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Gespräche an den Strömen Babels : Wenn drei Religionen gemeinsam singen

  • -Aktualisiert am

Fokussiert bei der Chroprobe Bild: Ilkay Karakurt

Im Interreligiösen Chor Frankfurt singen Christen, Juden, Muslime und konfessionslose Menschen gemeinsam Psalm-Vertonungen. In diesem Jahr feiert das Ensemble sein zehnjähriges Bestehen.

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          Kann man ein „M“ in den Mund nehmen? Klänge durch die Augen senden? Bettina Strübel lässt daran keinen Zweifel. „Zeigt mal, wohin ihr den Klang schickt“, ermuntert die Chorleiterin die vor ihr sitzenden Sängerinnen und Sänger, die auf ihrem „M“ herumkauen. Der nächste Ton geht ins Auge, gefolgt von Ohren und Nase. Dann wird im Stehen in die Hände gehaucht und mit den Füßen getrampelt. Dieses „Energetisieren“, wie Strübel die Klangübungen nennt, mit denen der Interreligiöse Chor Frankfurt gerade seine Zusammenkunft eröffnet, ist nicht der Laune einer wunderlichen Musikerin geschuldet, sondern soll auf den Text des Psalms 115 einstimmen, in dem es um den Gott Israels und die Götzen der Völker geht: „Sie haben Mäuler und reden nicht“, heißt es dort unter anderem, „Augen und sehen nicht, Ohren und hören nicht“.

          „Wir steigen ein, indem wir den Psalm lesen“, schlägt Strübel vor, die in der evangelischen Mirjam-Gemeinde in Offenbach als Kantorin beschäftigt ist. An diesem Abend sind knapp 20 Männer und Frauen, etwa die Hälfte aller Chormitglieder, ins AmkA gekommen, wie das Frankfurter Amt für multikulturelle Angelegenheiten von Eingeweihten genannt wird. Als Einstimmung auf ihr nächstes Projekt wollen sie sich mit jüdischen und christlichen Psalmvertonungen aus früheren Programmen sowie mit Musik aus der muslimischen Welt befassen.

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