspruch der Alten Oper.

          4 Min.

          Intendant Hocks über den Anspruch der Alten Oper.

          Spielt die Alte Oper in der Weltliga?

          Weltliga ist ein Begriff, den ich nicht verwenden würde. Aber die Alte Oper gehört gewiß international zu den großen Konzerthäusern.

          Will hohe Kultur zu moderaten Preisen bieten: Michael Hocks

          Wo steht sie im deutschen Vergleich?

          In Deutschland gibt es durchaus weitere renommierte Konzerthäuser: die Philharmonien in Köln oder in Berlin etwa. Aber ich schaue eher über die Grenzen hinaus: das Concertgebouw Amsterdam, der Musikverein und das Konzerthaus Wien. Nicht zuletzt mit solchen Häusern vergleichen wir uns.

          Gibt es Orchester und Künstler, die für die Alte Oper unerreichbar sind?

          Von Horowitz angefangen, bis zu Karajan, alle, die im musikalischen Leben speziell in der Klassik zu den Großen zählten, haben hier gastiert. Und das hat sich nicht geändert. Ich wüßte keinen unter den lebenden Künstlern, der für uns nicht erreichbar wäre.

          Es heißt, viele kämen ausgesprochen gerne hierher.

          Ja, die meisten unserer Künstler lieben die Alte Oper, vor allem ihrer herrlichen Akustik wegen. Kurt Masur geht es da genauso wie Christoph Eschenbach, Pierre Boulez oder Sir Simon Rattle.

          Als die Alte Oper vor 25 Jahren gegründet wurde, haben die Verantwortlichen „ein Haus für alle“ versprochen. Ist es doch nur ein Haus für die Reichen und Kunst-Konservativen geworden?

          Keinesfalls. Das Postulat ein Haus für alle ist verwirklicht worden. Die Besonderheit der Alten Oper besteht darin, daß sie als Konzert- und Kongreßzentrum fungiert. Es finden neben Konzerten hier Bälle, zum Beispiel der Opernball, der Sportpresseball und die Unicef-Gala, statt, auch große gesellschaftliche Ereignisse wie Gründungsfeierlichkeiten der Europäischen Zentralbank.

          Wie steht es mit den jungen Leuten, die kein Interesse an Klassik haben?

          Die kommen auch auf ihre Kosten. Denn das Entertainment war und ist in der Alten Oper stark. Man denke nur an die regelmäßigen En-suite-Veranstaltungen: von Andre Hellers damaligem Erfolg Flic Flac über die Westside-Story oder vor kurzem Dornröschen on Ice, eine Produktion, für die wir eigens eine Eisfläche auf die Bühne gezaubert haben. Solche Veranstaltungen ziehen ein ganz anderes Publikum an als die klassischen Konzerte.

          Sie persönlich gestalten in erster Linie das Klassik-Programm. Nach welchen Kriterien wählen Sie aus?

          Ich habe sehr wohl ein Auge auf die anderen Veranstaltungen. Nichts findet statt, was nicht mit mir besprochen wäre. Die höchste Richtschnur ist für uns immer die Qualität. Wenn wir schon für uns den Anspruch erheben, eines der besten Konzerthäuser zu sein, so müssen wir auch immer höchste Qualität abliefern.

          Viele Veranstalter jammern, das Publikum für klassische Musik bestehe nur noch aus Rentnern und Greisen. Jammern Sie mit?

          Jammern ist nicht meine Art. Außerdem stelle ich fest, daß unser Publikum keineswegs nur aus älteren Herrschaften besteht. Es ist für ein Konzerthaus immer wichtig, für sein Tun ein Publikum zu finden, gleich welchen Alters. Für uns ist das nicht so einfach wie etwa für ein Museum mit seinen relativ bescheidenen Eintrittspreisen. Wenn eine Konzertkarte 50 Euro kostet, findet man naturgemäß seine Besucher zunächst einmal leichter unter jenen, die beruflich und finanziell etabliert sind.

          Aber müssen Sie nicht auch Nachwuchs für Mozart und Mahler gewinnen?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Demonstranten in Lausanne, einige Tage bevor sich die Wirtschafts- und Politikelite in Davos trifft. Nicht nur die Klimapolitik steht im Fokus der Protestler – auch der Kapitalismus.

          „Trust-Barometer“ : Deutsche zweifeln am Kapitalismus

          Nur noch jeder achte Deutsche glaubt, dass er von einer wachsenden Wirtschaft profitiert. Viele blicken pessimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte ist der Meinung, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form mehr schadet als hilft.
          Die Weichen werden gerade neu gestellt, es geht raus aus der Kohleförderung.

          „Soziale Wendepunkte“ : Wenn der Klimaschutz ansteckend wird

          Irgendwann kippt das gesellschaftliche Klima, dann kann es doch noch klappen mit dem Stopp der Erderwärmung. Eine Illusion? Forscher haben sechs „soziale Wendepunkte“ ausgemacht, die allesamt bereits aktiviert sind – und ein Umsteuern einläuten könnten.

          F.A.Z. Podcast für Deutschland : Die neue deutsche Rolle im Libyen-Konflikt

          Kann es wirklich Frieden geben in Libyen? Der politische Herausgeber Berthold Kohler und Nahost-Korrespondent Christoph Ehrhardt sprechen darüber mit Moderator Andreas Krobok. Außerdem: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales über Fakenews und Sportwissenschaftler Professor Daniel Memmert über immer jüngere Fußballstars.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.