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Interview : „Kein Künstler ist für uns unerreichbar“

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Hierfür unternehmen wir mittlerweile gezielte Anstrengungen. Zum Beispiel mit unserem Jugend-Abonnement, das wir zum ersten Mal aufgelegt haben. Außerdem werden wir künftig wahrscheinlich sechs Preisgruppen im Großen Saal haben und damit demokratische Verhältnisse schaffen. Will heißen: Der Eintritt wird auch für junge Leute und wenig Betuchte erschwinglich sein.

Vor Ihrem Amtsantritt gab es in Frankfurt Überlegungen, die Alte Oper zu privatisieren. Wie sähe das Programm aus, wenn ein Unterhaltungskonzern das Sagen hätte?

Das mag ich mir nicht vorstellen. Mittlerweile gibt es allerdings keine einzige ernsthafte Stimme mehr in der Stadt, die einer Privatisierung das Wort redete.

Wie wichtig sind die städtischen Zuschüsse für die Alte Oper?

Die Grundfinanzierung der Alten Oper, und das gilt für jedes Haus dieser Art, muß die öffentliche Hand, in unserem Falle also Frankfurt, tragen. Anders geht es nicht.

Unter Ihren Vorgängern war die Alte Oper finanziell recht opulent ausgestattet. Sie müssen mit viel weniger Zuschüssen auskommen. Warum konnte das Haus dennoch seine Stellung halten?

Die Knappheit der Mittel regt die Phantasie an. Wir mußten erfindungsreich sein, um mit den knappen Mitteln auszukommen. Einfach ist es nicht. Ich hätte es gelegentlich schon ganz gerne, wenn ich von seiten der Stadt so unterstützt würde, daß ich nicht immer wieder leichtes Bangen haben müßte, ob wir uns eine bestimmte Veranstaltung überhaupt leisten können.

Die Stadt ist der Hauptgeldgeber ...

Nein, der Hauptsubventionsgeber. Das ist etwas anderes. Wir müssen - und das schaffen wir auch - von unserem 15-Millionen-Etat zehn Millionen selbst erwirtschaften. Mit 68 Prozent haben wir für ein Konzerthaus eine hohe Eigenfinanzierungsquote.

Vertreter der Stadt sitzen in namhafter Zahl im Aufsichtsrat, die Oberbürgermeisterin ist dessen Vorsitzende. Ist Ihr Haus der Politik ausgeliefert?

Nie habe ich mich und mein Haus ausgeliefert gesehen. Eher unterstützt. Im allgemeinen blickt die Frankfurter Politik wohlwollend auf das, was hier inhaltlich geleistet wird. Natürlich hatte ich der Politik Rede und Antwort zu stehen, als ich vor Jahren aus Finanznot zwei Veranstaltungsreihen streichen mußte. Jetzt plädiere ich dafür, daß die Stadtpolitiker wieder etwas großzügiger darüber nachsinnen, ob nicht eine Anhebung unseres Sockelbetrages von 5,271 Millionen möglich ist.

Sind andere Musikveranstalter wie die Oper Frankfurt oder das Rheingau Musik Festival Konkurrenten?

Die Oper nicht. Sie ist eher ein interessanter Partner, mit dem wir zum Beispiel die Reihe Oper konzertant betreiben. Beim Rheingau-Festival kann man dagegen von einer Art Konkurrenz sprechen. Doch auch hier gibt es Kooperationen. So gastiert das Rheingau Musik Festival zum Beispiel mit den großen amerikanischen Orchestern allein schon aus Kapazitätsgründen gerne in der Alten Oper.

Mittlerweile engagiert sich eine Reihe von Sponsoren für Ihr Haus. Wie sehr hängt das Wohl der Alten Oper von diesen Unternehmen ab?

Die meiste Unterstützung erhalten wir von der Gesellschaft der Freunde der Alten Oper, deren Mitglieder sich als Mäzene verstehen. Darüber hinaus helfen uns einzelne Sponsoren, ohne die es manches Highlight nicht geben würde. Ohne sie würde eine Lücke entstehen, denn einige Veranstaltungen kann ich nur wagen, wenn ein Sponsor bereitsteht.

Ihr Vertrag läuft am 31. Dezember 2008 aus. Manch ein Verantwortlicher sähe es gerne, wenn Sie weitermachten. Denken Sie an den Abschied?

Habe ich das gesagt?

Denken Sie ans Weitermachen?

Das habe ich auch nicht gesagt. Lassen wir die Frage lieber offen.

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