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„Im Labyrinth des Schweigens“ : Wie ein junger Staatsanwalt den Schrecken von Auschwitz erkennt

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Aufklärer: Fritz Bauer (Gerd Voss, rechts) beauftragt den jungen Staatsanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) mit den Auschwitz-Ermittlungen. Bild: Universal

Der junge Staatsanwalt Johann Radmann hat im Frankfurter Auschwitz-Prozess Täter und Opfer vernommen. Der Film „Im Labyrinth des Schweigens“ zeigt eindringlich, wie sich ihm und dem deutschen Volk die Augen öffnen für die Monstrosität der nationalsozialistischen Verbrechen.

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          „Da draußen läuft ein Mörder frei herum!“ Vor einem Jahr hat der Schauspieler André Szymanski in seiner Rolle als Frankfurter Journalist Thomas Gnielka diesen Satz im Bolongaropalast in Höchst wieder und wieder einem Oberstaatsanwalt und anderen Justizbediensteten ins Gesicht geschleudert. Viele Male hat Filmregisseur Giulio Ricciarelli die Szene wiederholen lassen, bis er endlich zufrieden war. Jetzt ist sie im Kino zu sehen.

          Am 4. November erlebt Ricciarellis Spielfilm „Im Labyrinth des Schweigens“ über die Vorgeschichte des Frankfurter Auschwitz-Prozesses im Metropolis-Kino seine Deutschland-Premiere. Viele seiner Szenen sind in Frankfurt gedreht worden: in den Büros der Jahrhunderthalle, im Riederwald, im Römer, im Stadtpark Höchst und vor allem im Bolongaropalast. Dort haben die Ausstatter eigens das Büro des legendären hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer mit seiner avantgardistischen Tapete nachgebaut.

          Eindringlicher Film über die Zeit um 1960

          Warum ist dieser Stoff nicht schon längst verfilmt worden? Das hat sich Regisseur Ricciarelli auch gefragt, als ihn vor nicht allzu langer Zeit die Filmautorin Elisabeth Bartel auf den Frankfurter Auschwitz-Prozess und die Probleme Fritz Bauers, ihn überhaupt in Gang zu bringen, aufmerksam machte. Sie hatte in einer Zeitung einen Artikel über das Verfahren gelesen. Ricciarelli jedenfalls erkannte sofort, dass er mit diesem Thema auf einen „Schatz“ gestoßen war, und schrieb zusammen mit der Autorin Bartel ein Drehbuch. Es war dieses Manuskript, das die Universal Pictures, den Produzenten des Films, und weitere Geldgeber wie Hessen Invest Film und andere Filmförderungsanstalten überzeugte. Sie ermöglichten Ricciarelli, der eigentlich Filmschauspieler ist und bisher nur mit einigen Kurzfilmen hervorgetreten ist, sein Spielfilmdebüt.

          „Im Labyrinth des Schweigens“ ist ein eindringlicher Film geworden, der die Zeit um 1960 wiederaufleben lässt. Der Krieg ist 15 Jahre vorbei, der Wiederaufbau im vollen Gang und die Verdrängung der bösen Vergangenheit perfekt. „Auschwitz?“, fragt der Journalist Gnielka im Gebäude der Frankfurter Staatsanwaltschaft. „Kennen Sie Auschwitz?“ Alle schütteln den Kopf oder wollen das Wort nicht hören: die Sekretärinnen, die Juristen, die Besucher. Die Deutschen befinden sich im selbstgewählten Tal der Ahnungslosen, vom großen Judenmord, von den Vernichtungslagern und Gaskammern wissen sie nichts oder wollen nichts wissen.

          Ungeheuerlichkeiten im Namen des Volkes

          Das ist das Thema dieses Spielfilms. Mit Hilfe eines Prozesses gegen Schergen der Auschwitz-Lagermannschaft will Fritz Bauer den Deutschen die Augen für den Holocaust öffnen. Doch nicht den hessischen Generalstaatsanwalt haben Ricciarelli und Bartel in den Mittelpunkt ihrer Geschichte gestellt, sondern den jungen Staatsanwalt Johann Radmann, überzeugend dargestellt von Alexander Fehling. Er ist am Anfang genauso ahnungslos wie seine Zeitgenossen, und er macht bei den Vernehmungen der Opfer und der Täter denselben Erkenntnisprozess durch, den die deutsche Nation während des historischen Auschwitz-Prozesses erlebte: Radmanns Augen öffnen sich für die Monstrosität des nationalsozialistischen Menschheitsverbrechens.

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