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Literaturwettbewerb : Gäste aus der Hauptstadt

Sprachakrobat: Johann Trupp Bild:

Gewonnen haben sie in Berlin, aber sie wohnen, arbeiten und schreiben in Leipzig und im Emsland. Johann Strupp, Tina Ilse Gintrowski und Judith Zander sind beim 15. „open mike“ ausgezeichnet worden. Nun kommen sie nach Frankfurt.

          Gewonnen haben sie in Berlin, aber sie wohnen, arbeiten und schreiben in Leipzig und im Emsland. Am Sonntag sind Johann Strupp, Tina Ilse Gintrowski und Judith Zander in Berlin beim 15. „open mike“ ausgezeichnet worden, schon am Mittwochabend sind die Gewinner des Literaturwettbewerbs im Literaturhaus Frankfurt zu Gast. Die Frankfurter Lesung ist eine Premiere, soll aber zu einer festen Einrichtung werden.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit nach dem Ausscheiden des ehemaligen Geldgebers im vergangenen Jahr die Frankfurter Crespo Foundation die Finanzierung des Wettbewerbs übernahm, hat es einige Neuerungen gegeben. Der Abend im Literaturhaus gehört zu ihnen – nicht nur, weil die Stiftung ihren Sitz am Main hat, sondern auch, weil Frankfurt Verlagsstadt ist und ein Auftritt in der Stadt von Suhrkamp, S. Fischer und anderen den Preisträgern nützlich sein könnte. „So viele Lektoren in Berlin auch im Publikum sitzen mögen, hier sind es noch mal andere“, sagt Karin Heyl, Geschäftsführerin der Crespo Foundation. Wie Heyl legt auch Thomas Wohlfahrt, Leiter der Berliner Literaturwerkstatt und Initiator des Wettbewerbs, Wert darauf, den Gewinnern des „open mike“ Chancen über den Preis hinaus zu bieten und etwas für andere junge Autoren zu tun.

          „Blechtrommel“ als Vorbild

          Diesem Zweck dienten nicht nur das in Berlin neu eingeführte Kolloquium der ehemaligen Preisträger vor dem Wettbewerb und die Frankfurter Lesung, sondern auch die in Berlin und Frankfurt im vergangenen Jahr zum ersten Mal veranstalteten Schreibwerkstätten für Lyrik und Prosa. In diesem Jahr werden die Workshops von Björn Kuhligk und Markus Orths betreut, die zu den Preisträgern der Jahre 1997 und 2000 zählen.

          Dagmar Szabados, Oberbürgermeisterin von Halle

          Auch die diesjährigen Gewinner kann die Frankfurter Lesung nur bekannter machen, selbst wenn sie es bis zum Preis schon geschafft haben. Trupp, der mit seinem Text „Parallelgestalten“ einen der drei von der Jury vergebenen Preise und den zum ersten Mal vergebenen Publikumspreis gewann, arbeitet in Lingen an der Ems als Lagerist in einem Großhandel, der Kioske und Tankstellen beliefert. Bei „open mike“ hat er sich beworben, weil es der einzige Wettbewerb war, den er kannte. Erst Ende des vergangenen Jahres beschloss er, aus seinem Hobby mehr zu machen.

          „Ich wollte schon schreiben, bevor ich das erste Buch in der Hand hatte.“ Das war in Bischkek, wo er 1979 geboren wurde. Viel gelesen hat er erst, nachdem seine Familie 1992 nach Deutschland ausgewandert war und ohne Fernseher in ihrer Wohnung saß. Unter den deutschen Autoren beeindruckte ihn Grass ganz besonders. „Als ich die ,Blechtrommel‘ zum ersten Mal las, dachte ich, so möchte ich auch schreiben.“ Gleich den ersten Literaturwettbewerb zu gewinnen, an dem man teilnimmt, ist da sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

          Gedichte sichten

          Auch für Judith Zander, die den in diesem Jahr zum ersten Mal verliehenen Lyrikpreis erhielt, hat sich die Teilnahme am Wettbewerb schon gelohnt. Die 1980 in Anklam geborene Absolventin des Deutschen Literaturinstituts Leipzig wurde noch am Sonntag von einer Lyrik-Verlegerin angesprochen. Zander nahm in diesem Jahr zum zweiten Mal am Wettbewerb teil. Nachdem die Dichter im vergangenen Jahr nur gelobt, aber nicht ausgezeichnet wurden und es hieß, beim nächsten Mal werde es einen eigenen Lyrikpreis geben, hatte sie beschlossen, die Veranstalter beim Wort zu nehmen.

          Den Roman über ihre vorpommersche Heimat, an dem sie im Augenblick schreibt, wird sie nun erst einmal beiseitelegen, um ihre Gedichte zu sichten. Sie hofft jedoch, dass der Preis ihr auch bei der Suche nach einem Verlag für den Roman helfen wird. Und für Tina Ilse Gintrowski ist der Preis zumindest eine Bestätigung, ihrem Talent zu vertrauen. Sie sei, sagt sie, um ihr Schreiben immer ein wenig herumgeschlichen. Seit Sonntag dürfte es damit vorbei sein.

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