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Im Porträt: Intendant Matthias Fontheim : Selbstausbeutung ist schon lange nicht mehr schick

Künstlerisches Konto voll, Kasse leer: Matthias Fontheim, noch Intendant des Staatstheaters Mainz. Bild: Kretzer, Michael

Wenn die Politik Verabredungen nicht einhält, muss sie sich fragen, welches Theater sie eigentlich will: Intendant Matthias Fontheim verlässt das Staatstheater Mainz.

          Im Treppenhaus stehen schon die Kostüme für „My private Odyssey“, das neue Tanzstück von Guy Weizman und Roni Haver, bereit. Unter der Intendanz von Markus Müller werden die israelischen Choreographen im Oktober die neue Compagnie „tanzmainz“ eröffnen. Der scheidende Intendant Matthias Fontheim sitzt im Stockwerk drüber so ruhig wie eh und je auf dem kleinen Sofa im Intendantenbüro. Im Vorzimmer werden Akten aussortiert.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wehmut? Ein paar Tränen flössen schon bei so vielen letzten Vorstellungen, sagt Fontheim, aber: „Wie hätte es denn weiterlaufen sollen?“ Fontheim, Jahrgang 1956, seit 2006 Intendant am Staatstheater Mainz, hat für sich den Schlussstrich gezogen. Schon vor zwei Jahren hatte er angekündigt, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wolle. Bevor andere ihm mit einer Absage zuvorkamen, heißt es - denn besonders beliebt bei den Geldgebern und Teilen des Publikums war der gebürtige Krefelder nie.

          Fehler sollten möglich sein in der Kunst

          Fontheims Politik, mit Neuem, Zeitgenössischem auch überregional für Aufmerksamkeit sorgen zu wollen, als Entdecker die jungen Talente zu finden, ist im Großen und Ganzen aufgegangen: In Erinnerung werden etwa eine mit Preisen überhäufte junge Opernregisseurin wie Tatjana Gürbaca bleiben, ein erst 30 Jahre alter leitender Regisseur namens Jan Philipp Gloger, der die Klaviatur von Elfriede Jelinek bis Richard Wagner spielt, Hausautoren, Uraufführungen, auch durch Fontheim selbst, Festivals und vor allem im Schauspiel ein geradezu vorbildlich spielwütiges Ensemble meist junger Leute. Natürlich seien Fehler passiert, sagt der Intendant - aber die müssten in der Kunst auch möglich sein.

          „Das ist ja etwas, dass hier so viele Leute entdeckt worden sind und an die großen Häuser gegangen sind. Darauf bin ich schon stolz. Und in den letzten zwei Jahren, als klar war, dass das hier nicht weitergeht, habe ich auch jeden ermutigt, seinen Weg zu suchen und zu gehen“, so Fontheim. Viele Theater hätten in Mainz „eingekauft“, unter anderem werden etliche Gesichter demnächst in Wiesbaden zu sehen sein. „Ich bin froh, dass die meisten ein Engagement gefunden haben.“

          Fontheim hat den Ruf, schwierig zu sein

          Doch um die Kunst ist es oft nicht gegangen in den acht Mainzer Jahren Fontheims. Schon der Beginn war von Sparzwängen geprägt, mit denen schon Vorgänger Georges Delnon gekämpft hat. Als Fontheim in Mainz unterschrieb, sollte der Etat „gedeckelt“ bleiben.

          Wie es weiterging, dokumentiert er selbst im Schlussbeitrag eines Buches, das nun seine acht Jahre am Staatstheater Mainz porträtiert. Stationen einer immer stärkeren finanziellen Bedrängnis, die stets mit dem Versprechen, diese Einsparung sei die letzte, einherging. Der Gipfel war 2010 erreicht, als Stadt und Land sechs Millionen Euro am Theater einsparen wollten. Die Proteste einten Publikum, Theatermacher und Mainzer Bürger. „Die Mainzer kämpfen ja auch für ihr Theater“, sagt Fontheim.

          Auch wenn das, was er zeigte, nicht immer nach ihrem Geschmack war. Und auch der Aufsichtsrat der Theater-GmbH durchaus Kritik am Programm des Intendanten übte: Warum das schon wieder sein müsse? Warum nicht öfter Musical gespielt werde? Wie es mit der Auslastung stehe? Auch in Gesprächen mit den Theatervereinigungen habe er, gibt Fontheim zu, sich den Ruf erworben, schwierig zu sein, doch: „Wir hatten Gründe, etwas zu machen.“

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